19
Mai 2019
Sonntag
11:00-12:00

Eintritt frei

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Matinee: Ausgegrenzt und weggesperrt (AT)
Schauspiel von Darja Stocker - Uraufführung

Zum Stück

Die Schweiz arbeitet gegenwärtig ein düsteres Kapitel ihrer Sozialgeschichte auf. Bis 1981 wurden von den Behörden unter dem Begriff ‹Fürsorgerische Zwangsmassnahmen› massive Verletzungen gegen die Menschenrechte begangen. Zehntausende Kinder und Jugendliche wurden als billige Arbeitskräfte ver-‹dingt›, in Heime oder in geschlossene Einrichtungen, teilweise ohne Gerichtsentscheid in Strafanstalten fremdplatziert. Auch sogenannt ‹arbeitsscheue› oder ‹liederliche› Männer und Frauen wurden meist ohne Gerichtsentscheid in Straf- und Arbeitsanstalten ‹versorgt›. Frauen wurden zur Abtreibung gezwungen oder dazu, ihre Kinder zur Adoption freizugeben und teilweise gar zwangssterilisiert. Kinder und Erwachsene waren in Heimen und in Kliniken Medikamentenversuchen mit unerprobten Substanzen oder Zwangsmedikationen ausgesetzt.
Erst als die Schweiz 1974 die Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnete, wurde die administrative Versorgung abgeschafft. 2014 setzte der Bundesrat eine Unabhängige Expertenkommission (UEK) zur Aufarbeitung der Geschichte der administrativen Versorgungen ein. Die Kommission wird noch in diesem Jahr ihren Bericht vorlegen.
Die Schweizer Autorin Darja Stocker schreibt zu diesem dringlich-traurigen Thema ein neues Stück für das Theater St.Gallen. Dabei interessiert sie neben den Schicksalen der Betroffenen insbesondere auch die Rolle des Staates und der Gesellschaft. Wie kann es sein, dass die administrative Versorgung oft auf so skandalöse Weise und bis in die jüngste Vergangenheit praktiziert wurde? Und welche Prozesse, Werte, Strukturen und Funktionäre in der Gesellschaft haben das möglich gemacht?
Nach Das Schweigen der Schweiz und Lugano Paradiso setzt das Schauspiel seine erfolgreiche Auseinandersetzung von Schweizer AutorInnen mit Schweizer Themen fort.

«Das Schlimmste war, dass ich gar nicht wahrgenommen wurde.»

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