22
Oktober 2020
Donnerstag
20:00-21:00
Radikal allein
Monologreihe
"Gun Love" von Jennifer Clement

Zum Stück

Allein mit dem Publikum, mit nichts als dem Text und der Figur im Gepäck, ist er die Königsdisziplin für alle Schauspielerinnen und Schauspieler: der Monolog. Da kommt jede Feinheit in der Betonung, jede noch so kleine Bewegung zum Tragen. Ob Erzähltheater, psychologisch ausgefeilte Figur oder actiongeladene Performance – möglich ist vieles.
Eine Reihe solcher Soli planen wir als eigenständige Produktionen für die erste Umbau-Spielzeit, die zugleich die Saison in der Geschichte des Theaters ist, die unter vollkommen neuen Vorzeichen ablaufen wird. Wie nah ist noch angenehm? Wie nah erlaubt? Genau dieses Spiel mit Nähe fasziniert. Monologe sind – losgelöst von räumlichen, szenischen Vorgaben – Theater zum Anfassen, selbst wenn das nicht mehr möglich ist.
Verschiedene Regisseurinnen und Regisseure inszenieren diese mal intimen, mal explosiven Begegnungen mit einzelnen Schauspielerinnen und Schauspielern in minimalistischen Settings – für den Fokus auf Text und Figur.
Die ersten beiden Monologe zeigt das Theater St.Gallen im Kunstmuseum. Wojtek Klemm inszeniert Jennifer Clements Gun Love.

Gun Love
Ein Trailerpark in Florida. Auf dem Parkplatz davor lebt mit ihrer jungen Mutter die 14jährige Pearl im gemeinsamen PKW. Ihre Mutter Margot hatte sie mit 17 Jahren bekommen und war aus der elterlichen Villa geflohen, allerdings nur 40 Meilen weit. Nun schlagen sich die beiden durch, Pearl geht zur Schule, ihre Mutter arbeitet ohne Ausbildung im nahegelegenen Veteranenkrankenhaus. Sie leben zusammen mit den anderen Bewohnern  am Existenzminimum. In der Erinnerung färbt Pearl die Zeit mit ihrer Mutter rosarot, die gemeinsame Zeit wirkt wie ein schöner Traum. Bis der so betörende wie gefährliche Eli auftaucht, dem ihre Mutter verfällt und der Pearls Platz im Auto einnimmt. Pearls Leben ändert sich schlagartig mit dem gewaltsamen Tod ihrer Mutter. Und schliesslich steckt sie mitten drin im Waffenschmuggel aus den USA nach Mexiko.

Jennifer Clements Roman zeigt den US-amerikanischen Süden als eine Region, in der ein von Drogen, Gewalt und Müll geprägtes Milieu alles in Kugeln und Kaliber verrechnet – auch wenn es das menschliche Leben selbst ist. Amokläufe scheinen immer möglich, das schnelle Geld winkt im Schmuggel mit dem ebenfalls von Waffen überschwemmten Nachbarland. Der amerikanische Traum hat sich zum Alptraum gewandelt, aus dem sich nur herausgeträumt werden kann.
Die mexikanisch-amerikanische Autorin Jennifer Clement schrieb Gun Love, diese seltsam poetische Melange aus Gewalt und Zuneigung, 2017. Seit 2015 ist sie neben ihrer Arbeit als Autorin Präsidentin der internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N.


 

Besetzung

Presse

St.Galler Tagblatt

Diesen grossen Roman hat Wojtek Klemm straff gekürzt, in nur 65 Minuten lässt er Anna Blumer wie eine verlorene, zerrüttete Traumtänzerin die Geschichte nachzeichnen. Blumer spielt inmitten der Kunstwerke, spielt mit ihnen, um sie herum, wird einmal gar Teil einer Videoinstallation. Klemm und Blumer gelingen skulpturale Bilder, und die himmeltraurige Geschichte von Pearl wirkt nicht hineingedrückt in diese artifizielle Umgebung, sie erhält vielmehr einen doppelten Boden: Pearl schlängelt, hüpft, singt und tanzt sich durch diese Welt, zu der sie nicht dazu gehört.

Termine & Tickets

Kunstmuseum SG

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