27
März 2022
Sonntag
14:00-16:30
La traviata
Oper von Giuseppe Verdi
Stückeinführung 45 Minuten vor Beginn

Zum Stück

Violetta Valéry ist jung, begehrt und todkrank. In der glamourösen Halbwelt von Paris führt sie als Edelprostituierte ein ausschweifendes, aber isoliertes Leben im Luxus – bis sie mit Alfredo den Mann trifft, für den sie alles aufgeben und mit dem sie einen bürgerlichen Neuanfang wagen will. Doch die Moralvorstellungen von Alfredos Familie sowie das Fortschreiten ihrer Krankheit machen Violettas Pläne zunichte.
Mit hochemotionalen Arien und Duetten sowie rauschender Festmusik illustriert Giuseppe Verdi in seinem 1853 uraufgeführten Erfolgswerk Sein und Schein von Violettas Lebenswirklichkeit. Das Theater St.Gallen zeigt Verdis Klassiker des Opernrepertoires über eine sowohl fragile als auch willensstarke Frau, die für ihre Selbstbestimmung kämpft, letztlich aber an den gesellschaftlichen Zwängen und Normen zerbricht, in der Neuinterpretation der jungen Schweizer Regisseurin Nina Russi. Chefdirigent Modestas Pitrenas hat die musikalische Leitung inne.

Oper in drei Akten

Zuletzt in St.Gallen: 2008/2009
Uraufführung: 6. März 1853, Teatro La Fenice, Venedig

Musik von Giuseppe Verdi
Libretto von Francesco Maria Piave

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Koproduktion mit der Opéra national de Lorraine

Besetzung

Partner

Zugabe

Presse

St.Galler Tagblatt

Die Zürcher Regisseurin Nina Russi bringt Giuseppe Verdis Erfolgsoper «La traviata» ideenreich auf die Bühne und entlässt nach einem eindrucksvollen Abend ein mitgerissenes Publikum. Die Geschichte von Violetta aus weiblicher Sicht inszeniert, da war man zuerst gespannt und danach eingenommen. Russi positioniert Violetta weniger als Kurtisane, sondern als bewusst reflektierende Frau, die sich zwischen Party und vergänglichem Amüsement und einer echten Liebe entscheiden muss - und entscheidet. Man kommt dieser Frau sehr nahe. Es geht vor allem um sie, weniger um die Männer und deren Sicht auf sie. Mit der Südafrikanerin Vuvu Mpofu ist eine grandiose Violetta zu erleben. Stark, präsent, absolut sicher in jedem Moment der anspruchsvollen Titelrolle. Die Sopranistin lotet das Spannungsfeld zwischen oberflächlicher und ehrlicher Emotion packend aus. Die Regisseurin stellt Violetta ein kleines Mädchen zur Seite. Ein spannender Kunstgriff. Das Kind, an der Hand von Violetta oder von ihr umarmt, verstärkt die grossen Gefühle; das mütterliche Element schärft die Strahlkraft der Hauptfigur. [...] Wunderbar disponiert ist das Sinfonieorchester St.Gallen unter seinem Chefdirigenten Modestas Pitrenas, dem diese Musik spürbar liegt und der sie punktgenau den Sängerinnen und Sängern auf die Bühne zuspielen kann. Flüssig, plastisch, detailgenau, farbenreich und emotional genau dosiert entwickelt sich diese an Ideen so reiche und faszinierende Opernmusik. Perfekt besetzt sind auch die beiden männlichen Hauptrollen. Da ist Francesco Castoro als souveräner Alfredo und Partner Violettas. Er wird im ersten Teil als biederer Liebhaber gezeigt, eingekleidet mit Sakko, Pullover und Hose, die aus einem Billigversandhaus zu stammen scheinen. Bewusst nicht als der italienische Held gezeigt, kommt das Emotionale seiner Rolle umso überzeugender zum Tragen, bis zu Violettas Tod, wo Castoro viel Feinheit und Nähe ausstrahlt gegenüber Vuvu Mpofu, die gerade im Finale nochmals eine Zartheit ihres Soprans, eine berührende Intimität als weiterer Facette ihrer grossen Ausdruckspalette zeigen kann. Packende, ruhig und warm wirkende Bühnen- und Stimmpräsenz zeigt auch Kartal Karagedik als Giorgio Germont und Gegenfigur zu seinem Sohn Alfredo. Auch hier schafft es die Regisseurin, eine weitere psychologische Ebene herauszuarbeiten, den Vater-Sohn-Konflikt.

Vorarlberger Nachrichten

Ovationen für eine "La-Traviata"-Premiere unter besonderen Umtänden. So schnell ist sich ein Auditorium selten einig, etwas Aussergewöhnliches erlebt zu haben.

Musik & Theater

Wer Verdis «Traviata» inszeniert und die Titel-Figur als moderne heutige Frau zeigen will, steht vor einem grossen Problem: Eine solche Frau würde sich niemals vom Vater ihres Geliebten überzeugen lassen, nur wegen der Familienehre auf ihre Liebe zu verzichten. Nina Russi, junge Schweizer Regisseurin, will Violetta aber genau so zeigen, und fand dafür einen ganz brauchbaren Kniff: Ihre Violetta nämlich ist eine alleinerziehende Mutter und hat eine Tochter, für die sie eine Familie braucht, weil sie schon zu Beginn der Oper weiss, dass sie bald sterben wird. So kann man nachvollziehen, dass sie den Bitten von Vater Germont nachzugeben bereit ist, Russis Idee überzeugt.

Onlinemerker

Modestas Pitrenas hatte das Geschehen im Graben und auf der Bühne und dessen Koordination fest im Griff und führte Sänger und Orchester zu weitestgehend hervorragenden Leistungen. Das Sinfonieorchester St.Gallen spielte hochkonzentriert und besonders in den Vorspielen mit exquisit zartem Klang. Wo gefordert, waren auch imposante Aufschwünge möglich. Franz Obermair hatte die ihm zu Verfügung stehenden Sänger bestens einstudiert: von den Problemen war nichts zu bemerken.

Kronenzeitung

Die drei Hauptrollen sind glänzend besetzt.[...] Purer Wohlklang, aber auch dramatische Wucht kommt aus dem Orchestergraben.

Oper und Kultur

Seit drei Jahren musikalischer Leiter bei Konzert und Theater St. Gallen, ist der Litauer Modestas Pitrenas mit seiner sozialen und fachlichen Kompetenz ein echter Gewinn für das Haus. Das zeigt sich klar in der Art seines Dirigats, mit dem er in absoluter Beherrschung der Partituren, jede Stimme, jedes Instrument punktgenau miteinbezieht. Merklich auch die markante Veränderung durch die Einstudierung mit Franz Obermair, die deutlich eine neue Klarheit und Homogenität in den Theater- und Zusatzchor zu bringen vermochte. Auch mit der südafrikanischen Sopranistin Vuvu Mpofu sichert sich das Haus ein Ausnahmetalent, deren Stimmvermögen zwar gewaltig und dramatisch ist, es dennoch nie an Feingefühl vermissen lässt.

Roccosound

Zu erleben ist zum einen und vor allem mit Vuvu Mpofu eine Sängerin und Darstellerin der Violetta, die keine Kokurrenz zu scheuen braucht, die mit der Feinheit lyrischer Phrasierung wie mit der Verve von Spitzentönen leuchtend klar, geschmeidig und ausdrucksvoll gestaltet, eine Verdi-Gestalt, wie sie im Buche steht [...] Unter der Leitung von Modestas Pitrenas entfaltet das Orchester die ganze dramatische Wucht der Oper, wobei diese auch die Zurücknahme in die intimen klanglichen und melodischen Sphären einschliesst. Im Zusammenspiel von Bühne und Graben erlebt man ein Musizieren aus einem Guss. In Bezug auf den Chor will das etwas heissen. Dieser musste wegen Corona kurzfristig mit Aushilfen aus anderen Häusern zusammengestellt werden.

stgallen24

Die neben "Aida" und "Nabucco" wohl Giuseppe Verdis bekannteste Oper trumpft mit einer emotionalen Arie nach der anderen auf, ein stimmigewaltiges Duett folgt auf das nächste, rauschende Festmusik allenthalben. Dies umzusetzen, ist dem Theater St.Gallen vorzüglich gelungen, nicht zuletzt dank der beeindruckenden Leistungen von Francesco Castoro (Alfredo Germont, Sohn) und Kartal Karagedik (Giorgio Germont, Vater). Über allem schwebte aber Vuvu Mpofu – die südafrikanische Sopranistin gab die Violetta Valéry mit Hingabe, Herz, Seele und einer Stimme, die sich hinter keiner der bekannt(er)en Violetta-Interpretinnen zu verstecken braucht. Ganz grosses Kino, was die erst 31-Jährige aus Port Elizabeth, die seit 2021 am St.Galler Musiktheaterensemble engagiert ist, da abliefert – schon alleine wegen ihr lohnt sich der Besuch von "La traviata".

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