20
Dezember 2021
Montag
20:00-21:45
Die lächerliche Finsternis
Szenisches Konzert nach einem Hörspieltext von Wolfram Lotz

Zum Stück

Ein somalischer Fischer hat nach seiner Hochschulausbildung zum diplomierten Piraten ein Frachtschiff überfallen. Nun steht er als Angeklagter vor dem Landgericht Hamburg und hält ein feuriges Verteidigungsplädoyer – der Einfachheit und Verständlichkeit halber auf Deutsch. Gleichzeitig begeben sich zwei Mitglieder der Bundeswehr auf eine beschwerliche Schifffahrt. Es gilt, den wahnsinnig gewordenen Oberstleutnant Deutinger ausfindig zu machen, damit er liquidiert werden kann. Dabei erfahren wir, dass der Hindukusch kein Gebirge ist, sondern ein dunkler, langsam fliessender Strom, mitten im wilden afghanischen Dschungel. Man soll schliesslich nicht alles glauben, was man im Fernsehen sieht! Auf ihrer Reise begegnen die beiden den skurrilsten Figuren und den Überresten der Kolonisation genauso wie neokolonialer Ausbeutung und werden immer intensiver mit eigenen Ängsten und Abgründen konfrontiert.

Angelehnt an Das Herz der Finsternis von Joseph Conrad und den Film Apocalypse Now von Francis Ford Coppola erzählt Wolfram Lotz in seinem Hörspieltext vom Versagen beim Versuch, das Fremde zu verstehen. Schauspieldirektor Jonas Knecht inszeniert diesen ironisch-beissenden, ebenso komischen wie melancholischen Aufbruch ins Unbekannte und ins eigene Innere als szenisches Konzert mit drei Live-Musikern.
 

Besetzung

Presse

Theater der Zeit

Gerade noch zwei Vorstellungen konnten in der Lokremise, der Zweitspielstätte des Theaters St.Gallen, vor der erneuten pandemie​bedingten Schliessung der Schweizer Bühnen gespielt werden. Gerade noch zwei Mal durften fünfzig Menschen dabei zusehen und ​-hören, was der Schauspielchef Jonas Knecht mit Wolfram Lotz’ preisgekröntem Stück "Die lächerliche Finsternis" anstellt, das 2014 am Wiener Burgtheater uraufgeführt worden war. Gerade noch gelingt inmitten dieser sonderbar viralen Ungemütlichkeit ein Streich der Superlative.

Neue Zürcher Zeitung

Theater ist, was es am Theater St.Gallen ist: eine Reise in die eigene Phantasie - von der man nicht mehr heimkehren möchte. Dies möglich machen der Schauspieldirektor Jonas Knecht und ein hochmotiviertes Ensemble. Just am Tage vor dem Lockdown, der seit Samstag auch für Schweizer Bühnen gilt, glückt ihm und seiner Truppe zur verordneten Spielpause ein szenisches Konzert, ein Abschied vor der grossen Stille, der in seiner Schönheit beinahe schmerzhaft ist.

Saiten

In Lotz’ Welt ist Krieg – in den Köpfen, in den Geschichten, im mörderischen Zusammenprall von Tragischem und Trivialem. In der St.Galler Inszenierung gewinnen aber die Zwischentöne diesen Krieg. Weite Strecken des Stücks hört man sich über Kopfhörer an. Subtilste Stimmschwankungen, Flüstern und Beben werden so hörbar in einer Transparenz, wie sie auf der Bühne nie zu erreichen ist. Die Inszenierung feiert die Stimme in ihrer Sinnlichkeit und Poesie – und erst noch aerosolfrei.

St.Galler Tagblatt

Kaum setzt man die Kopfhörer auf, bekommt die sich dauernd entziehende Geschichte einen geheimnisvollen Sog; die Stimmen nisten sich fast obsessiv im Ohr ein.

Termine & Tickets

Lokremise

Im November 2008 haben die St.Gallerinnen und St.Galler einem Kulturzentrum in der Lokremise am Hauptbahnhof zugestimmt. Eröffnet wurde die neue Spielstätte des Theaters St.Gallen Mitte September 2010

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