14
Juni 2022
Dienstag
20:00-21:50
Die nicht geregnet werden
Schauspiel von Maria Ursprung - Stückauftrag - Uraufführung

Zum Stück

Schwimmbadbetreiberin Berit bekommt nach behobenem Defekt keinen Zugang zu neuem Wasser, um das Becken wieder aufzufüllen – jedenfalls nicht für den Preis von früher. Erst hält sie es für eine Schikane, doch als die Wasserhähne der ganzen Stadt streiken, wird ihr das Ausmass der Trockenheit bedrohlich bewusst.
Maria Ursprung schrieb dieses Stück als Auftragswerk im Rahmen des Stück Labors für das Theater St.Gallen. Sie zeichnet eine Welt, in der die Figuren die Kontrolle über ihren Alltag verlieren, indem sie ihnen die natürlichste und elementarste Ressource entzieht. Wasserhandel gilt als unmoralisch, weil Wasser Leben bedeutet. Aber gibt nicht erst diese Voraussetzung den Antrieb, für etwas Unersetzbares einen entsprechenden Preis zu verlangen? Sie stellt dabei die Frage, ob Menschen anfangen, Wasser als endlich zu betrachten und zu sparen, wenn es seinen Preis hat – spürt man es in der Geldbörse, wird es wertvoll? Muss man es sich verdienen, einen Tropfen abzubekommen?

Dieses Stück ist im Rahmen des Förderprogramms Stück Labor entstanden. Mit freundlicher Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, der Ernst Göhner Stiftung und der Landis & Gyr Stiftung.
 

Besetzung

Presse

Saiten

Was, wenn das Wasser knapp wird? In Maria Ursprungs Stück «Die nicht geregnet werden», im Auftrag des Theaters St.Gallen geschrieben, ist die Katastrophe schon da – ein aufrüttelnder Theaterabend in der Lokremise. [...] Marie Bues und Jonas Knecht inszenieren dieses Horrorszenario mit leichter Hand. Die Schauplätze wechseln so rasant wie die Sätze und Satzfetzen, die sich die Spieler:innen zuwerfen oder chorisch sprechen. Bühne und Kostüme (von Indra Nauck) haben Witz, die Musik (Albrecht Ziepert) treibt das Geschehen voran. Und was musikalisch im St.Galler Ensemble steckt, hört man nicht nur in den Radioschlagern, sondern auch im legendenumwobenen, vielstimmigen «Miserere» von Allegri, das in einer Chor-Prozession fast beiläufig gesungen wird. [...] Das Stück zeigt Menschen im Katastrophenmodus – aktueller könnte Theater kaum sein.

SRF 2 Kultur

Maria Ursprung beschreibt die Katastrophe in einer einnehmend bildhaften, mit Märchenmotiven und Symbolen angereicherten Sprache, und verknüpft ambitionierte Erzählstränge mit lyrischen Kommentaren. In St.Gallen inszenieren Jonas Knecht und Marie Bues - musikalisch, ebenfalls sehr anschaulich und mit Sinn für den Humor, der sich auch im Text versteckt. Auch die Inszenierung zeigt sich mehr märchenhaft als diskursiv, gleichwohl mit wachem Blick. Die Krise kündigt sich an, wir müssen sie nur erkennen.

Nachtkritik

Dieser Durst, der da verhandelt wird, der nagt sich langsam in einen selbst hinein. "Kennst du das, dass du manchmal gar nicht weisst, wie durstig du bist, bis du den ersten Schluck trinkst?", sagt eine Figur. "Jetzt vermisse ich diesen Durst. Er wurde ersetzt von einem, den ich noch gar nicht kannte." Und man möchte einfach nur zustimmen. Es sind diese feinen Sprachbilder, die sich hineinbohren. Durst sei leise, heisst es einmal im Stück. Diese Sehnsucht nach Wasser, die löst Maria Ursprung mit "Die nicht geregnet werden" aus. Sie schrieb ihr Stück während ihrer Zeit als Hausautorin am Theater St.Gallen. Dort wurde es nun uraufgeführt. Regie führten der St.Galler Schauspieldirektor Jonas Knecht und Marie Bues, designierte künstlerische Leiterin des Schauspielhauses Wien. Ihre erste Zusammenarbeit erweist sich als stimmungsvoller, eindringlicher Abend.

St.Galler Tagblatt

Mit raffinierten Dialogen schafft es die Autorin, dass die Protagonistinnen und Protagonisten in einfachen Worten über grosse, aktuelle Fragen unserer Gesellschaft verhandeln. Was ist eine Katastrophe? Wer trägt daran schuld? Was ist Solidarität? Und wo – und vor allem bei wem – hört sie auf? Wer profitiert von Krisen? Wen trifft es als Erstes? Und wie viel Verantwortung trägt das Individuum?

Termine & Tickets

Lokremise

Im November 2008 haben die St.Gallerinnen und St.Galler einem Kulturzentrum in der Lokremise am Hauptbahnhof zugestimmt. Eröffnet wurde die neue Spielstätte des Theaters St.Gallen Mitte September 2010

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