24
Oktober 2021
Sonntag
17:00-19:30
Breaking the Waves
Oper von Missy Mazzoli und Royce Vavrek
Stückeinführung 45 Minuten vor Beginn

Zum Stück

Mit seinem preisgekrönten Film Breaking the Waves sorgte Lars von Trier 1996 für Furore. Darin erzählt er die Geschichte einer tiefreligiösen, traumatisierten, jungen Frau in einer unmöglichen Situation: Aus Liebe zu ihrem querschnittsgelähmten Mann Jan kommt Bess dessen ungeheuerlicher Forderung nach und schläft mit anderen Männern – im Glauben, ihren Mann damit zu retten. Zwanzig Jahre nach dem Film wurde in Philadelphia die Opernversion des Stoffes erfolgreich uraufgeführt. Mit einer hochemotionalen Tonsprache und sinnlichen Klängen zeichnet die US-amerikanische Komponistin und Grammy-Gewinnerin Missy Mazzoli darin das facettenreiche Porträt einer naiven Antiheldin, die aus Selbstlosigkeit zum Opfer einer isolierten, dysfunktionalen Gesellschaft wird. Mit Breaking the Waves gibt die britische Regisseurin und Choreografin Melly Still, die für ihre Arbeiten mehrfach für einen Tony sowie Olivier Award nominiert war, ihr Debüt auf dem europäischen Festland. Chefdirigent Modestas Pitrenas leitet das Sinfonieorchester St.Gallen in der Eröffnungsproduktion von Operndirektor Jan Henric Bogen.

Europäische Erstaufführung

Uraufführung: 22. September 2016, Opera Philadelphia

Musik von Missy Mazzoli
Libretto von Royce Vavrek

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Besetzung

Partner

Zugabe

Presse

oper aktuell

Das kommt wahrlich selten vor, dass man nach der Aufführung einer Oper eines zeitgenössischen Komponisten/einer zeitgenössischen Komponistin denkt: WOW, das möchte ich gerne wieder sehen/hören. Meistens legt man ja "moderne" Werke mit der Kennzeichnung "interessant" ad acta und nur ganz wenige Opern aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben es wirklich ins erweiterte Standardrepertoire geschafft. Doch anlässlich der Musiktheater-Saisoneröffnung in St.Gallen hat sich gneau dieses "Wunder" eingestellt. [...] Fazit: HINGEHEN und sich überraschen und berühren lassen! Wenn zur Erlösung von Bess aus dem iridischen Tal der Tränen dann diese "fucking churchbells", welche sich Jan bei der Hochzeit gewünscht hatte, erklingen, bleibt kaum ein Auge trocken. So muss Oper!

Die deutsche Bühne

Nein, "Breaking the Waves" verspricht keinen Abend voller Leichtigkeit, die (Mit-)Leidensfähigkeit des Publikums wird hier vielmehr stark auf die Probe gestellt. In St. Gallen ist das Stück dennoch einen Besuch wert, nicht zuletzt aufgrund eines rundum starken Ensembles, das die Schwere dieses Stoffes ohne jegliche Abstriche herüberzubringen vermag.

klassikinfo

Das ist einer der unschlagbaren Vorzüge von Missy Mazzoli: Sie komponiert wirklich für Stimmen. Da wird den Sängern nicht das Dauerparlando auferlegt, das viele moderne Opern so langweilig macht, sondern sie dürfen ausschwingende Linien singen und zeigen, warum sie Gesang studiert haben. [...] Das Orchester trägt die Sänger wie ein Teppich. Der St. Galler Musikchef Modestas Pitrenas lässt seine Musiker nie falsch auftrumpfen. Dafür tragen die Musiker all die Farben bei, die die Partitur bereithält.

Oper!

Das Zentrum der Aufführung bildet aber in jeder Hinsicht die junge Sopranistin Vuvu Mpofu, die sich so als neues Ensemblemitglied vorstellt. Ihre Präsenz ist grossartig, warm fluten die Töne, fokussiert gerade auch im Leisen. Eindrücklich, wie sie die Figur zwischen Naivität und grosser Selbstverwunderung, zwischen Unsicherheit und trotziger Opferbereitschaft oszillieren lässt.

Roccosound

Die Figur der naiven jungen Bess mit grossem Herz, in welchem Gefühle, sexuelle Leidenschaft und der liebe Gott ungetrennt pulsieren, ist unter dem Vergrösserungsglas der Opernmusik eine Heldin geworden, die an grosse tragische Frauenrollen der Musikbühne anknüpft. Das tut die 2016 in Philadelphia uraufgeführte Oper imponierend, getragen von starker Klangimagination und ausdrucksvoller rezitativischer Melodik. Grosse Stimmen für anspruchsvolle Rollen sind gefragt, und das Orchester bedient zwischen eruptiven Momenten und subtilen Klängen die differenzierte, abwechslungsreiche instrumentale Palette. Das St.Galler Sinfonieorchester realisiert sie unter der Leitung von Modestas Pitrenas mit unablässiger Spannung und suggestivem Fluss, und auf der Bühne erlebt man ein grossartiges Ensemble und ein schillernd vielschichtiges Werk.

St.Galler Tagblatt

Die Musik setzt auf Atmosphäre und Emotionalität, nicht auf intellektuelle Tiefenbohrung. Den Sängerinnen und Sängern aber kommt sie damit entgegen: Allen voran Vuvu Mpofu, die ihrer Partie Fleisch und Blut und Seele verleiht, ganz in den Leiden und für alle unverständlichen Glückseligkeiten von Bess aufgeht.

Online-Merker

Die Partitur zu dieser äusserst intensiven Oper umfasst neben «klassischen» melodischen Dialogen zwischen Orchester und Solisten an sinfonische Filmmusik erinnernde Episoden, laute orchestrale Klänge, gälische Psalmen wie auch Geräusche (so des Helikopters, der von und zur Bohrinsel fliegt). Der Herrenchor des Theaters St.Gallen (Choreinstudierung: Franz Obermair) und das Sinfonieorchester St.Gallen unter Leitung von Modestas Pitrenas setzen die Partitur klanggewaltig um. Die fast leere Bühne dient der Regisseurin Melly Still als Einheitsbühnenraum: lediglich ein Wasserbecken auf der Hinterbühne, dessen Bewegungen gefilmt und auf die Leinwand übertragen werden, ist die ganze Zeit über präsent. Das zweite wichtige Element der Ausstattung (Ana Inés Jabares-Pita) ist eine Telefonzelle. Sie dient Bess als Verbindung zur Aussenwelt. Mit weiteren Versatzstücken wie Kirchenstühlen oder Spitalmobiliar wird jeweils die situative Atmosphäre geschaffen. Malcolm Rippeths Lichtgestaltung krönt die ideale szenische Umsetzung, in der drei Tänzerinnen (Swane Küpper, Emily Pak und Elenita Queiroz) die Szenerie beleben. Vuvu Mpofu als Bess McNeill und Robin Adams als Jan Nyman gelingt eine emotional höchst intensive Umsetzung der Hauptrollen. Mit bewundernswerter Bühnenpräsenz und kaum versiegender stimmlicher Energie nehmen sie den Zuhörer mit in eine andere Welt. Genauso intensiv gestalten Jennifer Panara und Claude Eichenberger die Dodo McNeill und die Mutter (Mother). Christopher Sokolowski lässt sich als erkältet ansagen. Justin Hopkins als Terry, Kristján Jóhannesson als Sadistic Sailor, David Maze als Council Man und Cristian Joita als Young Sailor ergänzen das Ensemble. Ein bewegender Abend!

SRF 2 Kultur

Ein starkes Statement des neuen St.Galler Operndirektors Jan Henric Bogen: Er legt mit dieser ersten Produktion einen aufsehenerregenden Einstand hin.

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