Adventskalender

24 Kalendertürchen - 24 Erinnerungen

Gemeinsam in Erinnerungen schwelgen: Wenn die Familie an Weihnachten zusammenkommt, werden sich gerne alte Fotos angeschaut und Geschichten von früher erzählt.
So steht auch bei uns der Dezember ganz im Zeichen der Nostalgie: Täglich erzählt ein Mitarbeiter von Konzert und Theater St.Gallen von seinem ersten prägenden Erlebnis im Theater oder mit der Musik.
Swane Küpper, Tänzerin

Meine erste Erfahrung auf der Bühne hatte ich mit sechs Jahren als Kinderstatistin in der Oper Carmen. Von da an habe ich fünf Jahre lang jedes Jahr in verschiedensten Opern mitgespielt, getanzt und es immer sehr geliebt auf der "grossen Bühne" zu stehen.
Das, obwohl ich am Anfang gar nicht so begeistert von der Idee war. Das Mindestalter zur Kinderstatisterie war damals sechs Jahre. Weil meine grosse Schwester aber schon dabei war, haben meine Ballettlehrerin und meine Mama mich schon ein Jahr eher, mit fünf Jahren, ins Casting gemogelt. Obwohl eigentlich noch zu klein, habe ich meine Sache anscheinend nicht allzu schlecht gemacht, und wurde zusammen mit meiner Schwester ausgesucht. Schnell bekam ich dann aber doch Angst vor der eigenen Courage und habe meiner Mama kleinlaut gesagt, ich wolle doch nicht mehr mitmachen. Also mussten meine Schwester und "Carmen" noch ein Jahr ohne mich auskommen, bevor ich ein Jahr später, dann auch mit gebührender Begeisterung, dabei war.

 
Marius Bolten, Musiktheaterdramaturg

Mein erster Opernbesuch war „Hänsel und Gretel“ zu Weihnachten, als ich 8 Jahre alt war. Aber mein prägendstes Theatererlebnis hatte ich mit 12: Ich durfte im „Rosenkavalier“ in der Bonner Oper eines der Kinder spielen, die den Baron Ochs mit „Papa, Papa!“ anplärren. Zur Premiere hat der Regisseur und Ausstatter, Filippo Sanjust, eine Zeichnung von mir in Kostüm und Maske gemacht.
 
Frederik Rauscher, Schauspieler

Das Buch, woran ich sofort denken musste, war "Das Geheimnis des Herrn Guzman". Meine Mutter hat mir das aus der Bücherei mitgebracht, weil ich als Kind schon immer wieder Shows und Aufführungen vor den Eltern und Freunden erfunden habe - so wie der Junge in dem Buch. Aber das wirklich eindrückliche an dem Buch ist, dass der Herr Guzman ein sechseckiges (!) Zimmer hat, in dem er alle Bühnenmodelle der Stücke, die er gespielt hat, aufbewahrt und mit den Figuren aus den unterschiedlichsten Stücken dann Neues erfindet. Zum Beispiel ein Stück in dem Hamlet auf Romeo trifft im Bühnenbild von Tschechows Möwe. Fast schon so wie "Letschti Rundi" im Sommer. 
 
Ivana Aeschbacher, Inspizientin

Mit 8 Jahren stand ich als Hirte und Bauchtänzerin auf der Schulbühne im Weihnachtsmusical „Dr Stärn“. Die ganze Schule war involviert und der Schulbetrieb wurde sogar ein paar Wochen eingestellt für die Proben, das Nähen der Kostüme, den Bau und das Bemalen der Kulissen...
und somit war ich vom Theaterfieber gepackt.
 
Florian Scheiber, Konzertdirektor

26.12.1979 – für diesen Abend hat mein Vater den Auftrag Karten zu kaufen für einen Besuch des damaligen Familienstückes am Staatstheater Darmstadt mit dem mir noch heute erinnerlichen Titel «Klettermaus und die Tiere aus dem Hackebacke-Wald». Eine Konfusion, etwas geht schief, am 26.12. sitze ich am Abend in der 1. Reihe und vor mir ein Orchestergraben, es beginnt eine Aufführung der «Entführung aus dem Serail» - mein unbeabsichtigt erstes Opern-/Musikerlebnis. Grosse Teile des Abends sehe ich noch heute vor mir, ein Belmonte mit hohen Stiefeln, eine händeringende Constanze, ein kleiner, dicker Pedrillo (Spieltenor-Schicksal?) und ein sehr blondes Blondchen – Oper wie aus dem Bilderbuch, einem aus Kindertagen… Als wir wenige Jahre später in der Schule den «Freischütz» durchnahmen, überspielte ich die LPs aus der Stadtbibliothek (Keilberth, Rudolf Schock als Max!) auf meinen Kassettenrecorder und es begann das, wovon ich heute lebe: Ich höre (wirklich fast) jeden Tag Musik!
 
Larissa Demel, Stv. Leiterin Maske

Damals fand ich es wunderbar: Als Kindergartenkind mit meinem Opa im Wohnzimmer auf voller Lautstärke „Immer nur Lächeln“ in der Endlosschleife zu hören und dazu zu tanzen -  Omas Fasnachtsfundus zu durchwühlen für die besten Kostüme - und mir rote Lippen zu malen. Heute sind Operetten nicht mehr meine erste Wahl, aber die Liebe zum Theater und optischen Verwandlungen für den grossen Auftritt ist geblieben. 

 
Armin Breidenbach, Schauspieldramaturg

Ich muss so 4 oder 5 Jahre alt gewesen sein, als ich zum allerersten Mal auf einer Bühne stand: als Josef im Krippenspiel in der Pauluskirche in Darmstadt. Unvergessen. Viel Text hatten wir damals nicht, ich glaube, wir haben höchstens etwas gesungen. Im Prinzip standen wir, wenn ich mich richtig erinnere, mehr so dekorativ herum.  Am wichtigsten waren die Kopfbedeckungen von uns Hirten!
 
Barbara Camenzind, Opernsouffleuse und Übertitelinspizientin

Wohin geht der Blick? Steht er grade? Ist er im Fokus? Diese drei Sätze hörte ich als kleines Mädchen sehr oft. Meine Eltern waren Marionettenspieler am St. Galler Puppentheater, dem heutigen Figurentheater. Während der Lehrerausbildung verdiente ich mein erstes Taschengeld als Figurenspielerin und lernte, neben dem Umgang mit Handpuppen, Tischmarionetten und Stabfiguren, auch diese Sache mit dem Fokus. Wie man sich auf jemanden im Rampenlicht fokussiert, damit dieser im Spiel lebendig werden kann. Und: Eine Figurenspielerin ist auch immer ihre eigene Bühnenarbeiterin, Lichttechnikerin und Inspizientin. Nach dem Musiktheaterstudium genoss ich es sehr, als Mezzosopran und Musikkabarettistin selber im Fokus zu stehen. Leider konnte ich nur eine kurze Zeit als Opernsängerin arbeiten, da eine Erkrankung mein Zwerchfell angriff. Das Loslassen und Abschliessen war schon schmerzlich. Die „Puppenspielervergangenheit“ hat jedoch geholfen. Alles ist wichtig im Theater. Heute richte ich meinen Fokus wieder auf die, die auf der Bühne stehen. Da sorge ich dafür, dass sie Einsatz und Text nicht vergessen. Und dass das Publikum die Geschichte mitlesen kann.