10
Oktober 2021
Sonntag
11:00-12:00
Matinee: Die Zauberflöte
Oper von Wolfgang Amadeus Mozart
Eintritt frei I Zählkarten erforderlich

Zum Stück

Gemeinsam mit dem Leitungsteam und Ensemblemitgliedern sprechen unsere Dramaturg*innen über das Konzept und die Hintergründe der Inszenierung und bieten besonders Einblicke in die Beschäftigung mit dem jeweiligen Werk.

Tag gegen Nacht, Weiss gegen Schwarz, Männer gegen Frauen, Zivilisation gegen Natur — Die Zauberflöte scheint durchzogen von einer klaren Werteordnung. Dass die meistgespielte Oper überhaupt aber viel komplexer und manchmal auch rätselhafter ist, als es der erste Anschein vermuten lässt, hat schon zu sehr unterschiedlichen Interpretationsansätzen geführt. Das Stück präsentiert sich zugleich als zauberhaftes Märchen, Wiener Vorstadttheater und feierliches Mysterienspiel. Es lohnt sich daher, immer wieder neu auf dieses Meisterwerk zu schauen. Insbesondere dann, wenn das Theater St.Gallen sein volles Potenzial einsetzt: Alle Mitglieder des Regieteams sind feste Mitarbeiter*innen des Hauses und haben hier die Gelegenheit, ihr Können auf der grossen Bühne zu zeigen. Sie wollen gemeinsam eine fantasievolle und unterhaltsame Welt erschaffen, um die Geschichte von Pamina und Tamino, der Königin und Sarastro, Papageno und Papagena neu zu erzählen und kritisch zu durchleuchten. Die österreichische Dirigentin Katharina Müllner wird mit dieser Produktion ihr Debüt am Theater St.Gallen geben.

Oper in zwei Aufzügen

Uraufführung: 30. September 1791,
Theater im Freihaus auf der Wieden, Wien

Musik von Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto von Emanuel Schikaneder

In deutscher Sprache

Partner

  • Müller-Lehmann-Fonds

Presse

St.Galler Tagblatt

Mozarts Opernklassiker ist in der aktuellen Fassung am Theater St.Gallen fest in Frauenhand. Unter der transparenten musikalischen Leitung von Katharina Müllner erlaubt sich Regisseurin Guta Rau ein paar Freiheiten in Text und Abfolge und eine comichafte Erzählform – gut für Einsteiger und eine Freude fürs Ohr.

Saiten

Der Schlüssel, der am Ende der zeichnerisch animierten Ouvertüre ins Schloss passt, ist weiblich. Das ist das Programm dieser Produktion, an deren Spitze zwei Frauen stehen: die deutsche Regisseurin Guta Rau und die österreichische Dirigentin Katharina Müllner. Sie werfen die Deutungen, die sich in der Aufführungstradition etabliert haben, fröhlich über Bord. [...] Die Ironie funkt bis in die Arien hinein. Papageno lernt seine Queer-Lektion schnell und textet das «Mädchen» kurzerhand um: «Ein Männchen oder Weibchen wünscht Papageno sich.» Pamina schüttelt über die angeblichen «Pflichten» der Frauen nur den Kopf, und in ihrem Duett mit Papageno geraten «Mann und Weib und Weib und Mann» über Kreuz, als hätte Mozart seine sprühenden musikalischen Einfälle für uns heute gedacht. [...] Die Soli der Premierenbesetzung sind auf höchstem Niveau: Vuvu Mpofu gibt der Pamina Rebellentum und Tiefe, mit feinsten Pianissimi etwa in der Trauerarie «Ach ich fühls». Pavel Kolgatins Tenor strömt glanzvoll, Äneas Humm ist ein verspielter und stimmgewaltiger Papageno, Yorck Felix Speer ein Sarastro mit schwärzestem Bass, Antonina Vesenina schüttelt die Spitzentöne der Königin der Nacht locker aus ihrer Sternenkrone. In den weiteren Solopartien sind Riccardo Botta (Monostatos), Christopher Sokolowski und Kristjan Johannesson (Geharnischte), Tatjana Schneider, Jennifer Panara und Sara Jo Benoot (Drei Damen) sowie die begeistert applaudierten Drei Knaben, Liv-Maleen Nagel, Lorin Rütsche und Tessa Güssow zu hören und zu sehen. Munter wie die drei spielt das ganze Ensemble, zu teils neu geschriebenen Dialogen, die das Geschehen nach St.Gallen und in die Jetztzeit holen.

Roccosound

Zu erleben ist eine gewinnende Lesart der Mozart-Oper, die unforciert neue Perspektiven eröffnet und auch einfach eine Theatershow bietet, die nicht von gestern ist. Dazu tragen die kollektiven Auftritte bei, die eine Augenweide sind, sich aber auch musikalisch toll präsentieren, die drei «Knaben» als wuselnde Käfer, die drei Damen im Outfit eines ausgeflippten Modeschöpfers, Priester und Chor im Fantasy-Look. Ein Genuss ist diese Buntheit um so mehr, als die Bühnenbildnerin Marlies Pfeifer dafür mit dem feinen Stift einen zeichnerisch wunderbar klaren Raum geschaffen hat, den Licht (Andreas Enzler) und Vorhänge variieren. Witzig passt dazu die Projektion gezeichneter Animationen (Dietgard Brandenburg).

Onlinemerker

Vuvu Mpofu kann nach ihrer grossartigen Interpretation der Bess in «Breaking the Waves» als Pamina wieder einen grossen Erfolg verbuchen: ihr heller, klarer Sopran spricht in allen Lagen perfekt an. Grosser Zuspruch des Publikums. Yorck Felix Speer ist mit seinem gepflegten, wendigen Bass ein grossartiger Sarastro. [...] Pavel Kolgatin gibt mit kräftigem, leicht metallischem Tenor und perfekter Diktion einen mustergültigen Tamino. Die Rolle des Papageno ist Äneas Humm auf den Leib konzipiert, und entsprechend geht er darin auf. So könnte sich einer der jugendlichen Opernbesucher Papageno vorstellen, und Humm hat nicht nur die stimmliche Frische, sondern auch die Bühnenpräsenz dazu. Libby Sokolowski ist seine Papagena und passt perfekt. Riccardo Botta gibt einen herrlich knorrigen Monostatos. Die Geharnischten sind bei Christopher Sokolowski (zusätzlich Priester) und Kristján Jóhannesson (zusätzlich Sprecher) in besten Händen. Das Trio der Damen ist mit Tatjana Schneider, Jennifer Panara und Sara Jo Benoot geradezu luxuriös besetzt. Liv-Maleen Nagel, Lorin Rütsche und Tessa Güssow sind drei stimmschöne Knaben. Franz Obermair hat den Chor des Theaters St. Gallen und den Opernchor St. Gallen einstudiert. Mit bester Textverständlichkeit und guter Bühnenpräsenz haben sie ihren Part bestens gemeistert. Das Sinfonieorchester St. Gallen unter der musikalische Leitung von Katharina Müllner spielt erneut einen grossen Abend. Müllner hat die Partitur bestens durchhörbar aufbereitet, und das Orchester folgt ihr hochkonzentriert mit wunderbar sattem Klang.

oper aktuell

Der Applaus des Premierenpublikums war ungetrübt enthusiastisch.

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