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Eugen Onegin

Oper von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky

  • Media: Eugen Onegin
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Plötzlich ist er zurück. Steht nach Jahren vor ihr. Und gesteht ihr seine Liebe: Eugen Onegin, der Wiedergänger aus einem anderen Leben, aus einer anderen Welt. Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen, wenn er damals die Liebesschwüre des Mädchens Tatjanas erhört und die Aussenseiterin mit der grossen Leidenschaft für romantische Literatur mit sich genommen hätte. Und ihren Brief behalten. Doch jetzt gehört Tatjana einem anderen. Und wird ihm seinen Brief wiederum zurückgeben. Weil das Schicksal anders entschieden hat.  

"Lyrische Szenen" nannte Pjor Iljitsch Tschaikowsky seine musiktheatralische Umsetzung von Alexander Puschkins gleichnamigen Versroman. Und betonte immer wieder, dass dieses Werk, in dessen Partitur er dem Seelenleben seiner Protagonisten so sensibel nachspürte, für die Bühne eigentlich ungeeignet sei, da es allen Operngepflogenheiten widerspräche, wie man sie damals im Uraufführungsjahr 1879 kannte. Ein Irrtum, wie die Aufführungsgeschichte beweist. Eugen Onegin ist heute Pjotr Iljitsch Tschaikowskys bekannteste und meistgespielte Oper. 

Lydia Steier, die in St.Gallen zuletzt Wolfgang Amadeus Mozarts La finta giardiniera in Szene setzte, thematisiert in ihrer Deutung den Verlust von Illusionen und Naivität. Dabei konfrontiert sie sowohl die starren Traditionen der vermeintlichen Dorfidylle, die sie in der Entstehungszeit der Oper ansiedelt, als auch die zynischen Rituale einer zeitgenössischen urbanen Oligarchengesellschaft mit den von Tschaikowsky musikalisch so feinsinnig angelegten eigenständigen Gefühlswelten der Protagonisten. 

wer singt wann?

Die Produktion wird in grosszügiger Weise unterstützt von

Ort | Grosses Haus Zeit | ca. 3 Stunden inklusive einer Pause nach dem zweiten Akt [Tickets]

Liebe und Rebellion

Der Bariton Nikolay Borchev über sein Debüt als Eugen Onegin

Auch am Ende eines langen Probentages sprüht Nikolay Borchev noch vor Begeisterung. Die Worte sprudeln und immer wieder springt er während des Gesprächs auf, um zur Illustration ein paar Takte am Klavier anzuschlagen. Die Titelpartie in Pjotr Iljitsch Tschaikowskys Eugen Onegin zu singen, ist ein lang gehegter Traum des gebürtigen Weißrussen, der unter anderem am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium Gesang studierte.

MA: Wann sind Sie Eugen Onegin zum ersten Mal begegnet? Ich nehme mal an, in Moskau wächst man mit Alexander Puschkins gleichnamigen Versroman auf, der ja auch die Vorlage für Tschaikwowskys gleichnamige lyrische Szenen war?
NB: Absolut! Mit Puschkin, mit Dostojewski und auch meine Liebe zur Oper hat mit diesem Stück an begonnen. Mit Eugen Onegin hat alles angefangen.

MA: Mit Tschaikowskys oder Puschkins Eugen Onegin?
NB: Alexander Puschkins Versroman haben wir natürlich in der Schule besprochen. Wir hatten so eine ältere Dame als Literaturlehrerin, die zum Unterricht immer ohne Buch gekommen ist, weil sie den ganzen Roman so gut wie auswendig kannte. Sie hat uns immer Fragen gestellt, über die wir uns sehr wunderten: Was hält Puschkin selbst von Onegin? Mag er ihn, verachtet er ihn oder hat er Mitleid mit ihm? Und dann hat sie uns auf die Stellen verwiesen, wo er ihn als guten und lieben Freund beschreibt. Natürlich, wenn er ihn verurteilen würde oder nicht mögen würde, wäre es ja nicht der Mühe wert gewesen, seinen Charakter liebevoll und detailliert zu beschreiben.

MA: Ist er denn inzwischen auch ein guter Freund von Ihnen?
NB: Auf jeden Fall. Wie gesagt, meine Liebe zur Oper hat mit diesem Stück begonnen und immer stand diese Partie von ganz oben auf meiner Wunschliste. Ich war 13 Jahre alt, als ich Tschaikowskys Eugen Onegin zum ersten Mal am Bolschoi-Theater gehört und gesehen habe. Ich habe damals neben der Schule Klavier und Flöte studiert. Da war ich natürlich schon ein wenig vertraut mit Tschaikowskys Musik. Danach habe ich mir dann sofort zwei Aufnahmen und einen Klavierauszug gekauft und mich abends immer wieder im Zimmer eingeschlossen, um mir mit den Noten das Stück anzuhören.

MA: Warum ist Ihnen der Stoff damals als Jugendlicher so nahe gegangen? Weil alle in diesen repressiven Verhältnissen unglücklich verliebt sind? Erst Tatjana in Onegin, der sie abweist und später Onegin in Tatjana, die ihn dann nicht mehr will?
NB: Na ja, wenn man sich mit dem Stück beschäftigt, dann wird es in der russischen Literatur immer auch als eine Art Enzyklopädie der russischen Seele beschrieben. Und das gilt meiner Meinung nach noch viel mehr für die Oper, wo die Musik dazu kommt und diese Gefühlwelten in ihren ganzen Facetten versinnlicht. Und da ist dann in meinem Kopf dann ein ganz eigener Film dazu entstanden.

 

MA: Und was halten Sie nun persönlich von diesem Eugen Onegin, der in seiner Selbstverliebtheit überhaupt nicht merkt, dass das die Liebe seines Lebens ist, die ihm da diesen mutigen, offenen und überschwänglichen Liebesbrief geschrieben hat und die er gleich im ersten Akt so grob abweist?
NB: Ich halte ziemlich viel von ihm. Das ist kein fieser Mensch. Er legt keinen großen Wert auf die Meinung der anderen, der Gesellschaft und möchte sich nicht den traditionellen Sitten anpassen.

MA: So etwas gefällt natürlich der rebellierenden jugendlichen Seele.
NB: Ja, auf jeden Fall. Und er hat ein ganz grundsätzliches Problem mit dem Leben. Darin liegt die Tragik. Er glaubt mit Anfang 20, alles vom Leben gesehen zu haben. Und aus dieser Annahme resultiert seine ganze Gleichgültigkeit und Langeweile.

MA: Und so verpasst er seine große Liebe.
NB: Genau, weil er sie einfach nicht erkennt. Er hält Tatjana für eines dieser vielen Mädchen, die er schon getroffen hat. Und im Grunde ist er dann in diesem blinden Glauben, dass nichts seine Seele bewegen kann, nur ehrlich zu ihr. „Es ist vorbei. Die alten Träume  kehren nicht wieder,“ sagt er. Und: Auch er sei einmal so ein Träumer gewesen wie sie, doch das sei lange her. Aber, er könne sich vorstellen, was sie zu empfinden glaube. Dass er sie damit zutiefst verletzt, weil sie, wie er, den leerlaufenden Traditionen dieser Gesellschaft entfliehen will, versteht er nicht.

MA: Warum ist er so?
NB: Ich glaube, es war bei ihm schon einmal eine gewisse Neugierde da, aber er war immer sehr wohlhabend, er hatte immer Geld, er hatte immer Zugang in die beste Gesellschaft. Ihm stand jede Tür offen, er musste für und um nichts kämpfen, sich nie im Leben anstrengen. Darum weiss er nicht, was es ihm bieten kann. Im Grunde hat es ihm das Leben zu leicht gemacht.

MA: Kennst Sie das auch?
NB: In meinem Leben war das immer das Gegenteil. Ich musste für alles kämpfen und immer hart arbeiten um etwas zu erreichen.

MA: Stammst Sie aus einer Musiker-Familie?
NB: Nein, ich habe gar keine Musiker in der Familie. Ich bin der Einzige.

MA: Wie Tatjana. Sie ist auch die einzige, die in ihrer Familie Bücher verschlingt und an die Kunst glaubt. Ganz im Gegensatz zu ihrer lebenslustigen Schwester Olga.
NB: Ich habe einen dreieinhalb Jahre älteren Bruder, der mich, glaube ich, für ziemlich gestört gehalten hat. Wir haben uns immer gestritten, weil ich nicht so war wie seine Freunde und deren Brüder, die immer alles zusammen gemacht haben wie Fussballspielen und so. Wir waren wirklich sehr gegensätzlich. Das hat gar nicht gepasst.

MA: Irgendwoher muss die Liebe zur Musik aber doch herrühren. Wie kamen Sie zur Musik?
NB: Wir hatten ein Klavier bei uns zu Hause stehen, das einmal für meine Mutter gekauft worden war, auf dem aber keiner spielte.  Und mich hat das schon als kleiner Junge magisch angezogen. Aber, an der Musikschule, die unserem Haus am nächsten war, war in dem Jahr, in dem  ich die Aufnahmeprüfung machen sollte, kein Platz für eine Klavierklasse. Also habe ich mit Querflöte und Klavier als Nebenfach begonnen und nach zwei Jahren gewechselt und dann auch noch Orgel dazu genommen. Und mit 13 Jahren, da war ich gerade im Stimmbruch, habe ich mich in ein Mädchen verliebt, deren Mutter Sängerin war und in einem Konzert Wolfgang Amadeus Mozarts Motette Exsultate, jubilate sang. Und da wusste ich, ich will Sänger werden.

MA: Was für ein Jahr! Stimmbruch, erste Liebe und dann auch noch die Begegnung mit Peter Tschaikowskys Eugen Onegin.
NB: Wahrscheinlich ist man mit 13 eben so empfänglich, dass man alles zehnfach fühlt. Mir war auch sofort klar, dass das mein Beruf sein wird. Obwohl mich meine Gesangslehrerin zunächst fast nicht genommen hätte, weil ich falsch sang und kein „R“ rollen konnte, was in Russland wirklich ein schlimmer Sprachfehler ist. Sie erzählte  Jahre später, dass ich sie anscheinend mit so großen, begeisterten Augen angeschaut habe und gleich gefragt habe, ob ich am Bolschoi singen werde. Da habe sie es nicht fertig gebracht, mich abzulehnen. Und ich war sehr fleissig und habe sehr schnell gelernt. Sie musste nie etwas zweimal sagen und niemand musste mich zum Üben zwingen. Da war natürlich dann schon auch Talent, aber das musste sie erst entdecken und aus mir herauslocken.

MA: Wie fühlen Sie sich, wenn Sie sich jetzt daran erinnern, kurz vor Ihrem  Onegin-Debüt?
NB: Ich fühle mich wie ein Rennpferd  kurz vor dem Start. Ich bin ziemlich ungeduldig und ich kann es überhaupt nicht erwarten, als Onegin auf der Bühne zu stehen.

Das Gespräch führte Marion Ammicht im Vorfeld der Premiere

sda

Herzschmerz gepaart mit viel Lebensfreue hat Regisseurin Lydia Steier in Tschaikowskys Oper "Eugen Onegin" gepackt. Die Premierengäste am Theater St. Gallen waren am Samstag hingerissen von der farbenfrohen Inszenierung. [...]

Dieser melancholisch besungenen Leere setzt Steier bunte, lebenslustige Szenen mit viel Tanz und üppigem Chorgesang entgegen. Der temporeiche Tanz der Tanzkompanie des Theaters St. Gallen und die fröhlichen Lieder, wunderschön gesungen vom Chor des Theaters St. Gallen, vom Opernchor St. Gallen und vom Theaterchor Winterthur machen die zweieinhalbstündige Herzschmerz-Oper zu einem abwechslungsreichen, unvergesslichen Abend. Das sonst eher zurückhaltende St. Galler Publikum geizte nicht mit Bravo-Rufen und spendete zwischendurch immer wieder spontanen Applaus.

Landbote

Evelina Dobraceva gestaltete Tatjana mit lyrisch innigem [...] im dritten Akt aber dramatisch umso überzeugenderem Sopran. Der russische Bariton Nikolay Borchev, der in dieser Inszenierung sein Rollendebüt als Onegin gibt, beeindruckte mit sattem, schönem Timbre und differenziertem Ausdruck für die schillernde Figur. Auch der Tenor Roman Peyer als Lenski, Terhi Kaarina Lampi und weitere bieten musikalisch stimmige Rollenporträts. Der mit Theater- und Opernchor St. Gallen sowie Theaterchor Winterthur gross besetzte Chor überzeugte mit vitaler Klangpracht der Volkslieder und Festmusik. Wie sehr Tschaikowsky in dieser Oper auch der grosse Sinfoniker ist, liess das Orchester packend hören, und es folgte mit Vehemenz dem Dirigenten Otto Tausk, der ein gutes Gespür hat für Tschaikowskys russisches Kolorit und sein Pathos der Fatalität.