27
Oktober 2018
Premiere
Samstag
19:30-22:50
Don Carlo
Oper von Giuseppe Verdi
Einführung um 19 Uhr

Zum Stück

Für die Pariser Weltausstellung 1867 komponierte Giuseppe Verdi nach Friedrich Schillers 1787 in Hamburg uraufgeführtem Drama seine letzte und anspruchsvollste Grand Opéra.
Spanien Mitte des 16. Jahrhunderts: Europäische Heiratspolitik, Gegenreformation und der beginnende Freiheitskampf der Niederlande sind die Folie, vor der sich die leidenschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen dem spanischen Infanten Don Carlo, seinem Freund Marquis Posa, seiner ehemaligen Verlobten und jetzigen Stiefmutter Elisabeth von Valois, seinem Vater Philipp II. von Spanien und dessen Geliebter Fürstin Eboli sowie dem spanischen Grossinquisitor abspielen, die Verdi zu einigen seiner schönsten und eindringlichsten Duette inspiriert haben.
Der Regisseur Nicola Berloffa hat in St.Gallen bereits Carmen und Norma inszeniert.

Uraufführung: 11. März 1867, Opéra Paris (10. Januar 1884, Teatro alla Scala Mailand)

Oper in vier Akten (Mailänder Fassung)
Musik von Giuseppe Verdi
Libretto von Joseph Méry und Camille du Locle nach dem dramatischen Gedicht Dom Karlos von Friedrich Schiller
Italienisch von Achille de Lauzières und Angelo Zanardini

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
 

«Geben Sie Gedankenfreiheit!»

Besetzung

Zugabe

St.Galler Spitzen
Opulente Kostüme in der Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Oper Don Carlo

Die Auseinandersetzungen zwischen dem spanischen Infanten Don Carlos, seinem Freund Marquis Posa, seiner ehemaligen Verlobten und jetzigen Stiefmutter Elisabeth von Valois, seinem Vater Philipp II. von Spanien, dessen Geliebter Fürstin Eboli sowie dem spanischen Grossinquisitor bilden die Handlung der Oper, die auf Friedrich von Schillers dramatischem Gedicht Dom Karlos basiert.

In Don Carlo sind die Charaktere gefangen in den Zwängen ihres Standes, des Hofzeremoniells, der politischen Interessen sowie der konfessionellen Gegensätze und der Macht der Kirche. Regisseur Nicola Berloffa, der in St.Gallen bereits Carmen und Norma inszeniert hat, und sein Bühnenbildner Fabio Cherstich haben sich daher entschlossen, nur abgeschlossene Räume zu zeigen, die zwischen goldenem Käfig und Gefängnis oszillieren.

Für Berloffa gehören die klaustrophobischen Zustände zu einer alten Monarchie und ihrem nahenden Ende, und so lag es nahe, sich an der Entstehungszeit der Oper zu orientieren. Verdi schrieb Don Carlos ursprünglich als fünfaktige französische Grand Opéra für die Pariser Weltausstellung 1867. Später überarbeitete er die Partitur mehrfach, am einschneidensten für die Mailänder Aufführung 1884 als vieraktige italienische Oper. Diese Phase der europäischen Monarchien – Nepoleon III. oder Viktorianisches Zeitalter und die beginnende Dekadenz des Fin de Siècle – wurde deshalb für das Regieteam zum stilistischen Ausgangspunkt für die Ausstattung unserer Neuproduktion. Als Beispiele seien zwei bekannte Gemälde genannt, die Bühne und Kostüm inspirierten: Der Empfang der Gesandten aus Siam in Fontainebleau von Jean-Léon Gérôme (1865) sowie Christian IX. mit Familie von Laurits Tuxen (1886).

Die Opulenz der höfischen Mode der damaligen Zeit stellt höchste Ansprüche an das Kostüm. Hierfür wurde mit Alessandra Facchinetti eine erfahrene Modedesignerin als Kostümbildnerin gewonnen, die Mode für Häuser wie Gucci, Valentino und Tod’s entworfen hat. Für Don Carlo hat sie eine Vielzahl von Kostümen kreiert, die verschiedene historische Inspirationen von Uniformen bis Dandytum aufgreifen. Alle Kostüme sind in dunklen Farben und dekadenter Üppigkeit gehalten und erwecken den Eindruck, den jeweiligen Träger nicht nur stilistisch und farblich, sondern auch stofflich wie einen Gefangenen einzuengen. Dies gilt insbesondere für die französische Königstochter Elisabeth, die aus politischen Gründen den spanischen König Philipp heiraten muss, obwohl sie eigentlich mit seinem Sohn Carlos verlobt war. Sie empfindet den spanischen Hof als Gefängnis und wird in Alessandra Facchinettis Sicht im Schlussakt zur Mater Dolorosa. Aber auch alle anderen Figuren bis hin zum Grossinquisitor sind letztlich Gefangene ihrer gesellschaftlichen Rolle und damit auch ihrer von dieser bestimmten Kleidung. Den Infanten Carlos charakterisiert Facchinetti als bürgerlichen, d.h. anti-aristokratischen Rebellen und Dandy.

Für die Umsetzung dieser Entwürfe haben die Designerin und die Kostümabteilung des Theaters St.Gallen alle Kräfte und Vorräte mobilisiert und mit verschiedenen Firmen aus nah und fern zusammengearbeitet. An erster Stelle ist das St.Galler Traditionsunternehmen Forster Rohner zu nennen, das das Theater mit aufwendigen schwarzen Samtstickereien für die Figuren Elisabeth und Eboli und die Chordamen sowie mit Spitze für die Krönungsszene des Autodafés unterstützt. Facchinetti kannte Forster Rohner bereits von ihrer Arbeit in der Modebranche und freut sich, diese international renommierten Stickereien nun auch auf der St.Galler Bühne nutzen zu können. Ein besonderer Stoff kommt von der auf Seide spezialisierten Firma Lorma in Como, die einen Seiden-Jacquard mit einem speziellen Muster eigens für unsere Kostüme hergestellt hat.

Da die Vielzahl der anzufertigenden Kleider die räumlichen und personellen Kapazitäten der Schneiderei des Theaters St.Gallen übersteigt, werden etliche Kostüme für den Chor im renommierten Mailänder Theaterkostümatelier Casa d’Arte Fiore angefertigt.

Hellauf begeistert zeigt sich Alessandra Facchinetti über einen besonderen Schatz des Theaters St.Gallen: den umfangreichen Borten-Fundus, der auf die langjährige Leiterin der Kostümabteilung Johanna Weise zurückgeht. Weise kaufte verschiedene Sammlungen auf, wann immer sich in der Textilstadt St.Gallen eine Gelegenheit ergab. Hier fand Facchinetti zahlreiche Posamente (Zierbänder, Kordeln, Spitzen usw.), die den Kleidern das gewisse Extra einer überkultivierten Aristokratie geben.

Die Anfertigung der Kostüme läuft bereits auf Hochtouren. Die szenischen Proben haben am 17. September begonnen, und ab dem 27. Oktober können Sie die Solisten und den Chor in den aufwendigen Kostümen auf der Bühne des Grossen Hauses sehen, begleitet vom Sinfonieorchester St.Gallen unter der Leitung des neuen Chefdirigenten Modestas Pitrenas.

In der Titelpartie gibt der spanische Tenor Eduardo Aladrén sein Hausdebut. Die übrigen Gastsolisten sind gute Bekannte: Tareq Nazmi (Filippo II) debütierte in St.Gallen 2017 als Zaccaria in Nabucco, Nikolay Borchev (Posa) war hier zuletzt 2016 als Graf in Le nozze di Figaro zu hören, Ernesto Morillo 2014 als Alvise in La Gioconda. Die weiblichen Hauptrollen sind mit Alex Penda als Elisabetta und Alessandra Volpe als Eboli besetzt. Die bulgarische Sopranistin Alex Penda war am Theater St.Gallen bereits in den Titelpartien von Salome und Carmen zu Gast. Alessandra Volpe, Mezzosopranistin aus Süditalien, war bei den diesjährigen St.Galler Festspielen als Tigrana in Edgar zu erleben und wird in dieser Spielzeit ausserdem wieder die Rolle der Adalgisa in der Wiederaufnahme von Norma übernehmen. (mb)
 

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