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Mai 2021
Sonntag
17:00-19:30
König Lear
Schauspiel nach William Shakespeare in einer Fassung von Thomas Melle

Zum Stück

König Lear ist des Regierens müde und läutet die grosse Veränderung ein. Sein Reich will er unter seinen drei Töchtern Goneril, Cordelia und Regan aufteilen. Ausgerechnet seine Lieblingstochter Cordelia verweigert den erzwungenen Liebesbeweis. Prompt wird sie vom narzisstischen Lear enterbt und verbannt. Lear will abwechselnd bei Goneril und Regan leben. Doch diese beiden verfolgen längst eigene politische Ziele: das überkommene patriarchale System muss gestürzt werden. Lear versteht das nicht: „Ich bin es doch, ich, Lear, euer Vater! Was kann ich denn für Jahrtausende! Ich sprech doch nur für mich." Der ehemalige Herrscher verliert sich im Wahnsinn, während sein Reich von Intrigen zerrissen wird.
Thomas Melle, Autor des in St.Gallen zur Schweizer Erstaufführung gebrachten Dramas Versetzung, hat für die Münchner Kammerspiele Shakespeares düstere Tragödie um Macht und Wandel, Intrige und Wahn neu übersetzt und bearbeitet und damit Shakespeares Original ins Heute übertragen. Die Sprache, die er Shakespeares Figuren in den Mund legt, ist zugleich zeitgenössisch und drastisch. Melle hat zahlreiche Rollen gestrichen und Veränderungen in den Konstellationen vorgenommen, vor allem aber hat er aktuelle politische Diskurse wie Gendergerechtigkeit und den grassierenden Populismus eingeflochten.

Die Inszenierung liegt in den Händen von Christina Rast, die in der Spielzeit 2016/2017 Friedrich Glausers Roman Matto regiert bildgewaltig und atmosphärisch dicht auf die Bühne des Grossen Hauses gebracht hat und in dieser Spielzeit die Uraufführung von Ivna Žics Stück Die Gastfremden inszenierte.
 

«Kein Paradies ohne Höllenritt.»

Besetzung

Partner

Zugabe

Einführungsvideo: Dramaturg Armin Breidenbach über den St.Galler Lear

Presse

SRF 2 Kultur

Eine Feier der Komödiantik und des Spiels!

St.Galler Tagblatt

Regisseurin Christina Rast fokussiert auf Witz und Slapstick. Das ist unterhaltsam, das spielfreudige Ensemble wirft sich mit Verve in die Szenen. [...] Überragend Musikerin Gina Été, die den Abend mit sphärenreicher Musik prägt. Blass dagegen die Figur der Leartochter Cordelia, die Été auch spielt – zu festgenagelt ist sie auf ihren Platz hinterm Instrumententisch. Ausstatterin Franziska Rast hat auf der Rückwand einen riesigen, schwarz-weissen Schlund entworfen, in den alles zu stürzen scheint. Als Spielfläche auf dem verzerrten Schachbrettboden dient ein überlanger Tisch, eine Mischung aus Schlachtbank und Laufsteg. Ein kluges Bild für die selbstsüchtigen Figuren, die über Leichen gehen, und dem Tod nicht entrinnen können. Bis die beiden Schwestern das System zum Umsturz bringen.

Nachtkritik

Es ist das erste Mal, dass Thomas Melles Münchner "Lear"-Textfassung in der Schweiz zu sehen ist; Christina Rast zieht daraus vorerst mal hauptsächlich die Satire. Unterstützt wird sie dabei auch von der Ausstattung ihrer Schwester Franziska Rast, die der Groteske einen psychedelischen Rahmen gibt mit einer mehrfach gebrochenen Schneckenhaus-Spirale im Bühnenhintergrund und einem schwindelerregenden Op-Art-Boden, über den die Figuren in schrillen Farben zappeln.

Saiten

In dieser Figur und ihrer prahlerischen Männlichkeit steckt der eine politische Zündstoff dieses Stücks – ein Männerbild, dessen altersverrücktes Zerrbild Christian Hettkamp als Lear schillernd verkörpert.

Termine & Tickets

UM!BAU

Der UM!BAU ist für rund zwei Jahre die provisorische Theaterspielstätte des Theaters St. Gallen, dessen Stammhaus einer Totalsanierung unterzogen wird und dadurch nicht für den Theaterbetrieb zur Verfügung steht. Der UM!BAU befindet sich auf dem Unteren Brühl, in unmittelbarer Nähe zum Theater und zur Tonhalle.

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