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Hamlet_Gross

Tragödie von William Shakespeare

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HotSpotHamlet ist nicht der Titel unserer Eröffnungsproduktion. Nein, HotSpotHamlet ist eine Absichtserklärung: Einen Stoff – einen der aufregendsten und widersprüchlichsten der Theatergeschichte – in drei komplett verschiedenen Umsetzungen auf die Bühne zu bringen: als spartenübergreifendes Projekt in der Lokremise Hamlet_LOK, als Stück für junge Menschen im Studio Hamlet_Studio und als Tragödie in einer modernen Übersetzung auf der grossen Bühne. Und das fast zeitgleich! So vielfältig die Interpretationsmöglichkeiten von Hamlet sind, so unterschiedlich werden die einzelnen Inszenierungen ausfallen – in ihrer Lesart, ihrer Ästhetik, ihrer Sprache.

Auf der grossen Bühne nimmt Hausregisseurin Barbara-David Brüesch die politischen Implikationen des Stoffes unter die Lupe. Denn: Es ist etwas faul im Staate Dänemark. Die Hofgesellschaft feiert Hochzeit – weil und obwohl der alte König tot ist. Hamlets Mutter Gertrud heiratet seinen Onkel Claudius, der damit zum Herrscher wird. Aber Hamlet killt die Party. Seine Welt ist aus den Fugen, sein ermordeter Vater fordert Rache. Nur ist Hamlet gefangen im Dilemma von komplexem Denken und politischer Tat – was tun? Hamlet setzt zum Amoklauf an und löscht gleich eine ganze Welt aus.
Was das mit St.Gallen und der modernen Schweiz zu tun hat? Ist hier auch etwas ‹aus den Fugen›? Und was für eine Welt bleibt am Ende der Tragödie übrig? – Fragen, die Barbara-David Brüesch mit ihrer Inszenierung stellen wird.


Die Produktion wird in grosszügiger Weise unterstützt von

Ostschweizer Stiftung
für Musik und Theater

Ort | Grosses Haus Zeit | ca. 2 Stunden 45 Minuten inkl. einer Pause [Tickets]


NZZ

Knecht will es wissen, legt sich an mit St. Gallen und inszeniert Theater als Kontaktsportart: Er liefert zur Eröffnung mit einem Streich drei handfeste und handfest unterschiedliche «Hamlet»-Deutungen. Das macht er klug oder macht vor allem sie klug, Barbara-David Brüesch. Die neue Hausregisseurin verantwortet die schwinglustige «Hamlet»-Inszenierung auf der grossen Bühne. [...] Eine starke Ensembleleistung in einem atmosphärisch geladenen Alpenschloss: Die neuen Naturtöne aus St. Gallen machen Lust auf mehr.

Saiten

Das Klanghaus bleibt tatsächlich nicht bloss Kulisse, sondern es klingt. Sänger und Klavierbearbeiter Marcello Wick ist den ganzen Abend am Werk, zupft kaum hörbare und dann wieder scheppernde Saiten im Bauch seines präparierten Klaviers, singt naturtönige Melodien oder knochenknarrende Untertöne, wenn der Geist von Hamlets Vater ins tödliche Spiel eingreift. Den Rücken zum Publikum, in sich und das Spiel versunken und zugleich hellwach, ein Fremder, Anteilnehmender: Was der Musiker singt und spielt, macht die Emotionen dieses permanent auf Katastrophentonus vibrierenden Stücks nicht kleiner, aber durchhörbar und einfühlbar. Die Qualität der Musik ist auch die Qualität dieser Inszenierung [...], dass sie den übermächtigen Klassiker und die übermenschliche Tragik auf Augenhöhe und in die Herzgegend herunter- und heranholt. [...] Auch Jeanne Devos ist als Hamlet von dieser Welt. Zornig, verletzlich spricht sie seine ersten Sätze von der Welt, die aus den Fugen ist. Seine Wut auf den korrupten Onkel, der den Vater vergiftet und Krone und Mutter an sich gerissen hat, steigert sich zu einer bald kalten, bald glühenden Wildheit. Jeanne Devos beherrscht diese Stimmungsbrüche, für die die andern nur das Hilfswort «Wahnsinn» haben, sie kann wüten, und gefährlicher: Sie kann, dass es einem selber im Gedärm weh tut, innerlich beben. Ihr Hamlet ist die beklemmende Studie einer jugendlichen Radikalisierung. Ein Geistesverwandter von Büchners Woyzeck, der «wie ein offenes Messer durch die Welt läuft». Eine Figur, die klar macht, wie aus Ohnmacht gegenüber dem herrschenden Unrechtssystem Terror werden kann. [...] Andrerseits lockert sich so der schwere Stoff in bester Shakespeare-Manier auf, man lacht über die im Doppel orakelnden Totengräber oder den noch im Sterben trottligen Polonius. Und wird dann umso heftiger durchgeschüttelt, wenn Hamlet und Ophelia sich entzweien und doch wieder hoffnungslos ineinander verknäulen – vermutlich erklang dazu wieder eins dieser herzerweichenden Zäuerli.

Ostschweiz am Sonntag

Jeanne Devos ist eine Wucht: Verletzlich und trotzig, boshaft und zynisch, sanft und tieftraurig - jede Facette ihres Hamlet raubt einem den Atem. Als Racheengel insistiert ihr Hamlet auf seinem jugendlich überspannten Moralismus (auch mit frauenverachtenden Sprüchen), vergrössert diesen zum Weltekel und treibt sich in Selbsthass. Verzweiflung und Rechthaberei werden so zur energischen Demonstration einer Radikalisierung. Damit ist die Inszenierung auch politisch ganz nah bei uns. Und Jeanne Devos spannt die Zerreissprobe bis zum Herzzerreissenden. [...] Die Musik spielt eine Hauptrolle: Marcello Wicks phänomenaler Oberton-, Naturjodel- und Kehlkopfgesang bringt live eine mystische Wucht auf die Bühne, jagt mit klirrenden, schrillen, tiefen Tönen Schauer über den Rücken. Und später entlarvt eine als wilde Chläuse verkleidete Schauspielertruppe Claudius' Mord. Regisseurin Barbara-David Brüesch holt mit alledem den Theaterklassiker in die Gegenwart, ohne mit dem Finger auf konkrete politische Zustände zu zeigen. Gut so. [...] So fühlt man sich in diesem Hamlet abwechselnd in einer düsteren Sage, in einer Tragödie, in einem modernen Psychodrama über Traumatisierte - immer aber atemlos gepackt. Etwa wenn man Marcus Schäfer als nackten, hageren Geist oder wenn man Diana Dengler als um Fassung ringend verstörte Mutter sieht. Ein paar Lacher undSchmunzler gönnt die Regie dem Publikum. Knochen fliegen aus dem Grab, Hamlet mimt den Clown mit Riesenschuhen. Im Ganzen bringt die am Originaltext sich haltende Inszenierung den Zwiespalt der Figuren scharf und klar und bildstark auf die Bühne. Aufklärern und Moralisten droht immerzu das Schicksal verzweifelten Sektierertums. Immun ist Hamlet gegen menschliche Schwäche, immun gegen politische Vernunft. Schade, denn Claudius ist hier keineswegs ein schmieriger Ehrgeizling, sondern ein zärtlicher Gatte mit schlechtem Gewissen. Und ein guter Staatsmann. Dank geschickter Diplomatie verhindert er einen Angriffskrieg auf sein Land. Hamlet nimmt davon keine Notiz. Zwielichtig wie alle Figuren auch dies: Der Geist ist böse. Er umklammert Hamlet, bis dieser Rache schwört. Dann geht der Geist ab und raucht mal eine Zigarette.