30
Oktober 2022
Sonntag
11:00-12:00

Eintritt frei

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Matinee: Das Ende von Iflingen
Schauspiel nach dem Hörspieltext von Wolfram Lotz

Zum Stück

Sie heissen Michael und Ludwig, sie sind Engel, sie haben Flügel und einen Auftrag, der Auftrag lautet: Auslöschung. Auf Anweisung von ganz oben, also von Gott, sollen der Erzengel Michael und sein Assistenzengel Ludwig die Gesamtbevölkerung eines idyllischen Dörfchens namens Iflingen auslöschen. In Iflingen leben fromme Menschen, aber selbst der frommste Mensch versündigt sich bei Gelegenheit, das liegt in der Natur des Menschen, also haben die Iflinger*innen ihren Tod verdient. Dieser unerbittlichen Logik folgend, starten die Engel an einem milden Sommerabend ihre mörderische Tour durch das Kaff – Ludwig von gotteslästerlichen Zweifeln geplagt, Michael mit energischem Arbeitseifer. Der Plan: Haus für Haus abarbeiten, jeden Mann, jede Frau, jedes Kind mit dem Flammenschwert «auseinanderbrennen», «zu Asche schlachten». Das sollte sich in einer Viertelstunde erledigen lassen, das ist Routine, zumal für Michael, der schon ganz andere Exekutionsaufträge im Namen Gottes erledigt hat, grössere, würdigere, aber Pflicht ist Pflicht, also los! 
Schon im ersten Haus stossen die Engel auf ein Problem: Das hinzurichtende Ehepaar Ziegler sitzt nicht vor dem Fernseher, wie es laut göttlicher Vorsehung sein sollte, sondern ist verschwunden. Zweites Haus: Familie Gruber sitzt nicht am Küchentisch beim letzten Abendmahl. Drittes Haus, viertes Haus, niemand da, alle weg. Wo sind die Schlachtopfer hin? Was läuft hier schief? Hat Gott bei seiner Vorsehung gestümpert? Kann so jemand wie Gott überhaupt stümpern? Und was hat es mit den sprechenden Tieren auf sich, denen die Engel im menschenleeren Iflingen begegnen, darunter ein Schwein, das um seine Schlachtung bettelt?
Bei Wolfram Lotz ist der Tag des Jüngsten Gerichts kein apokalyptisches Grossereignis mit biblischer Wucht, sondern ein humoreskes Kammerspiel über Glauben, Zweifel und die Sehnsucht nach dem Ende von Allem.
Das Ende von Iflingen ist nach Einige Nachrichten an das All und Die lächerliche Finsternis bereits das dritte Werk des erfolgreichen deutschen Dramatikers, das in der Ära von Schauspieldirektor Jonas Knecht in St.Gallen auf die Bühne gelangt.

Presse

Die deutsche Bühne

Ästhetisch überzeugend verbindet Regisseurin Nina Mattenklotz das Setting eines Hörspiels mit theatralen Momenten.

SRF 2 Kultur

Birgit Bücker als Erzengel Michael und Anja Tobler als Hilfsengel Ludwig sind ein hinreissendes Gespann, das zwischen Clown-, Cowboy- und Gangstermodus oszilliert.

Nachtkritik

Spannung entsteht in den flirrenden Begegnungen mit den vermenschlichten Tieren. Matthias Albolds Igel ist wie ein spiessiger Wutbürger, der verbissen argumentiert, dass er im Laub wühle, weil er im Laub zu wühlen habe. Christian Hettkamps Mauersegler wie ein nächtlicher Traumtänzer im Hochflug, aus Angst vor dem Absturz sieht er in allem Lebendigen Tod und Verwesung. Beklemmend anrührend Oliver Losehands Schwein, das verzweifelt und panisch endlich geschlachtet werden will, um Erfüllung, Anerkennung, Erlösung zu finden. In diesen Begegnungen beginnt Lotz' Text düster-böse zu funkeln.

St.Galler Tagblatt

Trefflich besetzt sind die beiden Engel. Birgit Bücker macht aus dem Rächer Michael mit dem Feuerschwert einen himmlischen Besserwisser, der nichts als die To-do-Liste gelten lässt: eiskalt und grosskotzig, unermüdlich in seinem «Das-ziehen-wir-jetzt-durch»-Elan. Anja Tobler als Ludwig bringt die Posaune nicht umsonst mit. Am Ende wird sie in einem herrlich schrägen Solo die Apokalypse abblasen.

Termine & Tickets

Lokremise

Im November 2008 haben die St.Gallerinnen und St.Galler einem Kulturzentrum in der Lokremise am Hauptbahnhof zugestimmt. Eröffnet wurde die neue Spielstätte des Theaters St.Gallen Mitte September 2010

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