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Tanz der Vampire

Musical von Michael Kunze und Jim Steinman

  • Media: Tanz der Vampire
  • Media: Tanz der Vampire

Professor Abronsius und sein Assistent Alfred gehen im kalten Transsilvanien auf Vampirjagd. Doch nachdem sie im nächstgelegenen Gasthaus die ersten Hinweise gefunden haben, werden sie bald selbst zur Beute des Vampir-Grafen Krolock. Dieser hat nämlich ein Auge auf Sarah, die schöne Tochter des Wirts, geworfen. Doch Alfred, der ebenfalls in Sarah verliebt ist, wittert die Gefahr.
Musikalische Zitate wie Bonnie Tylers Total Eclipse of the Heart oder Seize the Night von Meat Loaf bilden unter anderem die Grundlage der Musik von Jim Steinman. Das Theater St.Gallen wird als erstes deutschsprachiges Theater eine Neuinszenierung des Kultmusicals Tanz der Vampire realisieren.

Wer singt wann?
 

Die Produktion wird in grosszügiger Weise unterstützt von

Ort | Grosses Haus [Tickets]

Im Gespräch mit Rainer M. Koeppl

Über Vampire als Mythos und literarischen Topos und ihre Unwiderstehlichkeit

Professor Abronsius und sein Assistent Alfred gehen bis zum Äussersten bei ihrer Vampirjagd. Und auch die schöne Wirtstochter Sarah riskiert alles, weil sie dem mysteriösen Grafen von Krolock (und seiner Einladung zum Ball) nicht widerstehen kann … So beginnt die Handlung des Kultmusicals Tanz der Vampire. Wir haben einen echten Vampirologen gefragt, was es mit Vampiren und ihrer zeitlosen Attraktivität auf sich hat: Dr. Rainer Maria Köppl ist Professor am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien und Autor der Monografie Der Vampir sind wir.

Seit wann gibt es eigentlich Vampire, und was ist ihre mythologische Bedeutung?

Vampire gibt es, seit wir Menschen (wohl als einzige Kreaturen auf dieser Welt) ein Bewusstsein unseres Todes haben. Seit wir wissen, dass wir sterben müssen, teilen wir die Welt und uns selbst neu ein: Wir beginnen Diesseits und Jenseits zu unterscheiden sowie Körper (Materie) und Geist (Bewusstsein, Seele). Selbst intelligente Tiere wie Delphine oder Raben treffen derartige Unterscheidungen nicht. Wenn wir das Konzept «Tod» erkennen, dann liegt die Idee, dass jemand aus dem Reich der Toten zurückkehren könnte, nicht mehr fern. Die Möglichkeit einer Auferstehung, etwa zum Jüngsten Gericht oder auch schon beim nächsten Vollmond, flösst Hoffnung und Angst ein. Unser Tod macht die Vampire erst unsterblich.

Was fasziniert die Menschen an Vampiren, und warum schreibt man ihnen so grosse Macht zu?

Wir sind immer vom «Unheimlichen», über das schon Sigmund Freud ausführlich geschrieben hat, fasziniert, von den Schattenseiten, vom Zwielicht. Entscheidend ist dabei u.a. die Idee, dass Vampire sich zwischen den Welten, zwischen dem Reich der Physik (den Naturgesetzen) und dem Reich der Metaphysik (dem Übernatürlichen), bewegen können. Wer dem Tod zumindest eine halbe Ewigkeit lang ein Schnippchen schlagen kann, der hat beinahe alle Macht der Welt.

Warum müssen Vampire das Tageslicht scheuen? Und was haben Kreuz, Pfahl, Knoblauch und sonstige Abwehrrituale zu bedeuten?

Wir haben die Vampire erfunden, damit unsere Angst und unsere Lust (und unsere Angst vor der Lust) einen Namen und einen Körper haben. Wir spielen mit unserer Angst, das Spiel ist intensiver, wenn wir es in die Nacht verlegen – fast jedes Kind fürchtet sich in der Dunkelheit. Wenn wir dem Vampir jedoch zu viel Macht geben, dann hört sich der Spass, das wohlige Gruseln, die Angstlust auf; deswegen müssen wir dem Vampir auch Schwächen andichten – die Scheu vor dem Tageslicht, dem Kreuz und den Knoblauch. Natürlich kann man einiges auch psychoanalytisch interpretieren: Der Pfahl kann mit Freud als Penis gesehen werden, das Pfählen als blutige Penetration. Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt, könnte man den Knoblauch als Hodensack Jesu Christi, des weissen Anti-Vampirs, der ebenfalls aus dem Grab aufersteht, interpretieren – aber das geht vielen zu weit. Wie wir seit Aristoteles wissen, braucht jede dramatisch wirksame Figur eine Schwäche, damit man eine gute Geschichte erzählen kann: Achilles hat die Ferse, Superman das Kryptonit, Dracula das Sonnenlicht.

Wie hat sich die Figur des Untoten mit dem von Ihnen erwähnten phallischen Topos (und dem des gefährlichen homosexuellen Nachtfalters) verbinden können?

Mit Freud könnte man hier auf den untoten Charakter der – vor allem männlichen – Sexualität hinweisen: Der Trieb schläft, erwacht, wird befriedigt, stirbt, schläft – und erwacht wieder. In Vampirfilmen wie Nosferatu erhebt sich der Vampir tatsächlich auf eine steife und fremdgesteuerte Art aus dem Sarg, die auch Nicht-Freudianer an eine erwachende Erektion denken lässt. Der Zusammenhang zwischen Vampirismus und (Homo)-Sexualität ist ebenso klar: Der Vampir saugt an einer erogenen Zone, er bemächtigt sich eines anderen Körpers, er dringt mit den Zähnen in sein Opfer ein: Dracula ist ein Mann, der einen Mann beisst und dafür in der Regel von einem Mann gepfählt wird.

Lässt sich eine literarische Entwicklung der Vampirgestalt und des Vampirgenres seit Bram Stokers Dracula beschreiben, und wo sehen Sie Roman Polanskis Tanz der Vampire in dieser Entwicklung?

Das Vampirgenre ist immer auch ein Spiegel der jeweiligen Realität – obwohl oder weil der Vampir selbst kein Spiegelbild hat. Im klassisch-naiven Vampir-Mythos sind die Rollen relativ klar verteilt: Der Vampir verkörpert das verbotene Böse, die Frau ist das willenlose, moralisch schwache Opfer, das sich verführen lässt, und der Vampirjäger verkörpert die Vernunft, das Gute und die Wissenschaft. Im Lichte der Vernunft betrachtet, ist gerade das Gegenteil der Fall: der Vampirjäger, wie er etwa von Van Helsing verkörpert wird, ist ein fanatischer und verrückter Terrorist, der im Namen der Vernunft und eines strengen Gottes einen Aussenseiter gnadenlos verfolgt und schließlich auch tötet. Im Laufe der Entwicklung des Vampirmythos verlieren die naiven Grundlagen ihre Glaubwürdigkeit, indem, wie z.B. in Interview with the Vampire, die Perspektive gewechselt wird oder indem das ganze Genre in den Bereich der Lächerlichkeit gezogen wird. Tanz der Vampire ist in dieser Hinsicht ein Meisterwerk, auch weil Polanski zeigt, dass der Vampirjäger, der trottelige Professor, viel gefährlicher ist als der Vampir.

Ist Twilight die bislang letzte Vampirmode, und was kommt danach?

Man könnte mit dem Philosophen Nietzsche von einer Umwertung aller Werte im Vampir-Genre sprechen, Dunkel und Licht wechseln die Positionen: Der Vampir wird zum Guten, zum Vorbild, zum besseren Menschen. Dazu passt, dass er sich nicht mehr nur im Zwielicht aufhalten muss, moderne Vampire strahlen in der Sonne. Der Vampir ist so stark in unserem Denken und in der Populärkultur verankert, dass er wohl auch Twilight überleben wird – trotz der derzeitigen Übersättigung des Marktes.

Manchmal bezeichnet man Menschen, die einen anderen aussaugen – finanziell oder was Energie und Aufmerksamkeit betrifft –, als Vampire; sehen Sie darin ein reines Sprachbild, oder gibt es eine inhaltliche Beziehung zum Wesen der Vampire?

Sprache erlaubt es, unsere Gedanken von der «Sachebene» auf eine «metaphorische Ebene» zu übertragen: Aus dem untoten Blutsauger, einem Wesen, das uns wie eine Zecke oder ein Blutegel tatsächlich Blut aussaugt, kann so im übertragenen Sinn ein lebendiger Adeliger, ein Kapitalist, ein Ausbeuter werden oder auch ein Psychovampir, der unsere Lebensenergie aussaugt – wir alle kennen solche Menschen. Hier ist jedoch auch die dunkle Seite der politischen Vampir-Metapher zu erwähnen: Wer seinen Feind heute als Blutsauger bezeichnet, ruft vielleicht morgen dazu auf, die Blutsauger zu pfählen – dann wird aus der Metapher blutige Wirklichkeit, wie wir aus der Geschichte wissen.

Wieviel Blut braucht ein Vampir am Tag (bzw. pro Nacht)?

Das ist geheimes Wissen, das ich hier nicht mitteilen darf. Es gibt dafür eine magische Formel, in der unter anderem das Gewicht der Seele, die bekanntlich immer 21 Gramm hat, eine Rolle spielt, ebenso die Durchschnittstemperatur des Fegefeuers und natürlich die Zahl 666.

 

Das Gespräch führte Marius Bolten.