30
Dezember 2019
Montag
19:30-22:00
Endstation Sehnsucht
Drama von Tennessee Williams

Zum Stück

Einst Angehörige des Südstaaten-Geldadels und nun mittellos, steigt Blanche DuBois aus der Strassenbahn mit der Endhaltestelle ‹Sehnsucht›, um sich auf unbestimmte Zeit bei ihrer Schwester Stella einzuquartieren. Ihre herrschaftlichen Lebensverhältnisse sind längst Vergangenheit, der gesamte Besitz ist soeben versteigert worden. Die Schwestern haben beide nichts mehr als ihr Leben. Die Ehe von Stella und ihrem proletarischen Mann Stanley wird durch eine starke erotische Anziehung zusammengehalten, erweist sich aber mit der Anwesenheit von Blanche als konfliktanfällig. Eine stürmische Zeit zu dritt in der schwülen Hitze von New Orleans beginnt.
A Streetcar Named Desire, 1947 in New York uraufgeführt und bald darauf von Elia Kazan verfilmt, ist Tennessee Williams’ bekanntestes Drama. 1948 erhielt er dafür den Pulitzer-Preis. Meisterhaft beschreibt Williams das Aufeinandertreffen zweier Welten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Der Konflikt zwischen Blanche, Stella und Stanley ist der Konflikt zwischen Illusion und Wirklichkeit, zwischen weiblicher Poesie und männlicher Härte, zwischen Sehnsucht und Trieb – ein psychologisch subtiles und ungemein packendes Drama um menschliche Leidenschaften und Lebenslügen.

«Ich hoffe, du bist zufrieden mit dem, was du angerichtet hast.»

Besetzung

Partner

Zugabe

Dramaturg Armin Breidenbach zu Besuch bei den Kowalskis: Die Videoeinführung zu Endstation Sehnsucht.

Presse

St.Galler Tagblatt

Mit «Endstation Sehnsucht» von Tennessee Williams gelingt Jonas Knecht am Theater St.Gallen ein eindringlicher Wurf. Nicht zuletzt dank Anja Tobler in der Rolle der Blanche DuBois, deren Spiel frösteln lässt. [...] Während Blanche auf die Narben in ihrem Innern Schutzschicht um Schutzschicht an erfundenen Geschichten legt wie Schminke auf ihr alterndes Gesicht, demontiert er sie Stück um Stück. Die Leere in ihrem Herzen, sie ist unerträglich. Nicht nur für Blanche selber. Auch für uns. Das aber ist Anja Toblers Verdienst. Ihr von den Kameras unbarmherzig herangezoomtes Gesicht spricht Bände. Da steht eine Schauspielerin auf der Bühne, die restlos verschmilzt mit ihrer Figur. Die mit ihr unter Stanleys verbalen Hammerschlägen ihre Würde verliert und zugrunde geht an der Wahrheit. Einmal, gegen Ende hin, verkriecht Blanche sich unter einen Tisch, verfolgt von den Kameras. Es ist eine Schlüsselszene dieser eindrucksvollen Inszenierung.

Ostschweiz am Sonntag

Clemens Walters Videokonzept und Jonas Knechts Insze­nierung verbinden sich auf eindrucksvolle Weise zu einem Ganzen. Sie finden auf Michael Köpkes Bühne ein ideales Tummelfeld. Der enge Wohnwagen und ein paar Plastikstühle draussen genügen, um das menschliche Drama in Szene zu setzen. Andi Peter unterlegt mit Bassgitarre, Klavier und Stimme ­einen Klangteppich, der viel beiträgt zur eindringlichen Wirkung des Abends.

Nachtkritik

Die Liveübertragung gibt den Schauspielern, allen voraus Anja Tobler als Blanche, die Gelegenheit, genauer und feiner zu spielen. Beeindruckend, wie Tobler ihre Blanche zwischen Hoffnung und Verzweiflung oszillieren lässt, wie sie sich am eigenen Verführungsspiel berauscht, das sie ausnahmslos allen Männern angedeihen lässt, die ihr begegnen. Am flirrendsten und erotischsten in der Begegnung mit dem Zeitungskurier (Tobias Graupner), der sie an ihren Ehemann erinnert, der sich erschoss, als sie seine Homosexualität entdeckte, und dessen Tod Blanche nie überwunden hat. Wie Tobler hier die Contenance der Lady wahrt und doch den Kurier immer wieder zurückruft, um ihn erneut zu becircen, das hat grosse Klasse.

Saiten

Nahaufnahmen, Seitenaufnahmen, Innenszenen – der Blick des Zuschauers wird multiperspektivisch aufgebrochen. Und doch bleibt am Ende das Ganze kompakt und absolut stimmig, schwebend zwischen Film und Theater. Live gespielt und leitmotivisch gesetzt, unterlegt Andi Peter das Drama mit feinen Tönen: kleine Riffs, bluesige Motive, immer in der richtigen Dosierung. Was die Musik leistet, steht sinnbildlich für die gesamte Inszenierung von Jonas Knecht: Aus wenig wird viel! Und am Ende des Dramas den «Jungen Mann» im Kittel des Psychiaters auftreten zu lassen, ist ein genialer Einfall. Gute zwei Stunden Verzauberung sind in dieser "Endstation Sehnsucht" garantiert.

Südkurier

Im Theater St.Gallen ist eine bewegende Inszenierung von Tennessee Wiliams' "Endstation Sehnsucht" zu erleben [...] "Endstation Sehnsucht" ist im Assoziationsrepertoire landauf landab mit Marlon Brando verwoben. Der Schauspieler ist in der Vefilmung des Dramas so präsent, dass er alles um sich herum in die zweite Reihe spielt. Die Inszenierung von Jonas Knecht verhilft der deutlich vielgestaltigeren Figur der Blanche wieder ins Rampenlicht. Und das durchaus wörtlich gemeint. Zumal Blanche die Aufmerksamkeit braucht wie die Motten das Licht. Anja Tobler gibt im Theater St.Gallen die Blanche DuBois, und das ganz grossartig. Irgendwo zwischen Alkoholikerin und unheiliger Sünderin.

Termine & Tickets

Grosses Haus

Das Grosse Haus ist das Herzstück des Theaters St.Gallen. Über 400 Mal hebt sich jährlich der Vorhang in dem Bau von Claude Paillard im Museumsviertel, in dem 741 ZuschauerInnen Platz finden.

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