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La Favorita

Oper von Gaetano Donizetti

  • Media: La Favorita
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Machtstrukturen

Wo Interessen von Kirche und Staat aufeinandertreffen, dort ist das Konfliktpotential meistens ziemlich gross. Und wenn ein einzelner Mensch inmitten solcher Interessen steht, dann ist das Verhängnis vorbestimmt. Genau diese Dynamik beherrscht das Drama von La Favorita: Fernando, ein Mönch, liebt Leonora, die Lieblingsmätresse des Königs. Getrieben vom inneren Konflikt zwischen Glauben und Liebe entscheidet er sich für die Liebe und begibt sich in eine gefährliche Rivalität mit König Alfonso XI. Dieser will nämlich just Leonora zu seiner Frau machen. Dadurch gelangt er seinerseits in einen Interessenkonflikt mit dem Papst, der über die beiden Ehebrecher den Kirchenbann verhängt. Aus dieser Grundkonstellation lässt sich der weitere Verlauf der Handlung erahnen. Hier nur so viel: Zu einem Happy End soll es nicht kommen.

Jede der Charaktere in La Favorita ist in einem System aus Macht, Pflicht und Religion gefangen. Diese Konstellation der Kräfte stellt die Inszenierung von Guy Montavon ins Zentrum der szenischen Umsetzung. Das Bühnenbild von Hank Irwin Kittel wird durch repräsentative Symbole beherrscht, welche die Strukturen dieses Machtgefüges räumlich vergegenwärtigen. So wird die gefährliche Gratwanderung, zu der jeder Überlebensversuch eines Einzelnen in einem Machtsystem herausfordert, als ein Gesamtbild in den Raum des Klosterhofs übersetzt. Auf imposante Weise wird dabei die Kathedrale im Hintergrund gleichsam stellvertretend für die Religion überhaupt die Struktur des Bühnenbildes mitgestalten.

Donizetti wäre kein Meister des italienischen Belcanto, wenn er in der Düsterkeit dieses Dramas nicht auch Momente tiefster Innigkeit erkannt und entsprechend in Musik gesetzt hätte. So gibt es in diesem wenig bekannten Meisterwerk eine Vielfalt an Nuancen zu entdecken, die von klanglicher Subtilität und motivischem Einfallsreichtum ebenso geprägt ist wie von typisch italienischen Kantilenen. So spannungsgeladen die Handlung ist, mindestens ebenso intensiv ist der musikalische Ausdruck!

wer singt wann?

Premiere 20. Juni 2014

Ort | Klosterhof Zeit | 2 Stunden und 30 Minuten [Tickets]

Irrwege der Sehnsucht

«Alle suchen nach einem Ideal und scheitern daran!»

Herr Montavon, «La Favorita» wird bestimmt von einem tragisch ausgehenden Beziehungsgeflecht dreier Protagonisten. Was sind für Sie die wichtigsten Themen dieser Oper?

Die Suche! Es geht darum, auf der Suche nach der eigenen Identität sehr lange Wege zurücklegen zu müssen. Es ist zwar eine Dreiecksgeschichte, aber diese löst sich sehr schnell in die Ichbezogenheit der Agierenden auf. Leonora will ein ruhiges Leben, sie bekommt es nicht; der König will sie heiraten, er bekommt sie nicht; Fernando möchte sie ebenfalls haben und bekommt sie auch nicht. Alle suchen nach einem Ideal und scheitern daran. Deshalb ist auch der Tod in der Oper präsent. Es ist sehr interessant zu betrachten, woran Leonora eigentlich stirbt: an Erschöpfung! Ihr Irrweg ist wohl der prägendste des ganzen Stücks.

Die Konzentration des Librettos liegt auf den psychologischen Zuständen der Figuren, konkrete Handlungen werden lediglich erzählt. Wie gehen Sie mit dieser statischen Anlage um?

Man muss Einiges dazu erfinden, um die Handlung trotzdem erzählen zu können. Das werde ich zum Beispiel mit den 20 Statisten tun, die ständig auf der Bühne präsent sein werden. Dadurch soll die Aktion besser verständlich werden. Auch die Intrige gegen Ines werde ich auf der Bühne darstellen. Grundsätzlich gesagt möchte ich auch diejenigen Aspekte der Handlung zeigen, die im Libretto nur erwähnt werden.

Bei uns finden die Aufführungen unter freiem Himmel vor der Fassade der Kathedrale statt. Wie gehen Sie in der Regie auf diese Umstände ein?

Bei Freilicht-Aufführungen muss man sehr gross denken, man kann keine intime Personenregie führen. Zudem muss man berücksichtigen, an welchem Ort gespielt wird. Deshalb erfordert allein schon der Umstand, dass wir in einem Klosterhof spielen, ein anderes Denken. Die Kathedrale ist ein Ort, zu dem eine Referenz gezogen werden muss. Dieser Bezug ist nicht nur dadurch gegeben, dass massgebliche Teile der Handlung in einem Kloster stattfinden. Vielmehr spielt die Kathedrale auch eine passive Rolle: Die spätbarocke Architektur muss man mit einem Gegensatz konfrontieren. Wie bei I Lombardi haben wir ein Bühnenbild konzipiert, das der Architektur der Kathedrale entgegengesetzt ist. Führt man die Architektur der Kathedrale im Bühnenbild weiter, dann resultiert daraus nur Kitsch. Mit klaren Linien und Farben erreicht man hingegen einerseits eine klare Aussage im Bühnenbild und andererseits kommt die Kathedrale gerade durch diesen Kontrast besser zur Geltung.

Wie hat sich Ihre Zusammenarbeit mit Hank Irwin Kittel für die Erarbeitung der Grundausrichtung der Regie gestaltet?

Wir haben uns schnell darüber verständigt, dass die Figuren auf der Suche sind und sich auf Irrwegen befinden. Dann hat Hank Irwin Kittel die Idee für dieses abstrakte Bühnenbild mit den verflochtenen Eheringen gehabt, was ich einen grandiosen Ansatz fand! Dieser Grundidee haben wir dann noch weitere Elemente beigefügt, etwa den Fächer oder die Liebesinsel. Ich arbeite sehr gerne und sehr oft mit Hank Irwin Kittel, wir sind ein sehr gut eingespieltes Team.

Ihre Konzeption ist abstrahierend und auf die emotionalen Zustände der Figuren fokussiert. Es werden aber auch mittelalterliche Mönche zu sehen sein. Wie bringen Sie diese Aspekte zusammen?

Es ist der Kontrast zwischen der Bühne und den Kostümen im historischen Stil, der mich interessiert. Man kann die Geschichte von La Favorita nicht auf einem Fundament erzählen, das nicht dazu passt, sondern man muss diesen Hintergrund mitgeben. Der Gegensatz zwischen Bühnenbild und Kathedrale wird auch innerhalb des Geschehens auf der Bühne sichtbar.

Sie haben 2011 «I Lombardi» für die St.Galler Festspiele inszeniert, kennen also die hiesigen Bedingungen bestens. Welche Herausforderungen sehen Sie auf sich zukommen?

Ich hoffe, dass wir trotz der sperrigen Handlung dem Publikum eine Aufführung bieten können, in die man gerne geht. Mein wichtigstes Anliegen ist es, mit meiner Inszenierung nicht nur etwas für das Auge und das Ohr, sondern auch für den Geist zu bieten. Festspiele sind nicht nur ein Event, sondern sie müssen auch mit Inhalt gefüllt werden. Das möchte ich mit der Oper Favorita tun.

Und worauf freuen Sie sich?

Ich freue mich sehr, wieder nach St.Gallen zu kommen und die Atmosphäre der Festspiele erneut zu erleben. Und natürlich freue ich mich immer, inszenieren zu dürfen. Das ist eine schöne Sache, denn im Inszenieren fühle ich mich zu Hause!

Oper aktuell
«Die Musik und ihre Umsetzung durch die Sängerinnen und Sänger, die gut vorbereiteten Chöre [...] und das differenziert und mit überraschend reichhaltigen Farben (insbesondere der Bläser) spielende Sinfonieorchester St.Gallen unter der umsichtigen und die Schönheiten der Partitur auskostenden Leitung von Attilio Tomasello machen aus Donizettis Musikdrama ein stimmungsvolles Fest für Melomanen. [...] Ebenso sublim erweist sich die Lichtgestaltung durch Guido Petzold, welcher gekonnt mit der einbrechenden Dämmerung spielt, die Akte und die Stimmungen der Protagonisten farblich ausgeklügelt voneinander absetzt, den Klosterbezirk durch mutige Farbakzente und Spiele mit Schattenwürfen mit einbezieht.[...] Arthur Espiritu erfüllt die Partie des Fernando mit seinem herrlichen tenoralen Schmelz, begeisternd sauberen und mühelos erreichten Spitzentönen und einem fantastisch ebenmässigen Timbre. [...] Ein musikalisches Fest – festspielwürdig!»

Der Landbote
« [...] wie sehr La Favorita, trotz seiner komplizierten Entstehungsgeschichte, ein Werk aus einem Guss ist, machte auch Attilio Tomasellos Dirigat deutlich: schnörkellos, straff, aber auch weit atmend und vermittelnd: eindrücklich, zumal im vierten Akt, wo sich die Musik zum grossen atmosphärischen Panorama öffnet.»

Die Südostschweiz
«Sängerisch und gestalterisch konnten am Premierenabend alle Solisten überzeugen. Paolo Gavanelli als Alfonso XI gelangen nach einiger Anlaufzeit berührende Momente, die ihn zum Sympathieträger machten. Matt Boehler als Baldassare war es hingegen aufgetragen, die Unbeugsamkeit der kirchlichen Macht zu verkörpern; er gefiel stimmlich wie Elena Maximova in der Titelrolle, Arthur Espiritu als Fernando und Lavinia Bini als Leonoras Vertraute Ines. Bestens funktionierte das Zusammengehen in den Ensembles, auch wenn einmal ein Duett über die Distanz von 30 Metern zu singen war.»

St.Galler Tagblatt
«Bereits ihre dritte grosse Rolle bei den Festspielen sang Mezzosopranistin Elena Maximova: Die Zerrissenheit Leonoras gestaltet sie mit breiter Ausdruckspalette, Kraft und Zartheit zugleich. Festspielerfahrung hat auch Matt Boehler, dessen unforciert starker Bass Machtworten Gewicht verleiht.»

Thurgauer Zeitung
«Paolo Gavanelli glänzte zuletzt als Rigoletto und Barnaba in St. Gallen. Nun ringt er als König Alfonso um die Macht - und um seine Mätresse; seine grosse Stimme setzt er verletzlich und empfindsam ein. Mit Leidenschaft und lyrischem Schmelz steht Arthur Espiritu als Fernando zwischen den Fronten.»

Zürcher Oberländer
«Auf verschlungenen, aber getrennten Kreisbahnen bewegen und verlieren sich die Figuren in ihrer tragischen Zerrissenheit. Die Bühne macht sie im ohnehin weiten Raum des Klosterhofs zusätzlich klein, zügelt ihre Dynamik, und die Symbolik mag man als aufdringlich empfinden, aber das Konstrukt entfaltet dank raffinierter Lichtgestaltung (Guido Petzold) ästhetischen Reiz, spannend auch, weil die Domfassade in wechselnden Farben übermächtig mitspielt und mit dem gleichsam abstrakt-modernen Barock des Bühnenbaus davor auch zusammenspielt.»

Ostschweiz am Sonntag
«Arthur Espiritu setzt sich mit seinem lyrischen Tenor durchaus kraftvoll in Szene. Paolo Gavanelli mag aussehen wie ein Spielkartenkönig, massig in Gold und Purpur, doch sein farbenreicher Bariton lässt tief in die Seele eines unter Zwängen agierenden, verletzlichen Mächtigen blicken, der am liebsten nur ehrlich lieben möchte. Doch da ist noch der Kampf gegen die Mauren und die Moral, für die Matt Boehler als Kirchenmann eindringlich-kernig die Stimme erhebt.»

SDA
«Das zweieinhalbstündige Spiel auf der Bühne faszinierte von der ersten bis zur letzten Minute.»