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I due Foscari

Oper von Giuseppe Verdi

  • Media: I due Foscari
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Auch Verdi hat sich von den dunklen Kanälen und den geheimnisumwitterten Machtstrukturen Venedigs faszinieren lassen. In I due Foscari bilden eine Intrige um Vater und Sohn, die zwei Foscari, und der Konflikt zwischen politischer Pflicht und persönlicher Neigung den Mittelpunkt eines verhängnisvollen Machtspiels. Diese Oper stünde aber nicht im Zeichen der italienischen Romantik, wenn es im Geflecht der auf historische Personen verweisenden Figuren, nicht zuletzt der menschliche Aspekt wäre, welcher der Handlung ihre Glaubhaftigkeit verleiht. Dafür steht allen voran Lucrezia, deren Liebe stärker ist als jedes Gesetz und deren Glaube das einzige Moment der Hoffnung bildet. Als Personifikation der Moral verteidigt sie in einem von ehrgeizigen Männern dominierten System ihre Liebe und ihre Rechte. I due Foscari war zu Unrecht lange in Vergessenheit geraten, denn die musikalische Subtilität dieses Werks lässt den reifen Kompositionsstil Verdis mehr als erahnen. Der Regisseur Carlos Wagner, der bereits in La damnation de Faust den Charakteren psychologische Prägnanz verliehen hatte, wird sich bei den 10. St.Galler Festspielen diesem packenden Frühwerk Verdis zuwenden.

 

wer singt wann?

Ort | Klosterhof Zeit | ca. 2 Stunden und 30 Minuten inklusive einer Pause nach dem ersten Akt [Tickets]

Venedig. La Serenissima. Sehnsuchtsort mit grösstmöglichem Verklärungsgrad: Gondeln, Seufzerbrücke, San Marco. Festgehalten auf unzähligen Gemälden. Gegenstand zahlreicher literarischer Werke. Auch den Regisseur Carlos Wagner hat es heftig erwischt, als er sich vor einigen Jahren vom Meer herkommend der nebelverhangenen Schönen erstmals näherte:≪Der Anblick ist spektakulär! Ich habe sogar geweint, als wir mit der Fähre in die Stadt hineingefahren sind. So überwältigt war ich. Traumartig.≫

Doch, sobald die Nebeldecke aufreisst und die Sonne im Hochsommer in die schwülen Gassen mit ihren stehenden Gewässern strahlt, konnten und können es die Besucher einst und heute förmlich riechen: Irgendetwas ist hier faul. Im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Seit Jahrhunderten schon. Und das nicht nur, weil der stetig steigende Meeresspiegel und der kaum beherrschbare Müll die Lagune mit ihren engen Gassen und Kanälen stetig bedroht. Auch Giuseppe Verdis Oper I due Foscari, die der Regisseur Carlos Wagner bei den diesjährigen St.Galler Festspielen in Szene setzen wird, handelt von dieser Doppelgesichtigkeit der mythisch verklärten Lagunenstadt.

Der exzentrische Dichter Lord Byron, dessen 1821 erschienenes Lesedrama The Two Foscari Verdi und seinem Librettisten Francesco Maria Piave als Vorlage diente, war einer der ersten, der den Blick auf die dunkle Seite der Serenissma lenkte: ihre strengen, repressiven Gesetze, ihre geheimen Gerichtsverfahren und den allmächtigen ≪Rat der Zehn≫. Bei den diesjährigen St.Galler Festspielen nun liegt eben dieses Venedig vor nicht minder historisch aufgeladener Kulisse am Klosterplatz, den Regisseur Carlos Wagner mit seinem Team dafür auf spektakuläre Weise fluten lassen wird:

≪Das Bühnenbild ist ein Riesenwasserbecken, da fahren Gondeln hin und her. Und dahinter ist so ein Kubus, der von aussen auch so modrig aussieht wie der Rest des Bühnenbildes. Doch diesen Kubus, den kann man öffnen. Und innen drin ist alles vergoldet. Ein Juwel auf dem Misthaufen. Das ist die Idee, die ich im Kopf habe.≫

Gold und Glanz, prachtvolle Gondeln, eindrucksvolle Treppen und Brücken für die Mächtigen. Das Volk dagegen wird knietief durchs faulige Wasser waten. Ein Zustand, der Regisseur Carlos Wagner unmittelbar an die Zustände in seiner Wahlheimat Spanien und die anderen krisengeschüttelten südeuropäischen Staaten erinnert:

≪Es ist ja so, die untere Mittelklasse und die Arbeiterklasse in Italien, in Griechenland und in Spanien, die können wirklich nicht mehr. Die kommen fast nicht mehr ans Monatsende. Die Reichen dagegen leben weiter in Saus und Braus, die kommen mal kurz ins Gefängnis, aber eigentlich passiert ihnen nichts.≫

Genau wie sich Jacopo Foscari das offensichtlich vorstellt, als er nach zweimaliger Verbannung leichtsinnig wieder zurückkehrt in die Heimat, wo seine politischen Gegner, die vor allem die des Vaters Francesco sind, nur darauf warten, ihn erneut vor Gericht zu zerren. Und schon die ersten Takte des Vorspiels der Oper stellen klar: Auch hier ist etwas durch und durch faul. Etwas stimmt nicht im Staat der Foscari.

Unmissverständlich betonen die vertikal gespreizten Akkordmassen, ungeachtet alles später folgenden Barcarolen- und Folklore-Zaubers, jenes Intervall, das seit jeher musikalisch das amoralisch Böse kündet: die übermassige Quart, den sogenannten Diabolus in Musica. Daraus hervor kriechen in Klarinette und Streichern die beiden Grundthemen, die den lyrischen Kern der Oper bilden: Das Klagemotiv des vermeintlich unschuldigen Foscari Junior und die aufgeregten Streichergesten seiner verzweifelten Frau Lucrezia.

Weil der Sohn sich nicht nur der Korruption verdächtig macht, sondern zwischenzeitlich auch im Verdacht steht, mit dem Feind geküngelt und einen Mord begangen zu haben, nimmt die doppelte Tragödie des jungen und des alten Foscari ihren Lauf. Auch im Amt des Dogen kann Francesco Foscari, dessen historisches Vorbild im 15. Jahrhundert einst Venedigs Ruhm als Kriegs- und Handelsmacht über 30 Jahre lang zu nie da gewesener Blute getrieben hat, nicht gegen den sogenannten ≪Rat der Zehn≫agieren und muss seinen Sohn ohne Frau und Familie endgültig in die Verbannung schicken. So verlangen es die Gesetze Venedigs, gegründet auf Geheimnis und Verschwiegenheit, Tag und Nacht bewacht vom Löwen von San Marco, wie der Chor der Senatoren eingangs direkt konstatiert. Nicht ohne in geradezu selbst karikierender Weise immer wieder die eigene Unkorrumpierbarkeit und die vermeintlich unbestechliche Gerechtigkeit des Systems zu betonen. Regisseur Carlos Wagner glaubt ihnen kein Wort: ≪Meiner Meinung nach sind die selbst durch und durch korrupt.≫

Nicht Liebe gilt es hier in dieser Oper für Jacopo und seine Frau Lucrezia in der Rolle von Tenor und Sopran zu erringen, sondern Schmerz und Leid zu erdulden. Und die Macht der Foscari zu erhalten. Doch auch das missglückt dem Alten. Tod und Intrige triumphieren. Schlimmer geht es nicht.

Doch Verdi wäre nicht Verdi, wenn er das nicht alles immer wieder auch in prachtvolle und wirkungsstarke Musik gekleidet hätte. Musik, die für damalige Verhältnisse völlig neue Wege geht. Alle wesentlichen Protagonisten sind mit musikalischen Reminiszenzen ausgestattet. Und auch so manche der von Piave und Verdi bewusst hinzugefügten vermeintlichen Effekt-Szenen wie die Heimsuchung des inhaftierten Jacopos durch die Gespenster der Vergangenheit erweisen sich als Hinweis auf ein komplexes, auf brutaler Verdrängung basierendes autoritäres Gesellschaftsgefüge. Ein Umstand, dem Carlos Wagners Regie ebenfalls Rechnung tragen wird.

Vor prächtigster historischer Kulisse. Im Spiegel der sich sanft im frühsommerlichen Abendwind kräuselnden Wellen auf dem St.Galler Klosterplatz, in denen sich dann nicht nur das goldene venezianische Zeitalter mit seinen finsteren Abgründen, sondern auch die Gegenwart und der Aufführungsort selbst mannigfaltig spiegeln werden. (mam)

NZZ

Spektakulär ist (...) die von Rifail Ajdarpasic konzipierte und von Guido Petzold in raffiniertes Licht getauchte Freilichtbühne auf dem Klosterhof. Hauptattraktion ist ein riesiges Wasserbecken, auf dem sich die Gondel mit dem gefangenen Jacopo bewegt und in dem die Fischer in ihren hohen Stiefeln waten. An das morbide Venedig erinnert auch die Architektur der dunkelgrau und schimmelgrün bemalten Treppen und Brücken. Nicht realistisch als Dogenpalast, sondern symbolisch als «Black Box» gestaltet ist das Machtzentrum, wo sich der alte Foscari und sein Rat oft hinter verschlossenen Türen versammeln. Am Schluss wird dann auch die Kathedrale effektvoll ins Geschehen einbezogen, wenn die Turmuhr schlägt und dem Dogen das Ende seiner Herrschaft ankündigt. Ohnmächtig bricht er im knietiefen Wasser zusammen.

Musikalisch lohnt sich die Begegnung mit «I due Foscari» durchaus. Die Hauptfiguren sind treffend charakterisiert, und die Finali verweisen in ihrer Mehrschichtigkeit bereits auf den späteren Verdi. Attilio Tomasello animiert das hinter der Bühne versteckte Sinfonieorchester St. Gallen zu einer professionellen Leistung. [...] Die überragendste Leistung zeigt die Lucrezia von Yolanda Auyanet mit ihrem ausdrucksstarken Sopran und ihrem bewegenden Rollenspiel.

Schwäbische Zeitung

Mit einem spektakulären Bühnenbild für die Freiluftaufführung von Giuseppe Verdis früher Oper „I due Foscari“ sind die 10. St. Galler Festspiele jetzt eröffnet worden. Zur Jubiläumssaison hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen. Auf dem Klosterhof sieht es aus, als sei das Weltkulturerbe des Stiftsbezirks an den Canal Grande in Venedig verpflanzt worden. [...] Attilio Tomasello am Pult des Sinfonieorchesters St. Gallen bringt die dramatischen Effekte der Partitur packend zur Geltung. Der Chor und der Opernchor des Theaters St. Gallen, der Theaterchor Winterthur und der Prager Philharmonische Chor bleiben ihrer Schlagkraft nichts schuldig. Leonardo Capalbo gibt als Jacopo ein sensationelles Debüt. Frei und unangestrengt klingt seine volle, warme, stets astrein geführte Tenorstimme bis in extreme Höhen. Vokal grandios meistert auch Yolanda Auyanet den anspruchsvollen Part der Lucrezia,

Ostschweiz am Sonntag

Die Kulisse könnte eindrücklicher nicht sein, und sie wird es noch stärker, je mehr der Abend fortschreitet und Kunstlicht nach und nach das Tageslicht ersetzt. Guido Petzold schafft mit seiner Lichtgestaltung und dem immer wieder eingeblasenen Rauch eine Atmosphäre, die beides zugleich ist: faszinierend-romantisch und unheimlich. Zu Rifail Ajdarpasics Bühne passt das hundertprozentig. Gondeln beschwören eine romantische Venedig-Atmosphäre herauf, doch ist alles rundherum gruselig schwarz. Die knöcheltief mit Wasser gefüllte Lagune, die das Licht reflektiert und ihr Wellenmuster an die umliegenden Wände von Regierungsgebäude und Kathedrale wirft, und die Treppe, die hoch führt zu einem abweisend schwarzen Kubus.Hier trifft sich der Zehnerrat, Venedigs Dunkelmänner, die unter dem Deckmantel des Gesetzes Macht und Rache ausüben. Gehen die schweren Tore auf, dann leuchtet das Innere rot-golden in die Nacht. Dort sitzt mit dem Dogen Francesco Foscari ein machtloses Stadtoberhaupt, und dort zieht mit Jacopo Loredano ein Gegenspieler jene Fäden, die am Ende Francesco Foscari und seinem Sohn Jacopo den Tod bringen.

St.Galler Tagblatt

Die Sopranistin Yolanda Auyanet bewegt sich als Lucrezia Contarini in einer sängerisch hoch anspruchsvollen Berg- und Tal-Fahrt zwischen Wut, Hoffnung, Verzweiflung, Liebe. Eine der ergreifendsten Szenen stellt zu Beginn des zweiten Akts ihr Duett mit dem in einem Käfig eingesperrten Jacopo Foscari dar, den der Tenor Leonardo Capalbo mit seiner vor allem in den mittleren Lagen an Farben reichen Stimme wunderschön gestaltet. Wenn er, zu Beginn, seine Heimat besingt, wird es einem warm ums Herz - bevor dann die Macht ihre Kälte hervorkehrt.

Südkurier

Es sind starke Bilder, mit denen Regisseur Carlos Wagner, unterstützt vom Bühnenbildner und von der
Kostümgestalterin Ariane Isabell Unfried, die Kluft zwischen den selbstherrlich Herrschenden und ihren
Untertanen veranschaulicht, Bilder und Sinnbilder allerdings auch, die bisweilen wenig einsichtig, in ihrer
Stilisierung beinah enigmatisch sind.

oper aktuell

Nur schon das Bühnenbild, welches Rifail Ajdarpasic vor die Barockfassade der Klosterkirche gestellt hat, ist geradezu spektakulär: Ein riesiges Wasserbecken mit venezianischen Gondeln, gesäumt von Treppen, Brücken und Stegen, dahinter ein gigantischer Kubus mit bedrohlich abweisenden Eisentoren, hinter denen der mächtige und mit undurchsichtigen Mitteln agierende und mysteriöse Rat der Zehn im rot-goldenen Saal seine geheimen Sitzungen und Gerichtsverhandlungen abhält. Der aus den Kanälen aufsteigende Modergeruch ist geradezu allgegenwärtig, auch und vor allem im übertragenen Sinne.