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Lucrezia Borgia

Oper von Gaetano Donizetti

  • Media: Lucrezia Borgia
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Lucrezia Borgia ist eine der berüchtigtsten historischen Frauenfiguren der italienischen Renaissance. Auch in Donizettis Oper Lucrezia Borgia bilden die historisch unhaltbaren Gerüchte um die Ehebrecherin, Blutschänderin und Giftmischerin ein zentrales Element. Allerdings werden auch die menschlichen Züge dieser Frau, die selbst ein Opfer der Machenschaften der eigenen Familie ist, betont. Denn letztlich ersehnt Lucrezia nichts anderes, als die Liebe zu ihrem unehelichen Sohn geheim halten und dadurch bewahren zu dürfen. Donizetti hat mit Lucrezia Borgia eines seiner erfolgreichsten Werke geschaffen. Mit ausdrucksstarken Kantilenen und mächtigen Spannungsbögen vermag er den Zuhörer selbst in dieser düsteren Szenerie in seinen Bann zu ziehen. Pietro Rizzo, einer der erfahrensten jungen Dirigenten im italienischen Repertoire, wird diesem von Mord- und Machtgelüsten geprägten Sujet mit Sicherheit ein umso glänzenderes Klangbild verleihen!

wer singt wann?


Mit grosszügiger Unterstützung des
Margrit Wild-Stocker-Fonds

und der

Ort | Grosses Haus Zeit | ca. 2 Stunden, 45 Minuten inkl. einer Pause nach dem ersten Akt [Tickets]

Fatale Verheissungen

Ob Ehebrecherin, Giftmischerin oder inzestuöse Geliebte – Lucrezia Borgia ist mit vielen düsteren Attributen ausgestattet worden. Wirklich interessant wird die Papsttochter als Bühnenfigur aber erst, wenn man an ihr weitere Facetten entdeckt. Auf diese Spur haben sich auch der Regisseur Tobias Kratzer und der Ausstatter Rainer Sellmaier begeben, die Donizettis Lucrezia Borgia zusammen mit dem Dirigenten Pietro Rizzo erarbeiten. Im Gespräch geben sie Auskunft über ihre Interpretation dieses Stoffes.

«Lucrezia Borgia» gehört zu den Opern des Belcanto. Erfordert dies in der Regie eine spezielle Annäherung?

Tobias Kratzer: Belcanto-Werke haben eine eigene musikalische Ästhetik. Das Vorurteil besagt ja, dass hier der Wohlklang der Musik über den dramatischen Verlauf triumphiert. Aber das ist bei Donizetti, der als Dramatiker oft unterschätzt wird, nicht der Fall. Man merkt, wo Verdi gelernt hat! Lucrezia Borgia ist ein dramaturgisch sehr präzise gearbeitetes Stück – zumindest wenn man den Spannungsaufbau betrachtet. Wenn man allerdings die Massstäbe eines klassischen Melodrams an diese Oper anlegt, dann mutet die Handlungsführung schon etwas roh an. Lucrezia ist eben zunächst kein psychologisch eindeutig greifbarer Charakter, geschweige denn die exakte Repräsentation einer historischen Figur. Teilweise wirkt sie eher wie ein künstlich geschaffenes Geschöpf. Victor Hugo, dessen Schauspiel Lucrèce Borgia als Vorlage für die Oper diente, hat einen sehr vielschichtigen Typus kreiert, indem er, wie er selbst sagte, das Herz einer liebenden Mutter in den Körper einer Mörderin verpflanzte. Im Zentrum steht diese rätselhafte weibliche Figur, kein streng logischer Plot.

Wie werden Sie dies visuell auf der Bühne umsetzen?

Rainer Sellmaier: Das Bühnenbild ist eigentlich eine 360 Grad-Installation, die sich um die eigene Achse dreht. Es bietet verschiedene Einsichten in den Pavillon des Ehepaares Lucrezia und Alfonso. Man kann allerdings nie alles überblicken, es gibt stets Winkel und Ereignisse, die dem Auge des Zuschauers bewusst versperrt bleiben.

T.K.: Die Idee des Voyeurismus ist dabei ganz wichtig. Das Stück beginnt damit, dass alle allen nachspionieren, so dass der Eindruck vermittelt wird, dass auch die Figuren immer nur ein Fragment der Realität mitbekommen. Diese Situation haben wir auf den gesamten Raum angewendet. Der Zuschauer soll sich als Voyeur fühlen, der vom Geschehen zugleich angezogen wie auch ausgeschlossen wird.

Sie werden die Handlung ins Heute versetzen. Welche Rolle spielen für Sie die Bezüge zu den historischen Persönlichkeiten?

R.S.: Es ist ja lediglich ein vermeintlich historischer Stoff. Die Figuren repräsentieren keine Menschen aus der Renaissance. Weder Hugo noch Romani oder Donizetti wussten, wer diese Menschen wirklich waren. Die Figuren auf der Bühne sind von intensiven und ganz gegenwärtigen Leidenschaften getrieben, ansonsten könnte man deren Verhaltensweisen nicht verstehen. Das Historische daran ist dabei nur eine Oberfläche. Wir versuchen daher auch nicht, Charaktere der Renaissance zu zeichnen, beziehen uns aber durchaus in einem weiter verstandenen Sinn auf diese historische Folie. In der Oper geht es zum Beispiel wesentlich um das Wort «Orgie». Aber hinter dem Wort verbirgt sich ja oft lediglich die Verheissung von etwas, das man sich ersehnt. Gerade die Darstellung weiblicher Akte folgt ja seit der Renaissance oft einer Art Doppelstrategie. Einerseits geben diese Bilder vor, ausführliche, oft moralische Bildprogramme zu haben, andererseits bedienen sie ganz schamlos das voyeuristische Interesse des Betrachters.

T.K.: Ja genau, man hängt sich ein Gemälde in sein Kabinett, das inhaltlich fast überintellektualisiert ist, jedoch zugleich als willkommener Anlass dazu dient, eine wohlgeformte Brust – oder einen Männerhintern – auszustellen. Da sind wir ganz nah bei Lucrezia Borgia und der Faszination, die sie auf ihre Umwelt ausübt: Man sehnt sich offenbar danach, in ihren vermeintlich verruchten Taten etwas zu begaffen, das man von einer gesellschaftlich-moralischen Perspektive aus zu verurteilen vorgibt. Das ist eine eigentümliche Mischung von Sensationsgier und Doppelmoral, wie sie auch jedem Klatschmagazin zu Grunde liegt.

Alle Figuren beschreiben Lucrezia als Giftmischerin. Sie ist aber auch Mutter, Liebhaberin und Ehefrau. Wer ist für Sie diese Frau?

T.K.: Ja, sie wird stets als Giftmischerin bezeichnet, während in den ersten zwei Dritteln des Stückes eigentlich nur die Männer Giftmorde planen. Das Giftmischen ist zunächst nur eine Projektion auf diese Frau. Aber es ist ein interessanter Mechanismus des Stückes, dass vielen Figuren zunächst eine ihnen fremde Rolle zugeschrieben wird, die sie gegen Ende dann auch tatsächlich erfüllen.

Dann sind Sie der Meinung, dass Lucrezias Charakter letztlich dadurch geformt wird, was über sie gerüchteweise berichtet wird?

T.K.: Ich finde das zumindest nicht abwegig. Ich begreife das Stück als einen permanenten Zweikampf zwischen Lucrezia und Alfonso. Um diesen Zweikampf zu gewinnen, müssen beide immer eine Stufe höher gehen – bis die Einsätze aberwitzig werden. Es beginnt bei der Unterstellung einer Affäre und endet beim Massenmord. Das Stück ist in seiner Psychologie erschreckend modern. Es setzt nämlich bei seinen Figuren keinen psychologisch geschlossenen Charakter voraus, der sich durch Taten zeigen oder entfalten würde, sondern beschreibt sie gleichsam als «Menschen ohne Eigenschaften». Ihr Charakter ist, wenn man so will, nur ein Konstrukt – das Ergebnis von zwangsläufigen Handlungen und Fremdzuschreibungen. Dieser Interpretationsansatz interessiert mich. Aber natürlich ist es banal, nur zu sagen: Lucrezia wird durch das, was sie erlebt, zu dem getrieben, was sie tut. Wie in jedem von uns gibt es auch in ihr Ehrgeiz, Selbstbehauptungswillen und die Absicht, gegen andere zu gewinnen. Ich sehe Lucrezia also weder als ein reines Opfer, noch verstehe ich sie als Inbegriff des Bösen. Vielmehr ist sie für mich eine Frau mit sehr vielen «Schauseiten». Aber ihr anfänglicher Handlungsspielraum verengt sich im Verlauf des Stückes mehr und mehr. Diesen Weg schildert die Oper mit erschreckender Konsequenz.

Schwäbische Zeitung

Dass die St. Galler «Lucrezia» Sternstunden des Musiktheaters beschert, verdankt sich dem glücklichen Zusammenwirken aller beteiligten Kräfte. Pietro Rizzo dirigiert die sängerisch und orchestral fabelhafte Darbietung mit feinem Gespür für die Italianità der Partitur, für perfektes Timing und psychologische Tiefendimensionen. Tobias Kratzers intelligente Inszenierung ist schlüssig und detailliert zur Musik entwickelt. Sie profitiert von Alexandra Juds kluger Dramaturgie, Rainer Sellmaiers geschmackvoller Ausstattung und Reinhard Traubs effektvoller Lichtgestaltung.

Ostschweiz am Sonntag

Der Applaus im Theater St.Gallen ist lang und anhaltend. Er gilt vor allem einer: der Sopranistin Katia Pellegrino, die in der Titelrolle von Gaetano Donizettis Oper «Lucrezia Borgia» einen wahren Kraftakt vollbringen und viele Nuancen beherrschen muss. Leidenschaft, Wut, Verzweiflung, Zärtlichkeit: All dies muss sie in ihre Stimme legen. Und sie kann es, bis zuletzt. Wobei ihr Bühnenpartner Paolo Gavanelli als Don Alfonso ihr an stimmlicher und schauspielerischer Präsenz nicht nachsteht.

Oper aktuell

Die Regie wurde dem aufstrebenden Regiestar Tobias Kratzer (er wird den nächsten TANNHÄUSER in Bayreuth inszenieren) anvertraut [...]. Wie damals in Luzern überzeugt Kratzer auch diesmal mit einer genauen Analyse des Beziehungsgeflechts. Rainer Sellmaier (Bühne und Kostüme) hat ihm dazu einen drehbaren, modernistisch eingerichteten Bungalow auf die Bühne des Theaters St.Gallen gestellt. Durch grössere und kleinere Fenster erhalten wir, die Zuschauer, und auch die Personen auf der Bühne voyeuristische Einblicke in den Haushalt und das (nicht nur vermeintlich) orgiastische Treiben des Paares Lucrezia Borgia und ihres vierten Gemahls Alfonso.

Dass Lucrezia in dieser Luxus-Designer-Festung unglücklich ist, wird bereits während des kurzen orchestralen Vorspiels mit wenigen, subtilen Gesten angedeutet: Sie schminkt sich vor dem Badezimmerspiegel, der Gemahl Alfonso schaut ständig auf die Uhr, drängt sie und fordert sie unmissverständlich auf, beim anschliessenden Empfang die perfekte, strahlende Gastgeberin zu mimen. Durch die Verlegung der Handlung in die Gegenwart, erhält die Oper einen Touch von DALLAS oder DYNASTY, aber das schadet dem Werk überhaupt nicht, denn solche Serien bedienen genau wie die Schauerdramen der italienischen Romantik eine leicht lüsterne Sensationsgier des Publikums, heute wie damals. Kratzer gelingt es ausgezeichnet, die psychische Verfassung der Protagonisten zu erfassen und offenzulegen. Hervorragend auch, wie er die Comprimari in das Geschehen einbettet und ihre wichtigen Rollen sorgfältig herausarbeitet: Die lebenslustigen, trinkfesten und verleumderisch Lucrezia verspottenden Gefährten Gennaros (sie waren mit Nik Kevin Koch, David Maze, Jordan Shanahanund Derek Taylor allesamt vortrefflich besetzt). Die Spione Lucrezias (Levente Páll als Astolfo und Wade Kernot als Gubetta) überzeugten genauso wie der hinterhältige Scherge des Herzogs, Rustighello, welcher von Dean Power mit ausgezeichnet fokussiertem Tenor gesungen wurde. [...] Ausgezeichnet verlief das Rollendebüt von Anicio Zorzi Giustiniani als Gennaro: Er verkörperte glaubhaft den blendend aussehenden adoleszenten Jungspund, schwankend zwischen Rebellion, Abenteuerlust, hoch emotionaler Sehnsucht nach seiner unbekannten Mutter, erwachender sexueller Begierde und unbeschwerter Freude an Streichen.

In den Rollen des einander gegenseitig misstrauenden Ehepaars Lucrezia-Alfonso durfte man Katia Pellegrino und Paolo Gavanelli erleben. Gavanelli gab den selbstgefälligen, steinreichen und hinterfotzigen Unternehmer mit grosser, auch mal herrlich effektvoll protzender Entfaltung seiner warmen und satten Stimme. Katia Pellegrino gelang ein differenziert gestaltetes Porträt der Titelrolle. Mit zarten, liebevollen Tönen besang sie den wiedergefundenen, im Corbusier-Sessel schlafenden Sohn Gennaro, ganz die liebende Mutter, welche einen Fehler aus der Vergangenheit wieder gutmachen will. Mit kontrollierter Fulminanz (im hochklassigen Duett mit Gavanelli im ersten Akt: Raunen im Publikum - Lucrezia redet mit gewaltiger Eindringlichkeit auf Alfonso ein, er greift zur Zeitung und löscht kurz darauf die Nachttischlampe - herrlich aus dem Leben gegriffen!!!)) drückte sie ihre bedrohliche Abscheu vor dem Gemahl aus, mit ergreifender Klage, wunderbaren Piani und imponierender Virtuosität musste sie von ihrem sterbenden Sohn (im unberührten Kinderzimmer) Abschied nehmen und realisieren, dass ihre Welt als Frau und Mutter in Trümmern liegt. Pietro Rizzo führte mit sicherem Gespür für passende Tempi und die Möglichkeiten der Sängerinnen und Sänger durch den Abend, entlockte dem Sinfonieorchester St.Gallen manch sauber herausgearbeitete und schön klingende Kantilene.