19
Mai 2019
Sonntag
11:00-12:00

Eintritt frei

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Matinee: Verminte Seelen
Schauspielprojekt zur Administrativen Versorgung

Zum Stück

Bis 1981 konnten in der Schweiz Kinder und Erwachsene ohne Gerichtsentscheid und ohne, dass sie ein Delikt begangen hatten, versorgt werden. Sie wurden in Arbeitserziehungsanstalten, Strafanstalten, Erziehungsheime oder Psychiatrien eingewiesen und von dort nicht selten als Arbeitskräfte ausgeliehen. Nach willkürlichen moralischen Massstäben entschieden Beamte darüber, wer nacherzogen werden sollte. Bis heute leiden Betroffene unter den Folgen des erlittenen Unrechts, viele sind daran zerbrochen, nicht wenige haben Suizid begangen. 
 
Das Stück schickt eine Gruppe von Menschen auf Spurensuche in Zeitdokumenten, Akten und Erinnerungen. Dabei stossen die Suchenden auf Schicksale, aus denen sich einzelne Figuren immer klarer herausschälen: Mario, der mit fünf Jahren als Waisenkind von einer Familie adoptiert wird und später alles dafür tut, um aus der von Mönchen geführten und von Gewalt und Missbrauch geprägten Erziehungsanstalt auszubrechen. Carol, die aus ihrem Kaff in die Freiheit versprechende Stadt ziehen möchte und stattdessen grundlos im Frauengefängnis landet. Christian, im Gefängnis geboren, von klein auf drangsaliert und schliesslich als Testobjekt neuer Antidepressiva missbraucht. Und Uschi, die aufgrund ihrer jenischen Herkunft ins Visier der Behörden gerät…

Wie Splitter liegen sie da, die Teile der erlittenen Grausamkeiten und zeigen die kafkaesken Züge eines Unrechtssystems. Vor allem Dank der jahrelangen Pionierarbeit der Leidtragenden kommt es endlich zu einer Aufarbeitung der Geschehnisse. Im März diesen Jahres erschien der Bericht der vom Bundesrat eingesetzten Unabhängigen Expertenkommission (UEK) Administrative Versorgungen.
Mit Verminte Seelen setzt das Schauspiel nach Das Schweigen der Schweiz und Lugano Paradiso seine erfolgreiche Auseinandersetzung mit brisanten Schweizer Themen fort.

Trigger-Warnung: Dieses Stück thematisiert körperliche und psychische Gewalt sowie sexuellen Missbrauch.

«Das Schlimmste war, dass ich gar nicht wahrgenommen wurde.»

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