11
Mai 2019
Premiere
Samstag
19:30-21:50
L'incoronazione di Poppea
Oper von Claudio Monteverdi | Bearbeitet und instrumentiert von Ernst Krenek

Zum Stück

Claudio Monteverdis Oper L’incoronazione di Poppea wurde in der Karnevalssaison 1642/1643 uraufgeführt. Die Geschichte bildet das Verhältnis zwischen dem liebestrunkenen Kaiser Nero und der berechnenden Poppea ab, das für alle Involvierten zu einem Spiel um Liebe und Macht, Leben und Tod wird. Monteverdi verband in seiner letzten Oper auf attraktivste Weise musikalisch-sinnliche Nuancen mit einem gnadenlosen Kampf um Macht. 1935/1936 bearbeitete Ernst Krenek die Barockoper. Der Komponist stammte aus dem Umfeld von Ferruccio Busoni, liess sich von Igor Strawinsky inspirieren und wurde bekannt durch seine Jazz-Oper Jonny spielt auf. Seine geschickte Instrumentierung und Umstrukturierung der Handlung lassen Monteverdis Werk im Geist der Musikwelt der 1930er-Jahre wieder auferstehen.

Uraufführung: 1642, Teatro Santi Giovanni e Paolo Venedig
(25. September 1937, Stadttheater Wien)

Oper in zwei Teilen
Musik von Claudio Monteverdi
Bearbeitet und instrumentiert von Ernst Krenek
Libretto von Giovanni Francesco Busenello
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

«Amor, erfülle meine Hoffnung und mache mich zur Braut meines Königs.»

Besetzung

Partner

  • Müller-Lehmann-Fonds

Zugabe

Barock trifft 20. Jahrhundert: Musiktheaterdramaturgin Caroline Damaschke im Einführungsvideo über L'incoronazione di Poppea.


Antiker Stoff im modernen Gewand
Ernst Kreneks Bearbeitung von Claudio Monteverdis letzter Oper L’incoronazione di Poppea
 
Claudio Monteverdis Oper L’incoronazione di Poppea, die vor fast 380 Jahren geschrieben wurde, steht in der Fassung von Ernst Krenek im Geist der Moderne der 1930er Jahre wieder auf. Ab dem 11. Mai ist dieses Werk, das Leidenschaften, Intrigen und Abgründe des Umfelds des römischen Kaisers Nero und seiner Geliebten Poppea abbildet, in einer Inszenierung von Alexander Nerlich zu sehen.
 
Doch viel prominenter gilt Claudio Monteverdis 1607 entstandene Oper L’Orfeo als eigentliche Geburtsstunde der Oper. Monteverdi hatte bis dahin viel Kirchenmusik geschrieben sowie Madrigale komponiert. Der Komponist hatte sich bewusst von der im 16. Jahrhundert gebräuchlichen kontrapunktischen Methode abgewandt und eine Art der Musik, bei der solistischer Gesang nur durch akkordische Musik begleitet wird, entwickelt, die seconda pratica. Dabei steht die Textverständlichkeit im Vordergrund – eine ausgezeichnete Voraussetzung für das Genre Oper.
 
Monteverdi schrieb eine ganze Reihe von Opern, von denen jedoch die Mehrzahl verschollen ist. Heute sind uns L’Orfeo, Il ritorno d’Ulisse in patria, L’incoronazione di Poppea und ein Fragment zu L’Arianna erhalten. Während in fast allen Opern, auch den verschollenen, Götter, Mythen und Allegorien im Fokus der Erzählungen stehen, handelt es sich bei L’incoronazione di Poppea (1642) um die erste Oper, die von historischen Personen erzählt. Zwar ist die Handlung durchdrungen von allegorischen Figuren und Göttern, doch im Zentrum stehen der römische Kaiser Nero sowie seine spätere Ehefrau Poppea. Giovanni Francesco Busenellos Libretto berichtet von deren leidenschaftlicher Liebe, der Gier nach Macht und den Intrigen am römischen Hof und zeigt auf, welche extremen Massnahmen die Charaktere ergreifen, um Liebe und Macht zu erringen oder festzuhalten. Angereichert wurde das Werk mit komödiantischen Szenen, in denen Dienerfiguren das Geschehen kommentieren und für Abwechslung sorgen.
 
Erst im frühen 20. Jahrhundert wurde die Oper wiederentdeckt und aufgeführt. Doch stellte die Quellenlage eine Herausforderung dar. Im Fall von L’incoronazione di Poppea haben zwei Quellen die Jahrhunderte überdauert, eine aus Venedig und eine aus Neapel. Sie übermitteln uns die Melodielinie sowie die Basslinie, doch es fehlt eine Instrumentation. So besteht die Notwendigkeit, das Werk neu zu instrumentieren.
 
Ernst Kreneks (1900 – 1991) Name ist vielen nur durch seine 1927 entstandene Oper Jonny spielt auf bekannt. Er studierte Komposition bei Franz Schreker und wurde zu einem äusserst experimentierfreudigen Komponisten, der stets am Puls der Zeit komponierte: Zunächst schrieb er atonale Werke, wandte sich dann dem französischen Neoklassizismus zu und war stark von Igor Strawinsky beeinflusst, dann waren seine Kompositionen eher von Unterhaltungsmusik und Jazz geprägt, er komponierte im Stil der Neoromantik und schrieb schliesslich Werke nach Arnold Schönbergs Zwölftontechnik. In den 1940er Jahren begann seine Auseinandersetzung mit serieller Musik und auch die elektronische Musik faszinierte ihn. Der österreichische Komponist war fester Bestandteil der führenden Künstlerkreise seiner Zeit und mit Strawinsky, Schönberg, Thomas Mann und Theodor W. Adorno bekannt, in erster Ehe war er mit Anna Mahler, der Tochter Gustav Mahlers, verheiratet. 1938 zog Krenek nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland in die USA, um seiner Arbeit nachgehen zu können, denn in Deutschland waren seine Werke als ‹entartet› verboten.
 
Ernst Kreneks Poppea, eine von ihm selbst betitelte «Bearbeitung», stammt aus den Jahren 1935/36 und gehört zu den frühen Bearbeitungen von Monteverdis Oper. Krenek entschied sich dazu, die Oper entschieden einzukürzen. In seiner Fassung verzichtet er auf die allegorischen Figuren Tugend, Glück und Liebe sowie auf die komödiantischen Einlagen, in denen ein Page und ein Hoffräulein auftreten. Er tilgt auch zwei der Götter, die in Monteverdis Oper erscheinen, Venus und Merkur. Somit konzentriert sich Kreneks Fassung auf die Abgründe und Eitelkeiten der Menschen sowie die Intrigen und Verstrickungen, die sich zwischen den Menschen abspielen, und lässt dabei göttliches Einschreiten aussen vor. Musikalisch ging es Krenek nicht um eine Rekonstruktion des Originals, sondern um «eine Wiederbelebung mit Hilfe zeitgenössischer Mittel». Entsprechend klingt Kreneks Poppea nicht wie Monteverdis Madrigale oder Werke der seconda pratica, sondern die Oper präsentiert sich als Musiktheater der 1930er-Jahre. Ein grosser Unterschied zu zahlreichen anderen Fassungen ist, dass Krenek die Oper durchkomponierte, das heisst, dass das Werk ohne Pause in einander übergeht und nicht wie bei Monteverdi in sich geschlossene Rezitative, Arien und Sinfonien aufweisst. Das Werk ist in zwei Teile unterteilt, die wiederum in einzelne Bilder gegliedert sind, die durch Zwischenspiele getrennt werden. Zwischen den zwei Teilen befindet sich ein längeres Intermezzo. Während man laut Forschung bei Monteverdi von einer Besetzung mit einem Basso continuo mit Theorbe und Cembalo sowie einem Streicherensemble ausgehen kann, instrumentierte Krenek das Werk für Streicher, Klavier, Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Trompete, Horn und Posaune. Dabei arbeitete er von der erhaltenen Basslinie ausgehend und lässt eine Harmonik erklingen, die am ehesten der Oper des späten 19. Jahrhunderts zuzuordnen ist. Von der erhaltenen Melodielinie ausgehend, verarbeitete Krenek Motive in der orchestralen Begleitung. Das grosse Intermezzo, das zwischen dem ersten und zweiten Teil von Kreneks Fassung, steht bezieht sich auf Rezitative und musikalisches Material, die in Monteverdis Quellen in Szenen auftauchen, die Krenek jedoch gestrichen hat.
 
 
 
 
 

Presse

Vorarlberger Nachrichten

Mit dieser "Poppea" wurde ein Schatz gehoben.

Ostschweiz am Sonntag

Konsequent und spannend wie der beste Thriller.

St.Galler Tagblatt

Die Inszenierung von Alexander Nerlich geht der neobarocken Klarheit der Musik präzise nach, bringt die Geschichte auf den Punkt. Liebe in all ihren Facetten, von Erotik bis Obsession, von Romantik bis brutalem Machtkalkül: Intensiv leuchtet die Regie diese Facetten aus. Klar, durchdacht, ohne überflüssige Zusätze. Nerlich lässt die Gewalt in dieser Geschichte geschickt und enentwegt neben den Liebeswirren parallel laufen. Das macht das Stück spannend wie einen Thriller, gibt ihm Zeitlosigkeit ohne Längen.

Oper aktuell

Das Sinfonieorchester St.Gallen unter der Leitung von Corinna Niemeyer transportiert diese instrumentale Farbpalette aufs Wunderbarste, zeigt die motivischen Verästelungen mit der gebotenen Transparenz.

Neue Zürcher Zeitung

Der Operndirektor Peter Heilker seinerseits beweist sein glückliches Händchen auch bei der Auswahl der Sängerinnen und Sänger: Im Barockrepertoire versierte Stimmen - notabene Raffealla Milanesi und Anicio Zorzi Giustiniani als überzeugende Hauptfiguren - kombiniert er mit dem wärmeren Timbre des 19. Jahrhunderts (etwa der Mezzosopranistin Ieva Prudnikovaite, die eine vielschichtige Ottavia zeichnet) zu einem klanglich ausnehmend stimmigen Ensemble. Dies ist wahrlich nicht die Regel im Opernbetrieb; ebenso wenig, dass die Qualität bis in die kleinen, aus dem Theaterchor bestetzten Rollen (Barna Kovács als 1. Soldat) gehalten wird.

Deutschlandfunk

Das Theater St.Gallen hat mit der Ausgrabung der vergessenen Monteverdi-Bearbeitung Kreneks einigen Mut bewiesen. Schon der erfreulichen sängerischen wie musikalischen Leistung wegen lohnt der Besuch der Produktion, die als Alternative zu historisch informierten Aufführungen äusserst interessant ist.

Roccosound

Der ausdrucksstarke Gesang auf der Basis eines wortmächtigen Librettos entfaltet seine Kraft auch mit dem St.Galler Ensemble.

Südkurier

Eine hochspannende Wiederentdeckung!

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