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Madama Butterfly

Oper von Giacomo Puccini

  • Media: Madama Butterfly
  • Media: Madama Butterfly

«Leb wohl, mein Blütenreich»

Für Puccini war es eine Herzensangelegenheit der Geschichte der Geisha Cio-Cio-San mit musiktheatralischen Mitteln auf den Grund zu gehen. Dies belegen bereits seine umfassenden, dem Kompositionsprozess vorausgegangenen Studien zur japanischen Kultur, von den religiösen Bräuchen bis hin zum melodischen Duktus der Sprache. Mit fieberhafter Anteilnahme ergründete er das tragische Schicksal der japanischen Frau, die einen amerikanischen Marineleutnant geheiratet hat. Was für diesen elektrisierende Exotik des Augenblicks war, bleib für sie hoffnungsloses Fremdsein bis in den Tod hinein.



Mit freundlicher Unterstützung von BMR, Mörschwil und dem Kanton Thurgau

Wer singt wann?

Ort | Grosses Haus Zeit | ca. 2 Std. 40 Min. (eine Pause) [Tickets]

«Die Amerikaner haben Hollywood...» –

«...und wir haben Puccini!»

Regisseur Aron Stiehl und Bühnenbildner Jürgen Kirner im Gespräch über amerikanischen Imperialismus und japanische Konsumwelten

Der überhebliche Amerikaner dringt ohne Rücksicht auf Verluste in eine fremde Kultur ein – eines der zentralen Themen in Madama Butterfly . . .

Aron Stiehl . . . das heute noch genauso aktuell ist, wie um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, zu der Zeit, als Puccinis «japanische Tragödie» spielt. Die Spuren dieser abendländisch-imperialistischen Überheblichkeit sieht man mittlerweile in den Vergnügungsvierteln Ostasiens. Bevor ich nach St.Gallen kam, war ich für einige Wochen in Thailand und besuchte das für seinen ausschweifenden Sextourismus berüchtigte Patong Beach auf der Insel Phuket. Die Amerikaner errichteten eben überall, wo sie hinkamen, ihre Hurenviertel, ob um 1900 im japanischen Nagasaki, wo Puccinis Butterfly angesiedelt ist, ob später in Kuba oder jüngst in Thailand. Sie sorgten zwar vielerorts für die Ausbildung eines Demokratie- und Freiheitsbewusstsein, doch sie zerstörten gleichzeitig auch die Integrität fremder Kulturen. In Anbetracht dieser spezifisch amerikanischen Doppelmoral ist die derzeit wieder verstärkt aufkommende Antihaltung des Ostens gegenüber einer kapitalistisch geprägten westlichen Welt nur zu verständlich.

Jürgen Kirner Abgesehen von diesem konkreten Konflikt zwischen Westen und Osten wirft Madama Butterfly die grundlegende Frage auf, wie der Mensch mit dem umgeht, was ausserhalb seiner selbst liegt, wie er das Fremde mit dem Eigenen in Einklang bringt.

Aron Stiehl Aber diese Frage wird von einer vom Schintoismus beeinflussten Kultur wie der japanischen anders beantwortet als aus westlicher Perspektive. Im Abendland wird ein Egozentrismus kultiviert, bei dem das Ich das Sagen hat und dieses Ich macht sich eben alles, auch das Fremde, rücksichtslos untertan.

Des gesellschaftlichen Schutzes hätte zur Entstehungszeit der Butterfly vor allem die japanische Frau bedurft, die wenig Rechte besass.

Aron Stiehl Die Frau besass damals auch in unseren Breitengraden wenig Rechte. Doch von einer japanischen Frau musste man sich als westlicher Mann, der im fremden Land auf Zeit geheiratet hat, nicht einmal ordnungsgemäss scheiden lassen. Die Ehe galt als aufgelöst, sobald der Mann die Frau verliess. Puccini lässt den Heiratsvermittler Goro in der Oper zu Cio-Cio-San sagen: «Ein Verlassen kommt der Scheidung gleich», und spielt damit auf Butterflys entrechtete Stellung an, nachdem Pinkerton auf unbestimmte Zeit fortgegangen ist. Der Leutnant gesteht seinem Freund, dem Konsul Sharpless von Anfang an, dass er von den Vorzügen der Zeit-Ehe mit einer japanischen Frau zu profitieren gedenkt: «So verheirate ich mich nach japanischem Brauch für neunhundertneunundneunzig Jahre – ausser, dass ich jeden Monat aussteigen kann.» Butterfly, die sich nach dem Harakiri ihres Vaters ohnehin schon in einer finanziell und sozial schwachen Position befindet, ist das tragische Opfer dieser männlichen Präpotenz.

Jürgen Kirner Männlich-präpotentes Verhalten zeichnete auch den Frauenheld Puccini aus: Seine langjährige Geliebte Elvira war eine verheiratete Frau. Nach dem Tod ihres Mannes musste sich Puccini, der zur selben Zeit eine Affäre mit einem jungen Mädchen aus Turin hatte, auf Drängen seiner Berater hin öffentlich zu Elvira bekennen. Puccini heiratete sie schliesslich, sehr zur Beruhigung seines Verlegers und Mentors Giulio Ricordi. Wie der amerikanische Marineleutnant Pinkerton, so führte auch Puccini in Liebesdingen ein Doppelleben!

Sind staatlicher und männlicher Imperialismus in Butterfly miteinander verschränkt?

Aron Stiehl Puccini rückte stets das Individuum in den Mittelpunkt, es ging ihm in erster Linie um den Einzelnen und sein Innenleben. Gleichzeitig bleibt eine gesellschaftspolitische Dimension, die sich in Butterfly auf den Zusammenprall der Kulturen beläuft, in seinen Opern immer präsent. Denn Pinkertons «amerikanisches» Verhalten ist nicht vom Spielort Japan zu trennen.

Lässt sich Puccinis Butterfly tatsächlich als Amerika-Kritik lesen?

Aron Stiehl Diese Frage ist nicht eindeutig zu beantworten, denn Amerika hat in der Oper zwei Gesichter, das des rücksichtlosen Pinkerton, der nicht davor zurückschreckt, die ehemalige Geisha Cio-Cio-San zu zerstören – Pinkerton sagt: « . . . dass ein wildes Verlangen mich ergreift, ihr zu folgen, selbst wenn ich sie dabei zerbrechen könnte» –, und jenes des «guten», gebildeten Sharpless, der sich für das Benehmen seines Freundes schämt.

Wenn man japanische Grosstädte bereist, ist man erstaunt, wie «amerikanisch» die Menschen leben.

Aron Stiehl Ich war vor einigen Jahren in Tokio und entsetzt darüber, nach welchen Prinzipien das Leben dort strukturiert ist. Ich hatte nämlich den Eindruck, dass viele Japaner ihre Seele an eine Konsumgesellschaft verkauft und ihre Tradition zugunsten westlicher Sitten und Riten aufgegeben haben, wie Butterfly, die sich vom Shintoismus abwendet und ihrem zukünftigen Ehemann Pinkerton zuliebe den christlichen Glauben annimmt.

Jürgen Kirner Der Clash of Civilizations zeigt natürlich auch in Japan erschreckende Auswüchse: Es gibt mittlerweile Sensoren, die den für die traditionelle japanische Begrüssung erforderlichen Neigungswinkel des Oberkörpers auf den Grad genau messen können.

Das Individuelle verliert an Wert, stattdessen dominiert die perfekte Performance den Alltag – wie in Hollywood!

Aron Stiehl Die Amerikaner haben Hollywood . . .

Jürgen Kirner . . . und wir haben Puccini!



Das Gespräch führte Magdalena Zorn, Musiktheaterdramaturgin

Pressestimmen

Neue Zürcher Zeitung

«Jede Erregung und Bewegung, jeder Affekt wird vom Dirigenten David Stern in Giacomo Puccinis Oper «Madama Butterfly» freigelegt und in delikaten Farben abgemischt; er zeigt die Verfeinerungen der genialischen Partitur, gibt ihr Atem. Das Sinfonieorchester St. Gallen spielt vortrefflich.»

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St.Galler Tagblatt

«Cio-Cio-San (Angela Fout) singt sich mit wunderbarem Timbre in die Herzen des Publikums. Ihr Sopran ist in -allen Reffistem ausgeglichen, schlank und ohne Allüren.»

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Südkurier

«Regisseur Aron Stiehl macht den Zusammenprall zweier Welten nicht nur optisch deutlich, sondern auch in der Führung der Personen, in kleinen Details wie etwa dem Ausziehen der Schuhe vor dem Betreten des Hauses. Oder auch in der Behutsamkeit, mit der die zum Christentum übergetretene Cio-Cio-San all die kleinenverehrenswürdigen Gegenstände ihrer bisherigen Religion in eine Schachtel legt und diese wohlverschlossen einer kleinen Götterstatue

anvertraut.»

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Der Landbote

«Das volle Haus, der starke Applaus zeigten auch hier, dass diese Frauenoper zu den berührendsten Werken des Musiktheaters gehört.»

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oper-aktuell

«Besonders augenfällig wurde die aussergewöhnlich prägnante Charakterisierungskunst des Regisseurs in der Figur der Suzuki: (...) Katja Starke sang und spielte die in dieser Inszenierung so wichtige Rolle mit ausdrucksstarkem, bezwingenden Mezzosopran, und ebensolcher Mimik. Ihr ungläubiges Tornerà ?... und das erschrockene Aufblicken, als Butterfly wie ein Fels in der Brandung zu Un bel dí vedremo ansetzte, sprachen Bände. »

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