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Einige Nachrichten an das All

Stück von Wolfram Lotz

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Die beiden Theaterfiguren Lum und Purl suchen den Sinn ihres Daseins. Sie glauben, ein gemeinsames Kind könnte ihnen diesen liefern. Ein Showmaster, der sich als der ‹Leiter des Fortgangs› tituliert, moderiert eine Show, in der mehr oder weniger Berühmte aus Geschichte, Medien und Kunst Nachrichten in die Tiefen des Universums senden können. Diese sollen sich aber bitte auf ein Wort beschränken! Wie soll das gehen? Sind wir nicht schon längst an den Grenzen der Sprache angelangt? Ist nicht sowieso alles ‹Weltraumschrott›?

Wolfram Lotz, Autor des Jahres 2015, zeigte schon 2011 in seinem zweiten Stück Einige Nachrichten an das All, dass er Philosophie, Trash und Kunst aufs Herrlichste kollidieren lassen kann. Provokant und hochkomisch mixt er in seinen Texten immer wieder aufs Neue Realität und Fiktion. Dabei spielt mit der klassischen Dramaturgie – und gerade damit befeuert er den Diskurs über zeitgenössisches Theater nachhaltig.

Im Rahmen der Inszenierung findet vor der Vorstellung um ca. 19.20 Uhr im Foyer ein kleines Vorspiel statt.

Alle bis 20 und Auszubildende/Studierende unter 30 Jahren erhalten für die Vorstellung am Dienstag, 6. Juni Tickets für nur 15 Franken. Tickets können über 071 242 06 06, kasse@theatersg.ch oder direkt an der Abendkasse erworben werden. Bitte Ausweis mitbringen.

Ort | Grosses Haus Zeit | 1 Stunde 50 Minuten, keine Pause [Tickets]

Auf eine Bratwurst mit...
Bruno Riedl und Tobias Graupner

 

Ein Sinn mitten in der Explosion

Wolfram Lotz und seine Forderungen an das Theater
«Theaterstücke sind lediglich der Beginn der gemeinsamen Auseinan- dersetzung, aber das ist sehr viel mehr, als wir denken.»

Wolfram Lotz stellt die grossen Fragen. Er ist zwar kein Philosoph, sondern «nur» Dramatiker – doch auch ihn treiben Fragen um, die er seinen Figuren in den Mund legt: «Gibt es einen Zusammenhang?» etwa und «Wo kommen wir her?» Und er hat dafür eine eigene Form gefunden, indem er verschiedene Theaterformen aufs Aberwitzigste mixt. Merkwür- dig ist sein Personal: Die beiden Figuren, die nahezu durchgängig anwesend sind, kamen unschuldig auf die Welt und auf die Bühne. Nun müssen Purl Schweitzke und Lum damit zurechtkommen. Doch das ist nicht genug: Sie wissen auch, dass sie nur Theaterfiguren sind. Was kann ihr Dasein dann mit einem Sinn versehen? Das Stück kann es, doch bietet es keine Handhabe. Und die beiden können es ja auch nicht beeinflussen, sind sie doch selbst Erfindungen des Autors.
Ihre Suche geht weiter – und was könnte besser und nachhaltiger diesen Sinn verkörpern als ein gemeinsames Kind? Das scheint absurd. Sie wollen es trotzdem. Wird es ihnen gelingen, sich fortzupflanzen? Zwei Männern? Und wie könnte ihr Nachwuchs aussehen?
Nicht nur Lum und Purl Schweitzke befinden sich auf der Suche. Die an- deren Figuren in Lotz’ Stück suchen ebenfalls: der eine nach etwas, was die allgegenwärtige Leere füllt und ihm die Angst vor dem Tod nimmt, die anderen nach einem grossen Zusammenhang oder einem Trost. Oder wenigstens nach etwas, das ihr Leben ausfüllt – wie der «Leiter des Fortgangs». Dieser kauzige Showmaster, der «nur keine Leere aufkommen lassen» will dafür ein Allheilmittel: «Unterhaltung». Er moderiert eine Show, in der mehr oder weniger berühmte Gäste aus Geschichte, Medien und Kunst Nachrichten in die Tiefen des Universums senden können: eine Möglichkeit, seinen Platz in der Ewigkeit zu sichern und dem Vergessen zu entgehen. Sie sollen ihre Nachrichten für das Universum in eine Maschine sprechen, und das in nur einem Wort! Das Stück, das mit einem Krippenspiel ohne Hoffnung anfängt, verwan- delt sich plötzlich, nachdem mit Lum und Purl Schweitzke zwei Beckett-Figuren die Bühne betreten hatten, zu einer Revue, die in sich selbst zusammenfällt. Schnell wird deutlich, dass Wolfram Lotz nicht linear erzählen möchte. Den Zusammenhang, den sich Figuren und Zuschauer wünschen, liefert er nicht.
Da sprengt eine dicke Frau die Show, indem sie einen Moment der Verbindung mit dem Universum beschreibt; da versucht sich der Forscher Rafinesque an einer Rechtfertigung für seine Fälschung, das Walam Olum, eine ideographische Bilderschrift, in der angeblich die Chronik der Lenni Lenape verfasst ist. Aber das Walam Olum war gar nicht die Kosmologie eines nordamerikanischen Ureinwohnerstammes; und die Politikerin Doris Leuthard (im Original der deutsche Politiker Ronald Pofalla, doch Lotz schlägt vor, ihn zu ersetzen) wird von ihrer Beschreibung der Unsicherheit gleichsam davongetragen. Immer wieder lässt Lotz seine Figuren scheitern. Die drei Worte, die schliesslich ins Weltall geblasen werden, könnten erbärmlicher nicht sein: «Mutter» und «Bums» – und «Unterhal- tung».
Schliesslich verweigert der Autor Kleist, der wie Lotz stottert und ein ironisches Selbstbild des Dramatikers ist, sich gänzlich. Er leistet Wider- stand, wollte er doch gar nicht mehr auf der Welt sein nach seinem Selbstmord. Ausserdem mittendrin: eine Figur mit dem Namen Unhold, die alles zu «Weltraumschrott» erklärt und ein weiteres Mal das Stück sprengt, gemäss dem vorangestellten Satz «Wir befinden uns in einer Explosion, ihr Ficker!» – ein drastisch-verzweifelter Aufschrei in die Gegenwart. Das Ganze garniert Lotz noch mit Fussnoten (im Original 64), die das Drama erweitern, ironisch abschmecken und ein weiteres Mal die Regie vor die Aufgabe stellen, damit umzugehen.

Wolfram Lotz, Autor des Jahres 2015 und auf zahlreichen Bühnen ge- feiert für Lächerliche Finsternis, eine Überschreibung von Apocalypse Now und Herz der Finsternis, will dem Theater geben, was es seiner Meinung nach verloren hat: den Möglichkeitsraum, der für die Dauer einer Theater- aufführung entstehen kann. Er hat seine Forderungen in ein Manifest gegossen, die «Rede zum unmöglichen Theater». In seinen Stücken lässt er gern wirkliche Menschen auftreten – in seinem zweiten Stück Der grosse Marsch etwa sind das der echte Josef Ackermann, der echte Dieter Hundt, der Hamlet, Prometheus und sämtliche fünfzig Nymphentöchter des Nereus, dazu noch 21 mongoloide Kinder Lotz selbst tritt auch auf, muss aber nicht von Lotz selbst gespielt werden. Und der Schauspieler, der in den «Nachrichten» Lum spielt, soll tatsächlich an einer spasti- schen Diplegie leiden, einer beidseitigen Lähmung der Beine. Und die Kinder, die das Krippenspiel in Einige Nachrichten an das All aufführen, sollen tatsächlich aus der örtlichen Kinderonkologie kommen. Lotz spielt mit Philosophie, Trash und Kunst und formuliert hochkomische Dialoge ebenso wie solche voller Sehnsucht nach Leben. Die Süddeutsche Zeitung schrieb: «Wolfram Lotz schreibt Stücke von sagenhaftem Grössenwahn – passend für unsere Zeit.» Die Frankfurter Rundschau ging noch weiter: «Alles ist ausgefallen übertrieben, die poesievollen Sätze, wortspielwahnwitzigen Szenen, die irrsinnstrunkenen Verse. Alles scheint aus dem Inneren einer Explosion zu stammen, einer Explosion der Wirklichkeit in Fiktion.» Für seine Stücke wurde der 1981 geborene Autor, der auch Lyrik, Prosa und Hörspiele verfasst, mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter 2011 mit dem Kleist-Förderpreis für Der grosse Marsch, mit dem Literatur-Förderpreis der Stadt Konstanz, mit dem Dramatikerpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft und dem Kasseler Förderpreis für grotesken Humor. Seine Stücke wurden zum Berliner Theatertreffen und zu den Mülheimer Stücketagen eingeladen. Er schreibt an gegen die Unmöglichkeit, das Bestehende anders zu denken, allem voran die unumstössliche Tatsache des Todes – oder wie es Schwester Inge von der Kinderonkologie gleich zu Beginn formuliert: «Ich bin mir nicht sicher, ob wir sterben.» Mit dieser Aussage müssen wir uns erst einmal auseinandersetzen. (Armin Breidenbach)

Saiten

Regisseurin Barbara-David Brüesch, Damian Hitz (Bühne), Heidi Walter (Kostüme), Martin Hofstetter und Stefan Pinkernell (Musik), Heta Multanen (Video) und das ganze, beim Schlussapplaus auf der Bühne versammelte Team im Hintergrund sprudeln vor Einfällen, dem Theater zu geben, was die Wirklichkeit uns vorenthält. Das ist alles sehr lustig und traurig und so menschlich in seiner ernsthaften Nutzlosigkeit wie die Nachrichten an das All, die dem Stück seinen Titel geben: Mit einem bizarren Gerät, das Jules Verne hätte erfinden können, lässt der Leiter des Fortgangs die seinen prominenten Gästen abgerungenen Wörter ins Universum trompeten. Drei sind es nur, aber sie werden dort ankommen, schliesslich sind wir im unmöglichen Theater. [...] Und es ist nebenbei ein gutes Argument für den 46-Millionen-Kredit zur Renovation des Theaters, über den gerade debattiert wird. Theater, das mit einem so phänomenalen Schauspielensemble Möglichkeitsräume auftut, die die «Würstchenpeter des Bestehenden» sich nicht träumen liessen – ein solches Theater ist sein Geld allemal wert. Vollständiger Artikel

St. Galler Tagblatt

Wie Wiedergänger aus einem ewigen Drama von Beckett öffnen sie zu Beginn eine Bodenklappe und klettern auf die Bühne von Damian Hitz. Um bis zum Schluss mit kindlicher Beharrlichkeit einen Sinn ihres Daseins im Stück zu fordern: zum Beispiel ein Kind. Beim «Leiter des Fortgangs» sind sie da an der falschen Adresse. Obwohl gerade sie, die «verkrüppelten Idioten», so etwas wie Struktur in diese «Explosion» von Stück bringen, dieses knallige Durcheinander von Krippenspiel, Show, Trashcomedy und absurdem Theater menschlicher Existenz im übergrossen Ganzen. Ein Weltraum der Möglichkeiten tut sich auf; verloren stehen und sitzen Bruno Riedl (liebenswert einfältig und höflich) und Tobias Graupner (der sich zwei Stunden lang sehr überzeugend als Spastiker über die Bühne quält) herum und würden gern mitspielen. Vollständiger Artikel