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Dezember 2019
Mittwoch
20:00-22:00
Verminte Seelen
Schauspielprojekt von Barbara-David Brüesch zur administrativen Versorgung - Uraufführung

Zum Stück

Bis 1981 konnten in der Schweiz Kinder und Erwachsene ohne Gerichtsentscheid und ohne, dass sie ein Delikt begangen hatten, versorgt werden. Sie wurden in Arbeitserziehungsanstalten, Strafanstalten, Erziehungsheime oder Psychiatrien eingewiesen und von dort nicht selten als Arbeitskräfte ausgeliehen. Nach willkürlichen moralischen Massstäben entschieden Beamte darüber, wer nacherzogen werden sollte. Bis heute leiden Betroffene unter den Folgen des erlittenen Unrechts, viele sind daran zerbrochen, nicht wenige haben Suizid begangen. 
 
Das Stück schickt eine Gruppe von Menschen auf Spurensuche in Zeitdokumenten, Akten und Erinnerungen. Dabei stossen die Suchenden auf Schicksale, aus denen sich einzelne Figuren immer klarer herausschälen: Mario, der mit fünf Jahren als Waisenkind von einer Familie adoptiert wird und später alles dafür tut, um aus der von Mönchen geführten und von Gewalt und Missbrauch geprägten Erziehungsanstalt auszubrechen. Carol, die aus ihrem Kaff in die Freiheit versprechende Stadt ziehen möchte und stattdessen grundlos im Frauengefängnis landet. Walter, im Gefängnis geboren, von klein auf drangsaliert und schliesslich als Testobjekt neuer Antidepressiva missbraucht. Und Uschi, die aufgrund ihrer jenischen Herkunft ins Visier der Behörden gerät…

Wie Splitter liegen sie da, die Teile der erlittenen Grausamkeiten und zeigen die kafkaesken Züge eines Unrechtssystems. Vor allem Dank der jahrelangen Pionierarbeit der Leidtragenden kommt es endlich zu einer Aufarbeitung der Geschehnisse. Im März diesen Jahres erschien der Bericht der vom Bundesrat eingesetzten Unabhängigen Expertenkommission (UEK) Administrative Versorgungen.
Mit Verminte Seelen setzt das Schauspiel nach Das Schweigen der Schweiz und Lugano Paradiso seine erfolgreiche Auseinandersetzung mit brisanten Schweizer Themen fort.

Trigger-Warnung: Dieses Stück thematisiert körperliche und psychische Gewalt sowie sexuellen Missbrauch.

«Das Schlimmste war, dass ich gar nicht wahrgenommen wurde.»

Besetzung

Zugabe

Verminte Seelen - ein Beitrag von Markus Wehrli auf SRF 1.

Presse

Saiten

Trotz aller Rabenschwärze, trotz allem Schwarzweiss drückt "Verminte Seelen" nicht auf die Tränendrüsen, ist frei von Moralin und Sentimentalität. Regisseurin Barbara-David Brüesch, ihr Ausstattungsteam (Markus Karner, Heidi Walter, Christian Müller) und ihr starkes Ensemble vermeiden alles Plakative. Sie setzen auf die Kraft des Authentischen und übersetzen es in sparsame Bilder: die Pfeile, die auf die Heimschweiz sausen, das Schleppen von Kistenstapeln, die roten Kinderpüppchen, mit denen Uschi ihre Vergewaltigungen "dokumentiert", die Pingpong-Bälle, die von der Decke prasseln, den Boden unsicher und das blosse Gehen zum Eiertanz machen. [...] "Verminte Seelen" ist ein respektvoller Versuch, die Opfer zumindest im Nachhinein nicht allein zu lassen mit ihrer Geschichte.

St.Galler Tagblatt

Vergewaltigung, Missbrauch, himmelschreiende Einsamkeit, Gewalt, Selbstmord, Medikamentenversuche, das Versagen von Elternhäusern, Institutionen und Justiz - nichts lassen die Theatermacher aus. Nüchtern, ohne Sozialkitsch, Drama oder historisierenden Naturalismus, und dadurch umso eindringlicher.

Schweizerische Depeschenagentur

Das Theater St.Gallen setzt sich erneut mit einem dunklen Kapitel der jüngeren Schweizer Geschichte auseinander: In "Verminte Seelen" geben die Schauspieler administrativ Versorgten eine Stimme. Leidensgeschichten, die unter die Haut gehen.

Solothurner Zeitung

Bewegende Aufarbeitung eines historischen Unrechts.

Termine & Tickets

Lokremise

Im November 2008 haben die St.Gallerinnen und St.Galler einem Kulturzentrum in der Lokremise am Hauptbahnhof zugestimmt. Eröffnet wurde die neue Spielstätte des Theaters St.Gallen Mitte September 2010

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