12
September 2020
Samstag
15:00-16:30
Die Gastfremden
Schauspiel von Ivna Žic - Stückauftrag des Theaters St.Gallen - Uraufführung
10 Jahre Jubiläumstag der Lokremise I Eintritt frei (Zählkarten erforderlich)

Zum Stück

Vor langer Zeit sind sie eingewandert und hier alt geworden: Menschen, die vor Jahrzehnten in die Schweiz migrierten, und deren Kinder hier gross wurden. Doch was bedeutet eine Auswanderung, dieser Schnitt in der Biografie, dieser veränderte Weg und Ort, für eine längere Lebensspanne? Welche Fragen stellen sich nach 20 oder 30 Jahren in einem anderen Land? Welche Geschichten, welche Tabus, welche Verletzungen kostet das Leistungsspiel Integration?
Die Gastfremden ist ein Stück über Migration und damit auch Teil der persönlichen Geschichte der Autorin, die 1986 in Zagreb geboren wurde und im Kindesalter mit ihren Eltern nach Zürich kam. Feinfühlig erzählt Ivna Žic Geschichten eingewanderter Familien in erster und zweiter Generation, ihrer Erfahrungen, Erlebnisse und Perspektiven. Es geht um Eltern und Kinder, die, fern ihrer Heimat und ihrer Familien, einen Platz in der Gesellschaft suchen. Es sind Geschichten von Ablösung, Integration und anhaltender Fremdheit. Ohne auf individuelle Schicksale und Gründe der Migration einzugehen, beschreibt Žic anhand des alltäglichen Lebens die unterschiedlichen Positionen zu Heimat und Herkunft innerhalb einer Familie. Die Gastfremden führt die Reihe von Stücken mit aktuellen politischen Schweizer Themen, erarbeitet von Schweizer Autorinnen und Autoren, des Theaters St.Gallen fort. Es handelt sich nach Das Schweigen der Schweiz, Lugano Paradiso und Verminte Seelen bereits um das vierte entsprechende Auftragswerk unter der Leitung von Jonas Knecht.

Besetzung

Presse

SRF 2 Kultur

Die Dramatikerin Ivna Žic präsentiert einen vielschichtigen Text, der präzise, schonungslos und liebevoll in Biografien hineinblickt, die zwischen einem Herukunftsland und dem Gastland Schweiz verwurzelt sind. Ihr Stück ist eine Hommage an die Generation ihrer Eltern, die als sogenannte Gastarbeiter die Schweiz mitgestaltet und geprägt haben.

Saiten

Eingetrichtert wird uns auch, wie fatal es ist, wenn die, die schon hier sind, den Angekommenen ihre schnellen Etiketts anhängen. Das Balkan-Etikett, das Tschinggen-Etikett, umgekehrt das Bünzli-Etikett. «Ja, das ist übergriffig», sagen die Gastfremden, recht haben sie, und vielleicht braucht es in einem Stück über Migration hierzulande soviel Didaktik, auch 50 Jahre nach den Schwarzenbach-«Überfremdungs»-Initiativen und erst recht jetzt: In einer Woche stimmen die, die dürfen, ab über die Kündigungsinitiative und damit wieder einmal über die, die nicht dürfen.

Junge Theaterkritik

Es ist unmöglich, dieses Thema ganz zu verstehen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Durch dieses Stück hat die Autorin die Türe zur Welt der «Fremden» geöffnet.

St.Galler Tagblatt

Der Hintereingang zur Bühne auf die offene Stasse bleibt an diesem Abend zwischendurch lange geöffnet. Da lässt man bewusst frische Luft in den ersten, entspannten St.Galler Theaterabend nach dem Lockdown. Durch diese Türe wandern die Eltern wieder zurück in die alte Heimat. Neue Migranten werden kommen und wieder von vorne anfangen müssen, wenn über das Thema Integration nicht gesamtgesellschaftlich neu nachgedacht wird. Diese nachdenkliche Botschaft nimmt man mit nach Hause.

Termine & Tickets

Lokremise

Im November 2008 haben die St.Gallerinnen und St.Galler einem Kulturzentrum in der Lokremise am Hauptbahnhof zugestimmt. Eröffnet wurde die neue Spielstätte des Theaters St.Gallen Mitte September 2010

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