27
Mai 2019
Montag
19:30-21:50
L'elisir d'amore
Oper von Gaetano Donizetti
Einführung um 19 Uhr

Zum Stück

Der schüchterne Nemorino wirbt erfolglos um Adina. Abhilfe soll das vom Wunderdoktor Dulcamara erworbene Liebeselixier schaffen. Doch Nemorino ahnt nicht, dass er nur einfachen Wein von Dulcamara bekommen hat. Dennoch wirkt das Elixier: Nemorino wird zum Draufgänger und will in den Krieg ziehen, um seinem Liebesleiden zu entgehen – doch nun kann Adina ihm nicht mehr widerstehen.

Gaetano Donizetti komponierte diese Opera buffa angeblich in der Rekordzeit von 14 Tagen. Seine Musik beschreibt mit viel Witz die Charaktere: Adinas Lebhaftigkeit und Extravaganz werden immer sanfter, als sich ihre Gefühle ändern, Nemorinos Liebe zu Adina äussert sich in lyrischen Arien, der prahlerische Sergeant Belcore wirft sich auch stimmlich in die Brust, und der Geschäftsmann Dulcamara mit seinen vielen Versprechungen redet ohne Unterlass und tritt als wahrer Showman auf. In Donizettis grösstem Erfolg vermischen sich Sehnsucht und Fantasie, Romantik und Humor.

Uraufführung: 12. Mai 1832, Teatro della Cannobiana Mailand

Oper in zwei Akten
Musik von Gaetano Donizetti
Libretto von Felice Romani nach dem Libretto Le Philtre von Eugène Scribes
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

«Heimlich aus ihrem Auge sich eine Träne stahl.»

Besetzung

Partner

Zugabe

Musiktheaterdramaturg Marius Bolten im Kinderzimmer: Einführungsvideo zu L'elisir d'amore


Wenn das Kinderzimmer lebendig wird
L’elisir d’amore als Familienoper

Nemorino wirbt um Adina – erfolglos. Durch einen Liebestrank hofft er seine Schüchternheit zu überwinden. Er wird zum Draufgänger und will Soldat werden, und jetzt kann Adina ihm nicht mehr widerstehen. Gaetano Donizettis populärste Oper L’elisir d’amore, die 1832 in Mailand uraufgeführt wurde, behandelt den alten Mythos vom Liebestrank auf ironische Weise. Regisseur Ulrich Wiggers und Ausstatter Leif-Erik Heine haben sich für eine spielerische Umsetzung auf der Bühne entschieden.

Für Ulrich Wiggers hat dieses Stück alles: Witz, Drama und Poesie – und es ist auch deshalb so populär, weil es von normalen Menschen handelt. Das poetische Element sieht der Regisseur vor allem in der Figur des Nemorino. Dieser arme Landarbeiter hat die Kraft zu glauben, sogar an Märchen wie das vom Liebestrank der Königin Isolde. Darüber lachen wir, aber am Ende des 1. Akts wendet sich die Stimmung plötzlich ins Dramatische, und dann rühren uns seine Naivität und Verzweiflung. Und natürlich – sonst wäre es kein heiteres Melodram, wie der Untertitel lautet – gewinnt Nemorino am Ende tatsächlich Adinas Herz.

Adina wiederum, eine junge, selbstbewusste Frau, ist eine sehr moderne Figur. Sie lässt sich weder von Männern noch von der Liebe beherrschen und weiss, wie das Leben funktioniert. Sie verhält sich sehr speziell, steht als Figur aber in der Tradition der lebenslustigen und verführerischen Colombina der Commedia dell’arte. Ähnlich steht der aufschneiderische und übertrieben selbstsichere Belcore in der Tradition des Capitano, der letztlich auf den Miles Gloriosus der antiken Komödie zurückgeht. Eine weitere typische Figur ist Dulcamara, der Quacksalber oder (Möchtegern‑)Zauberer.

Neben der Typizität oder Allgemeingültigkeit der Figuren war ein wichtiger Aspekt für das Regieteam, dass es sich um eine Spieloper handelt. Die Figuren auf der Bühne müssen spielen und nachvollziehbar agieren. Das Libretto schildert eine abgelegene Gemeinschaft, in der Analphabetismus die Regel ist und wenig Kommunikation mit der Aussenwelt stattfindet. Wie kann man das heutig erzählen, wo doch heutzutage jedermann ein Mobiltelefon hat? Ausgehend davon, dass L’elisir d’amore als Familienoper aufgeführt werden soll, erinnerte sich der Regisseur daran, dass Puppen und Spielzeugfiguren für Kinder quasi leben. Was wäre, wenn bei uns auf der Bühne Spielzeugfiguren wirklich zum Leben erwachten, wie wir es aus Erzählungen wie Nussknacker oder der Filmserie Toy Story kennen?

Für den Ausstatter Leif-Erik Heine stellte sich die Herausforderung, wie man ein Kinderzimmer auf die Bühne bringt, in dem die Spielzeugfiguren so gross sind wie Opernsänger. Er entschied sich dafür, die Ecke eines Kinderzimmers im Massstab 20:1 nachzubauen, wobei eine Steckdose den Massstab sinnfällig macht. Durch die Vergrösserung ist die Schublade einer Kommode so gross, dass der ganze Chor herauskommen kann, wobei Dominosteine als Treppe dienen.
Was die Kostüme betrifft, so ist Heine nicht bestimmten Spielzeugfiguren gefolgt, sondern hat sich von verschiedenen Vorbildern inspirieren lassen, die er gemischt hat: von traditionellem Holzspielzeug über Plastikpuppen der 1960er-, Cowboys der 1970er- und Actionhelden der 1990-Jahre bis hin zu Zeichentrickfiguren kann sicher jeder, egal in welchem Jahrzehnt er oder sie Kind war, eigene Erinnerungen wiederentdecken.

Presse

Ostschweiz am Sonntag

Hinreissend komisch und voller Tiefsinn.

Vorarlberger Nachrichten

Ein musikalisch, darstellerisch und optisch höchst vergnüglicher Opernabend voller witziger Anspielungen, die die menschliche Dimension des Stücks nicht verraten haben.

Neue Vorarlberger Tageszeitung

Haben sich Donizetti und sein Librettist Felice Romani bei den Typen der italienischen Komödie bedient, so lässt Ausstatter Leif-Erik Heine Spielzeugfiguren der letzten Jahrzehnte lebendig werden - jeder und jede im Publikum soll sich wiederfinden in dieser quietschbunten Welt. Das gelingt auch, beflügelt von der charmanten Musik fiebert man mit dem lyrischen Tenor Alexey Neklyudov und dem leuchtenden Sopran von Tatjana Schneider mit, bewundert den souveränen Bariton Shea Owens in seiner grossspurigen Verkleidung und die wandlungsfähige Stimme des Dulcamara von David Stout.

St.Galler Tagblatt

So kann man sich dem Sog, der von dieser Inszenierung ausgeht, schon bald nicht mehr entziehen. Das Premierenpublikum hat sie denn auch mit lang anhaltendem Applaus quittiert und die Hauptdarsteller mit Bravorufen eingedeckt.

Roccosound

Leif-Erik Heines einfallsreiche und aufwendige Ausstattung weckt kindische Freude und in der wunderbar präzisen farbigen Optik auch die ästhetische Lust des Operngourmets. Szenisch hat man es mit einer süssen Theaterköstlichkeit zu tun, die ihresgleichen sucht. Das Wunder dieses Abends aber ist, dass sich im verniedlichten Massstab nichts von der grossen Herzensangelegenheit verliert, um die es in dieser Oper eben auch geht... Auf ein Glas (echten) Bordeaux für diesen Abend "di sì perfetta, di sì rara qualità".

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Das Grosse Haus ist das Herzstück des Theaters St.Gallen. Über 400 Mal hebt sich jährlich der Vorhang in dem Bau von Claude Paillard im Museumsviertel, in dem 741 ZuschauerInnen Platz finden.

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