12
Oktober 2018
Freitag
19:30-21:00
Spekulanten
Ein Volkstheater von Philippe Heule - Uraufführung
Container am Marktplatz am Werdenbergersee in Buchs | Ticketreservierung unter +41 71 242 06 06

Zum Stück

In dieser Spielzeit verlässt der Theatercontainer die Stadtgrenzen von St.Gallen. Er macht sich auf den Weg entlang des Bodenseeufers das Rheintal hinauf und landet an verschiedenen Orten, um in Chur die kleine Tournee zu beschliessen.
Im Auftrag des Theaters St.Gallen schreibt und inszeniert der im Rheintal aufgewachsene Autor und Regisseur Philippe Heule einen Text, der aus der Auseinandersetzung mit seiner Heimat entsteht: Spekulanten. Ein Volkstheater.
Als Voyeure beobachten die Zuschauer Menschen hinter Glas in ihren Sicherheits- und Komfortzonen – wie sie leben und ihre zersiedelte Existenz zu schützen versuchen angesichts der um sich greifenden Verunsicherung. Der Container vollführt eine Suchbewegung an die Ränder, an den Agglomerationen im unteren Rheintal entlang und durch die Durchfahrtszonen weiter oben, in die Herzen der Ecken, wo man vielleicht nicht immer gern hinschaut – und von wo es doch so viel zu erzählen gibt.
Philippe Heule sagt über sein Projekt: ‹Ich habe versucht, einer Landschaft und ihrer Bevölkerung diesen Text abzuhören, ihre Gefühlslagen zu erfassen. Ich verbinde damit eine humorvolle Annäherung, die auch schmerzhaft sein soll, da sich der Humor aus der Verzweiflung und dem Gewaltpotential der Situationen speist. Interessant finde ich, dass „Ein Volkstheater“ auch den Zirkus rund um den Begriff des Volkes meinen kann, ein schwieriger Begriff, da sich nichts über einen Kamm scheren lässt. Am Ende lassen sich eben nur Vermutungen, eben Spekulationen über eine Landschaft anstellen›.

Container on Tour
Im Anschluss an die vier Vorstellungen vor der Lokremise in St.Gallen gastiert die Produktion in Rorschach, St.Margrethen, Heerbrugg, Altstätten und Buchs. Die letzten Vorstellungen finden im Januar 2019 in Chur vor dem Theater statt. Die genauen Angaben zu den Spielorten sowie -daten finden Sie unter "Termine & Tickets".

Tickets
Für die Vorstellungen im Rheintal ist zwar die Ticketreservierung über das Theater St.Gallen möglich, Abholung und Bezahlung jedoch ausschliesslich ab einer Stunde vor Vorstellungsbeginn am jeweiligen Spielort. T 071 242 06 06, kasse@theatersg.ch
Der Eintritt kostet CHF 20.-

Für Tickets am Spielort Chur kontaktieren Sie bitte direkt das Theater Chur. T 081 252 25 03, kasse@theaterchur.ch

Wetter
Spekulanten. Ein Volkstheater findet unter freiem Himmel statt. Wir sind bemüht, die
Vorstellungen auch bei zweifelhafter Witterung durchzuführen. Da die Abende manchmal
kühl werden, empfehlen wir, warme Kleidung oder Decken mitzunehmen.

Informationen über die Durchführung der jeweiligen Vorstellungen erhalten Sie ca. 2 Stunden
vor Beginn der Veranstaltung auf unserer Wetter-Hotline 071 242 06 05 oder unter theatersg.ch

«Mehr Zusammenhang gab es nie.»

Besetzung

Zugabe

TV-Beitrag bei TVO - Das Ostschweizer Fernsehen
Radio-Beitrag bei SRF / Regionaljournal Ostschweiz

Dramaturg Armin Breidenbach im Gespräch mit Philippe Heule, Autor und Regisseur des Stücks

Lieber Philippe, dieses Projekt ist ja eine doppelte Heimkehr. Zum einen stammst du selbst aus dem Rheintal, zum anderen hast du auch schon früh Beziehungen nach St. Gallen geknüpft, speziell zum Theater. Welche Beziehungen waren das?
 
Mit vierzehn Jahren wurde ich durch einen Berufsberater auf den Jugendtheaterclub am Theater St.Gallen aufmerksam gemacht. Die folgenden Jahre lernte ich dort spielerisch die Grundlagen des Theatermachens kennen. Ich hatte ausserdem Schauspiel-Unterricht bei Diana Dengler, die ja heute noch fester Bestandteil des Ensembles ist. Später bekam ich durch Hospitanzen Einblicke in die Maschinerie des Stadttheaters. Das war eine prägende Zeit. Das Theaterfieber hatte mich gepackt, und ich entschied mich vorerst für eine Schauspielausbildung. Damals war ich neunzehn. Dreizehn Jahre später kehre ich nun als Autor und Regisseur zurück.
 
Wenn du heute deine Heimat besuchst und dann wieder verlässt, mit welchen Eindrücken kehrst du zurück? Was hat sich verändert, seitdem du nicht mehr im Rheintal lebst?
 
Als regelmässiger Besucher erlebe ich bauliche Massnahmen im Zeitraffer, und deshalb staune ich jedes Mal, wie viel wieder gebaut wurde. Ansonsten sind für mich die Veränderungen schwer zu greifen. Menschen werden älter, neue werden geboren, Beziehungsgeflechte ändern sich, Ideologien bekommen ein neues Gewand. Gefühlt bleibt für mich das Rheintal aber derselbe Ort. Es ist der Ort meiner Kindheit, meiner Jugend. Es bleibt meine Heimat, auch wenn es nicht mehr mein Zuhause ist. Das ist die grösste Veränderung für mich, dieser Wechsel der Perspektive.
 
Dein Stück besteht aus 10 Szenen, die vor allem im privaten Rahmen spielen, es treten insgesamt 24 Charaktere auf. Wie hast du dafür recherchiert?
 
Formal wusste ich früh, dass ich einen Szenenreigen schaffen möchte, mit losen Zusammenhängen und Verbindungslinien. Die Recherche gestaltete sich sehr intuitiv, um nicht zu sagen chaotisch. Der Auftrag war für mich, ein Stück zu schreiben, das dieser Region entspringt. Obwohl ich mich dieser Landschaft und den Menschen darin sehr verbunden fühle, bleibt sie dennoch ein abstrakter Gegenstand. Wie lässt sich diese zusammenfassen, was lässt sich an ihr ablesen? Für mich ist die Suche nach dem Universellen wichtiger als nach dem Ortsspezifischen. Es war eine lange Suchbewegung, ein grossflächiges Umkreisen von Themen, ein Sammeln von Dialogfetzen, von Situationen, von konfliktreichen Konstellationen, von Tatorten. Sobald ich im Rheintal war, wurde eigentlich alles zur Recherche, fündig wurde ich besonders dann, wenn ich den Auftrag für einen Moment vergessen habe. 
 
Es war ja Teil des Auftrags, einen Text für die Container-Tournee zu schreiben. Welche Rolle hat diese Tournee-Situation, hat der Spielort Container für dich beim Schreiben gespielt?
 
Eine grosse Rolle. Der Container mit seiner Verglasung und die Vorstellung von Menschen, die da drin eingeschlossen agieren und rausgucken, war für mich auch eine inhaltliche Setzung. Dadurch war für mich klar, dass das Beobachten und Beobachtetwerden ein wichtiger Vorgang sein muss – das Vermutungenanstellen gegen aussen einerseits, und andererseits, dass im Container Figuren zu sehen sein werden, die einer permanenten Bewertungsmaschine unterworfen sind. Formal verführt das mikrofonverstärkte Spiel hinter Glas zu Intimität und Realismus, die Open-Air-Situation verleitet zur Groteske, zum Spektakel. Diesen Spagat zu schaffen, ist das Reizvolle. Weil die Inszenierung auf Tournee geht und damit nicht nur den gewohnten Theaterraum, sondern auch den Stadtraum verlässt, dachte ich beim Schreiben ausserdem stets darüber nach, inwieweit das Stück Zuschauer abholen soll, die selten bis nie ins Theater gehen.
 
Und warum heisst es „Spekulanten. Ein Volkstheater“?
 
Es ist eine Anlehnung an die Tradition von Volkstheaterstücken – dieses Stück ist mein Versuch von einem solchen. Ich habe ja versucht, einer Landschaft und ihrer Bevölkerung diesen Text abzuhören, ihre Gefühlslagen zu erfassen. Ich verbinde damit eine humorvolle Annäherung, die auch schmerzhaft sein soll, da sich der Humor aus der Verzweiflung und dem Gewaltpotential der Situationen speist. Interessant finde ich, dass „Ein Volkstheater“ auch den Zirkus rund um den Begriff des Volkes meinen kann, ein schwieriger Begriff, da sich nichts über einen Kamm scheren lässt. Am Ende lassen sich eben nur Vermutungen, eben Spekulationen über eine Landschaft anstellen.
 
Kommen wir zu dir als Regisseur. Ist es eigentlich einfacher oder schwieriger, einen eigenen Text auf die Bühne zu bringen, als den eines anderen Autors?
 
Beides. Die Regieposition braucht einen Abstand auf das Material, um radikal darauf zugreifen zu können. Eine solche Distanz ist bei einem fremden Text vorausgesetzt, dieser kann sich aber auch komplett verschliessen und einem Zugriff entziehen. Bei einem eigenen Text ist der Zugang zum Thema, zu seinem Kern grundsätzlich gegeben. Ich weiss über die Entstehung und die inneren Motivationen Bescheid. Es ist allerdings für die Umsetzung wichtig, während dem Inszenieren den Autor weitestgehend abzulegen und pragmatisch und ohne Samthandschuhe auf den Text, diesen Bauplan, zu schauen. Auch bei einem eigenen Text entdecke ich beim Inszenieren Schichten, die mir beim Schreiben gar nicht so bewusst waren. Die Interpretationen von der Ausstattung, der Dramaturgie und nicht zuletzt von den Spieler*innen sind essentiell wichtig, um einen frischen Blick zu gewinnen. Theater ist schliesslich Teamwork.

Presse

Der Rheintaler

Das Stück handelt von Menschen mit Ängsten, Sehnsüchten und Wünschen, aber auch von Menschen, die Verluste bewältigen müssen, von Liebeskummer geplagt sind und zu Höhenflügen ansetzen. Philippe Heule macht sich weder über seine Heimat lustig, noch poliert er das Image des Rheintals auf. "Das Rheintal bleibt meine Heimat, auch wenn es nicht mehr mein Zuhause ist", sagt der Autor. "Spekulanten" ist ein Volksstück aus Fleisch und Blut.

Neue Zürcher Zeitung

Fünf Darsteller spielen 24 Rollen. Schnell, grell. Volkstheater kann grotesk und feinsinnig sein. Hier glückt beides.

Werdenberger & Obertoggenburger

Die Situationen sind manchmal grotesk, ab und zu bleibt auch das Lachen im Hals stecken, und immer wieder ist spürbar: Der Autor wirft kritische, aber durchaus liebevolle Blicke auf sein heimatliches Tal.

St.Galler Tagblatt

Der Theaterautor Philippe Heule macht in "Spekulanten" das Rheintal zur zartbitteren Revue. Ein Open-Air-Vergnügen - schrill und dezent. Es ist Volkstheater im besten Sinne: pointiert und lebensnah.

Saiten

Autor Philippe Heule hat als sein eigener Regisseur eine Hand für pantomische Komik - grossartig etwa das Gerangel der Erben um Fernseher und Schmuck der lieben Verstorbenen, während die Rouleaux langsam runtergehen, so dass am Ende nur noch Beinknäuel zu sehen und Flüche zu hören sind.

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Container

Seit der Spielzeit 2016/2017 sucht das Theater den Dialog zu den St.Gallerinnen und St.Gallern auf eine ganz besondere Art und Weise: Ein alter Schiffs-Container taucht an den verschiedensten Orten in der Stadt auf.

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