20
April 2022
Mittwoch
20:00-21:00
Dienstags bei Migros
von Emmanuel Darley aus der Monologreihe "Radikal allein"

Zum Stück

Jeden Dienstag kehrt Roberta in die Stadt zurück, in der sie aufgewachsen ist. Sie kümmert sich um ihren Vater, der nach dem Tod der Mutter nicht mehr alleine zurechtkommt und zu vereinsamen droht. Sie wäscht, putzt und bügelt für ihn, sie verbringen gemeinsame Zeit, plaudern vor allem über Belangloses und erledigen gemeinsam den Wocheneinkauf in der Migros. Dort kennt man die beiden, schaut sie an, vor allem Roberta. Kaum jemand kann sich verkneifen, sie genau zu mustern, sie anzustarren, diese große Frau, die früher einmal Robert war. Doch während Roberta ihr Leben als Mann längst hinter sich gelassen hat, scheint ihr Vater  die neue Identität seines Kindes nicht akzeptieren zu können.
 
Warmherzig, melancholisch und sensibel beschreibt der Monolog Dienstags bei Migros des französischen Schriftstellers Emmanuel Darley das Spannungsverhältnis Robertas zwischen Unsicherheit und behauptetem Stolz, Verletzung und dem Versuch, wieder eine Nähe zum Vater entstehen zu lassen.

Deutsch von Klaus Gronau
 

Besetzung

Presse

Saiten

Eine handverlesene Zahl von Zuschauer:innen im schmalen Gang des Kirchhoferhauses sieht gebannt, wie Schauspieler Bruno Riedl Roberta spielt, die einmal Robert war und immer dienstags ihren bärbeissigen Vater betreut, der die Verwandlung seines Sohns in seine Tochter nicht wahrhaben will. Eine Stunde solo, ohne Netz und doppelten Boden, zum Greifen nah beim Publikum, «radikal allein», wie die Monolog-Reihe des Theaters St.Gallen sich nennt: Das ist quasi die Königsdisziplin des Schauspiels. Wäre Kultur olympisch, so würden sich alle Scheinwerfer darauf richten. So aber gibt es statt Medaillen «nur» Applaus. Dafür geht es um etwas – um drängende Zeitfragen und psychologische Zwischentöne, wie sie so zugespitzt, live und nachhallend nur das Theater hinkriegt.

St.Galler Tagblatt

Schauspieldirektor Jonas Knecht lässt seine 2020 gestartete Monolog-Reihe «Radikal allein» endlich wieder aufleben. Zwei intime Monologe setzt Regisseurin Leyla Claire Rabih feinfühlig und bildmächtig um. Und hat in Bruno Riedl und Matthias Albold, den beiden alten Schauspielschlachtschiffen, zwei starke Protagonisten gefunden. [...] In knappen Sätzen, reduzierter Alltagssprache, die durch Einfachheit und Wiederholungen eine ganz eigene Poesie entwickelt, erzählt Riedl, wie Roberta jeden Dienstag den Vater besucht, sich um Haushalt, Wäsche, Einkauf kümmert. Und wie der Besuch im Supermarkt zum Spiessrutenlauf wird. Wie Blicke und Getuschel Roberta verletzen. Wie die Sprachlosigkeit zwischen Vater und Transtochter jede Sehnsucht vernichtet. Regisseurin Rabih und Schauspieler Riedl vermeiden Kitsch und Pathos, die im Text stecken, streichen das überdramatische Ende der Vorlage. Sie fokussieren auf die Einsamkeit, die Roberta durchleidet, Woche für Woche. Riedl spielt das pur, direkt, ein filmisch-reduzierter Theaterabend. Durch die Intimität entsteht eine leise Eindringlichkeit.

Termine & Tickets

Kunstmuseum SG - Kirchhoferhaus

Museumstrasse 27
9000 St.Gallen

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