25
November 2018
Sonntag
14:30-17:45
Don Carlo
Oper von Giuseppe Verdi
Einführung um 14 Uhr

Zum Stück

Für die Pariser Weltausstellung 1867 komponierte Giuseppe Verdi nach Friedrich Schillers 1787 in Hamburg uraufgeführtem Drama seine letzte und anspruchsvollste Grand Opéra.
Spanien Mitte des 16. Jahrhunderts: Europäische Heiratspolitik, Gegenreformation und der beginnende Freiheitskampf der Niederlande sind die Folie, vor der sich die leidenschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen dem spanischen Infanten Don Carlo, seinem Freund Marquis Posa, seiner ehemaligen Verlobten und jetzigen Stiefmutter Elisabeth von Valois, seinem Vater Philipp II. von Spanien und dessen Geliebter Fürstin Eboli sowie dem spanischen Grossinquisitor abspielen, die Verdi zu einigen seiner schönsten und eindringlichsten Duette inspiriert haben.
Der Regisseur Nicola Berloffa hat in St.Gallen bereits Carmen und Norma inszeniert.

Uraufführung: 11. März 1867, Opéra Paris (10. Januar 1884, Teatro alla Scala Mailand)

Oper in vier Akten (Mailänder Fassung)
Musik von Giuseppe Verdi
Libretto von Joseph Méry und Camille du Locle nach dem dramatischen Gedicht Dom Karlos von Friedrich Schiller
Italienisch von Achille de Lauzières und Angelo Zanardini

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
 

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Besetzung

Zugabe

Hier geht es zur Videoinführung: Marius Bolten über Don Carlo

St.Galler Spitzen

Opulente Kostüme in der Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Oper Don Carlo

Die Auseinandersetzungen zwischen dem spanischen Infanten Don Carlos, seinem Freund Marquis Posa, seiner ehemaligen Verlobten und jetzigen Stiefmutter Elisabeth von Valois, seinem Vater Philipp II. von Spanien, dessen Geliebter Fürstin Eboli sowie dem spanischen Grossinquisitor bilden die Handlung der Oper, die auf Friedrich von Schillers dramatischem Gedicht Dom Karlos basiert.

In Don Carlo sind die Charaktere gefangen in den Zwängen ihres Standes, des Hofzeremoniells, der politischen Interessen sowie der konfessionellen Gegensätze und der Macht der Kirche. Regisseur Nicola Berloffa, der in St.Gallen bereits Carmen und Norma inszeniert hat, und sein Bühnenbildner Fabio Cherstich haben sich daher entschlossen, nur abgeschlossene Räume zu zeigen, die zwischen goldenem Käfig und Gefängnis oszillieren.

Für Berloffa gehören die klaustrophobischen Zustände zu einer alten Monarchie und ihrem nahenden Ende, und so lag es nahe, sich an der Entstehungszeit der Oper zu orientieren. Verdi schrieb Don Carlos ursprünglich als fünfaktige französische Grand Opéra für die Pariser Weltausstellung 1867. Später überarbeitete er die Partitur mehrfach, am einschneidensten für die Mailänder Aufführung 1884 als vieraktige italienische Oper. Diese Phase der europäischen Monarchien – Nepoleon III. oder Viktorianisches Zeitalter und die beginnende Dekadenz des Fin de Siècle – wurde deshalb für das Regieteam zum stilistischen Ausgangspunkt für die Ausstattung unserer Neuproduktion. Als Beispiele seien zwei bekannte Gemälde genannt, die Bühne und Kostüm inspirierten: Der Empfang der Gesandten aus Siam in Fontainebleau von Jean-Léon Gérôme (1865) sowie Christian IX. mit Familie von Laurits Tuxen (1886).

Die Opulenz der höfischen Mode der damaligen Zeit stellt höchste Ansprüche an das Kostüm. Hierfür wurde mit Alessandra Facchinetti eine erfahrene Modedesignerin als Kostümbildnerin gewonnen, die Mode für Häuser wie Gucci, Valentino und Tod’s entworfen hat. Für Don Carlo hat sie eine Vielzahl von Kostümen kreiert, die verschiedene historische Inspirationen von Uniformen bis Dandytum aufgreifen. Alle Kostüme sind in dunklen Farben und dekadenter Üppigkeit gehalten und erwecken den Eindruck, den jeweiligen Träger nicht nur stilistisch und farblich, sondern auch stofflich wie einen Gefangenen einzuengen. Dies gilt insbesondere für die französische Königstochter Elisabeth, die aus politischen Gründen den spanischen König Philipp heiraten muss, obwohl sie eigentlich mit seinem Sohn Carlos verlobt war. Sie empfindet den spanischen Hof als Gefängnis und wird in Alessandra Facchinettis Sicht im Schlussakt zur Mater Dolorosa. Aber auch alle anderen Figuren bis hin zum Grossinquisitor sind letztlich Gefangene ihrer gesellschaftlichen Rolle und damit auch ihrer von dieser bestimmten Kleidung. Den Infanten Carlos charakterisiert Facchinetti als bürgerlichen, d.h. anti-aristokratischen Rebellen und Dandy.

Für die Umsetzung dieser Entwürfe haben die Designerin und die Kostümabteilung des Theaters St.Gallen alle Kräfte und Vorräte mobilisiert und mit verschiedenen Firmen aus nah und fern zusammengearbeitet. An erster Stelle ist das St.Galler Traditionsunternehmen Forster Rohner zu nennen, das das Theater mit aufwendigen schwarzen Samtstickereien für die Figuren Elisabeth und Eboli und die Chordamen sowie mit Spitze für die Krönungsszene des Autodafés unterstützt. Facchinetti kannte Forster Rohner bereits von ihrer Arbeit in der Modebranche und freut sich, diese international renommierten Stickereien nun auch auf der St.Galler Bühne nutzen zu können. Ein besonderer Stoff kommt von der auf Seide spezialisierten Firma Lorma in Como, die einen Seiden-Jacquard mit einem speziellen Muster eigens für unsere Kostüme hergestellt hat.

Da die Vielzahl der anzufertigenden Kleider die räumlichen und personellen Kapazitäten der Schneiderei des Theaters St.Gallen übersteigt, werden etliche Kostüme für den Chor im renommierten Mailänder Theaterkostümatelier Casa d’Arte Fiore angefertigt.

Hellauf begeistert zeigt sich Alessandra Facchinetti über einen besonderen Schatz des Theaters St.Gallen: den umfangreichen Borten-Fundus, der auf die langjährige Leiterin der Kostümabteilung Johanna Weise zurückgeht. Weise kaufte verschiedene Sammlungen auf, wann immer sich in der Textilstadt St.Gallen eine Gelegenheit ergab. Hier fand Facchinetti zahlreiche Posamente (Zierbänder, Kordeln, Spitzen usw.), die den Kleidern das gewisse Extra einer überkultivierten Aristokratie geben.

Die Anfertigung der Kostüme läuft bereits auf Hochtouren. Die szenischen Proben haben am 17. September begonnen, und ab dem 27. Oktober können Sie die Solisten und den Chor in den aufwendigen Kostümen auf der Bühne des Grossen Hauses sehen, begleitet vom Sinfonieorchester St.Gallen unter der Leitung des neuen Chefdirigenten Modestas Pitrenas.

In der Titelpartie gibt der spanische Tenor Eduardo Aladrén sein Hausdebut. Die übrigen Gastsolisten sind gute Bekannte: Tareq Nazmi (Filippo II) debütierte in St.Gallen 2017 als Zaccaria in Nabucco, Nikolay Borchev (Posa) war hier zuletzt 2016 als Graf in Le nozze di Figaro zu hören, Ernesto Morillo 2014 als Alvise in La Gioconda. Die weiblichen Hauptrollen sind mit Alex Penda als Elisabetta und Alessandra Volpe als Eboli besetzt. Die bulgarische Sopranistin Alex Penda war am Theater St.Gallen bereits in den Titelpartien von Salome und Carmen zu Gast. Alessandra Volpe, Mezzosopranistin aus Süditalien, war bei den diesjährigen St.Galler Festspielen als Tigrana in Edgar zu erleben und wird in dieser Spielzeit ausserdem wieder die Rolle der Adalgisa in der Wiederaufnahme von Norma übernehmen. (mb)
 

Presse

Ostschweiz am Sonntag

Die St.Galler "Don Carlo"-Inszenierung wurde gestern Abend vom Publikum mit grosser Begeisterung aufgenommen. Belcanto mit grosser Strahlkraft und eine stringente Regiearbeit waren nur zwei der Erfolgskomponenten.

St.Galler Tagblatt

Alessandra Facchinettis Kostüme mit St.Galler Spitzen begeisterten in ihrer Üppigkeit und Eleganz, vor allem aber in ihrem Fluss. Die Kleider sind nur eines von vielen Elementen, die zu einem grossartigen Opern-Gesamtpaket beitrugen und einen faszinierenden "Don Carlo" garantierten...... Zur eindringlichen und doch ruhig fliessenden Führung der Personen kommt in diesem St.Galler "Don Carlo" eine raffinierte Lichtszenerie...... Und in dieser magischen, fast Klaustrophobisches untermalenden Bühnen- und Lichtlandschaft entfalten sich Gesangssolistinnen und -solisten von ausserordentlicher Qualität und Homogenität...... Wunderbar aufgefächert, transparent, nie dick ist der Klang des Sinfonieorchesters St.Gallen, so als wolle Modestas Pitrenas diese Grand Opera, die als grosses Kammerspiel inszeniert ist, fast kammermusikalisch subtil unterstützten...... Gewandt und aufmerksam wie das Orchester tragen auch die Theaterchöre zum flüssigen Ganzen bei. Von hohem Niveau sind zudem alle Sängerinnen und Sänger der kleineren Rollen...... Dieser "Don Carlo" ist intelligent durchdachtes Musiktheater. Durch die Konzentration auf die Charaktere und die Reduktion des Bühnenbildes aufs Beengende eines Zimmers scheint die Strahlkraft von Verdis Musik sich nur umso intensiver zu entfalten.

Oper aktuell

Man könnte sich kurz fassen: Diese Neuproduktion von Verdis "Don Carlo" am Theater St.Gallen ist optisch UND musikalisch eine Wucht. Doch eine Kurzfassung haben die Verantwortlichen auf und hinter der Bühne und im Orchestergraben natürlich nicht verdient...

Das Opernglas

Die Neuproduktion von Verdis "Don Carlo" in der vieraktigen Mailänder Fassung spitzt den St.Galler Aufführungsstil gleichsam zu: Sie ist ein "Schmaus" für die Augen und Ohren. Von unreflektiertem Ausstattungstheater kann dennoch nicht die Rede sein.

SRF 2 Kultur

Modestas Pitrenas und das Sinfonieorchester St.Gallen präsentieren dreieinhalb Stunden Musik - und es ist nie einen Augenblick langweilig. Pitrenas kitzelt eine enorme dynamische Bandbreite aus dem Orchester und auch aus den Sängerinnen und Sängern heraus.

Operatraveller

Ein überzeugender Abend mit beeindruckenden gesanglichen Leistungen.

Junge Kritik

Fabio Cherstich (Bühne) und Valerio Tiberi (Licht) haben ein unglaubliches Licht- und Schattenspiel erschaffen, welches die psychologische Spannung zwischen den verschiedenen Ständen noch mehr hervorhebt.

Roccosound

Modestas Pitrenas, der neue Chefdirigent, hat ein feines Gespür für die subkutanen Wirkungen dieser so hintergründigen Partitur. Wie Philipps Stimme der Menschlichkeit vom Grossinquisitor im dünnen Klang des Piccolo verlöscht, ist nur ein Beispiel für die wache und sorgfältige Orchesterarbeit.

Schwäbische Zeitung

Fabio Cherstichs Bühne zeigt Innenräume eines Palais im Stil des Second Empire. Dazu passend lassen die üppigen Kostüme Allessandro Facchinettis jene Epoche mit allen Zutaten auferstehen. Grelles Seitenlicht (Valerio Tiberi) verleiht der Szene eine gespenstisch düstere Note und wirft bedrohliche Schatten an Wände, hinter denen ständig gelauscht wird. In dieser lähmenden Atmosphäre spitzt sich der verzwickte Machtpoker spannend zu.

Vorarlberger Nachrichten

Opulenz, ein bestens disponiertes Orchester und gute Sänger prägen den neuen „Don Carlo“.

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Das Grosse Haus ist das Herzstück des Theaters St.Gallen. Über 400 Mal hebt sich jährlich der Vorhang in dem Bau von Claude Paillard im Museumsviertel, in dem 741 ZuschauerInnen Platz finden.

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