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Eine Familie

Dramödie von Tracy Letts

  • Media: Eine Familie
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Für Beverly Weston, einen pensionierten Hochschulprofessor, wird es zunehmend mühsamer, die amerikanische Normalität einer glücklichen Familie aufrechtzuerhalten. Frustriert ertränkt er seinen quälenden Alltag im Alkohol. Als er plötzlich verschwindet, trommelt seine krebskranke, tablettensüchtige Ehefrau Violet die gesamte Familie zusammen. Nicht lange, und das Zusammentreffen gerät zur Schlammschlacht, in der Lebenslügen kollabieren und Geheimnisse platzen.
2008 erhielt Letts für sein Stück, das erkennbar von Grössen wie Tennessee Williams oder Eugene O’Neill beeinflusst ist, unter anderem den Pulitzer-Preis. Eine Familie ist ein fesselnder Psychokrieg der Generationen, der sich stets zwischen Tragik und beklemmender Komik bewegt.

Ort | Grosses Haus Zeit | 2 Stunden und 40 Minuten, inkl. Pause [Tickets]

Tracy Letts’ Familienhölle

Für den pensionierten Literaturprofessor und gescheiterten Dichter Beverly Weston wird das Leben mit seiner krebskranken Frau Violet in ihrem Haus in der heissen, öden Provinz Oklahomas zunehmend unerträglich. Er flüchtet sich in Alkohol, sie betäubt ihren Schmerz mit Tabletten. Auch Ivy, die einzige Tochter, die noch in der Nähe ihrer Eltern lebt, ist überfordert von den bösartigen Attacken ihrer egomanen Mutter. Unerwartet stellt Beverly Weston die Indianerin Johnna für die Pflege seiner Frau ein und verschwindet spurlos. Daraufhin trommelt Violet den gesamten Familienclan zusammen. Ihre Schwester Mattie Fae reist mit Mann Charles und Sohn Little Charles an. Ausserdem kehren Violets Töchter Barbara, Karen und Ivy, wenn auch widerwillig, samt Anhang ins Elternhaus zurück, um ihrer Mutter beizustehen. Die Tage der Ungewissheit werden für die Familie zu einer Zerreissprobe. Mit der Nachricht von Beverlys Tod gerät das Familientreffen zu einer Schlammschlacht, in der jeder nur verlieren kann.

Tracy Letts’ Familiendrama wurde 2008 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet und 2013 von John Wells mit Meryl Streep und Julia Roberts in den Hauptrollen verfilmt. Spürbar beeinflusst wurde Letts’ well-made play von Grössen wie Tennessee Williams oder Eugene O’Neill. Es geht um Schuld, Lüge, Betrug, Selbstzerstörung, Alkohol, Inzest und unerfüllte Liebe. Messerscharfe Wortgefechte schlagen tiefe Wunden und machen das Stück zu einem Psychokrieg der Generationen, der sich stets zwischen Tragik und bitterer Komik bewegt. Doch Eine Familie ist mehr als ein Gegenentwurf zum amerikanischen Traum und zur Familie als letzte Bastion. Letts wirft einen kritischen Blick auf die heutige amerikanische Gesellschaft, die sich permanent selbst betäubt, um der eigenen Realität nicht ins Gesicht sehen zu müssen. Mit dieser Realität spielt Letts auf die amerikanische Geschichte, genauer auf den Genozid an den Indianern an. Oklahoma ist ein Bundesstaat im zentralen Süden der USA, nördlich von Texas. Das Wort Oklahoma stammt aus der Choctaw-Sprache und bedeutet so viel wie «Das Land des roten Mannes». Das Gebiet fiel im Rahmen des Louisiana Purchase 1803 an die USA. Diese erkannten das Gebiet als wertlos und wiesen es zwischen 1817 und 1830 verschiedenen Indianerstämmen zu, die aus den östlichen Staaten vertrieben wurden. Etwa 50.000 Menschen wurden nach Oklahoma getrieben. Diese Umsiedlung ging als «Trail of Tears» in die Geschichte ein.

Anja Horst

 

Verlorene Welten

«Wo sind heute die mächtigen Stämme unserer Rasse? Die Habgier und Unterdrückung des weissen Mannes haben sie dahinschwinden lassen wie Schnee an der Sommersonne.» (Tecumseh, 1811)

Die beinahe vollständige Ausrottung der First Peoples gehört zu den zentralen Vorgängen der nordamerikanischen Geschichte. Zusammen mit dem Kollaps der indianischen Kulturen in Mittel- und Südamerika zählt sie zu den grossen Menschheitskatastrophen vor dem 20. Jahrhundert. Das Ausmass der Zerstörung lässt sich kaum in Worte fassen und auch durch nackte Zahlen nur andeuten: Während im riesigen Gebiet nördlich des Rio Grande 1492 schätzungsweise fünf bis zehn Millionen Native Americans lebten, waren 1900 bloss noch 237 000 Menschen indianischer Herkunft auf US-amerikanischem Territorium übrig. Seit der spanische Konquistador Juan Ponce de León 1513 die Halbinsel Florida entdeckte und dort als erster Europäer seit den Wikingern nordamerikanischen Boden betrat, ging eine unbekannte, niemals mehr exakt ermittelbare Zahl von nordamerikanischen Indianern an Krankheiten, Hunger, Versklavung und staatlicher Vernachlässigung, aber auch in Kriegen, Massakern, Umsiedlungsaktionen, Kopfgeldjagden und an systematischer Kulturzerstörung zugrunde. Bald nach den Erstkontakten mit den Europäern verschwanden schon etliche indianische Völker vom Antlitz der Erde, während die anderen, die den Zusammenprall mit den Newcomern überlebten, teilweise bis in die Gegenwart von den Schockwellen der euroamerikanischen Kolonisierung gezeichnet sind.

Die in ihrer wahren Dimension bis heute unverstandene Katastrophe wirft beunruhigende Fragen an das «normative Projekt des Westens» auf; sie stellt die noch immer weitverbreitete Ansicht in Frage, die euroamerikanische Inbesitznahme des Kontinents sei für alle dort lebenden Menschen gleichermassen eine Fortschrittsverheissung gewesen. Heute wird immer deutlicher, dass die ebenso rasante wie radikale Umgestaltung der Welt nach 1780 mit der Verdrängung, Unterwerfung und Dezimierung der indigenen Völker einherging. Jedenfalls lösten der Siegeszug der Moderne und die immer stärkere wirtschaftliche Integration der Welt Verdrängungsprozesse von beispielloser Dynamik aus. Im langen 19. Jahrhundert verringerten diese die einstige Vielfalt menschlicher Kulturen und bewirkten einen Beinahetod des Ureinwohners. Durch das Abholzen der Wälder, den Abbau von Rohstoffen und das Umpflügen von früheren Graslandschaften veränderten sie überdies die Ökosysteme der aussereuropäischen Räume tiefgreifend. Die globale Offensive gegen tribale Lebensformen lässt sich an der Zerstörung des indianischen Nordamerika exemplarisch aufzeigen.

Dafür ist jedoch eine andere Perspektive auf die Geschichte der USA notwendig als die, welche dies- und jenseits des Atlantiks lange Zeit vorherrschte und unser Bild teilweise bis heute prägt.

Bis in die 1960er-Jahre hinein schreiben die allermeisten Historiker die US-Geschichte so, als hätten die First Peoples nie existiert, oder sie verkleinerten ihre historische Bedeutung derart, dass sie in ihren Darstellungen bestenfalls als Statisten erschienen.

Amerikanische Geschichte handelte bis um 1970 vorzugsweise davon, wie aus Untertanen Seiner Majestät, des Königs von England, mit Gottes Hilfe tatendurstige «Pionierfarmer» wurden, die wagemutig in die Weiten des Westens vordrangen, diesen besiedelten und dem Land durch ihrer Hände Arbeit zu beispiellosem Wohlstand verhalfen. Der Untergang der indianischen «Steinzeitkulturen» erschien in dieser Meistererzählung als ein letztlich unvermeidbares, ja als notwendiges Kapitel in der Geschichte Nordamerikas. Denn diese seien einer Nutzbarmachung der riesigen Landmasse bloss im Wege gestanden.

Allzu lange sahen die meisten Amerikaner über die düsteren Seiten ihres durch kontinuierliche Westexpansion entstandenen Nationalstaats hinweg. Sie blendeten aus, dass die Geschichte der US-Indianerpolitik eine hässliche Angelegenheit war, markiert durch Tod, zwangsweise Umsiedlung, rassistische Bigotterie und kulturellen Genozid. Denn von Beginn an vollzog sich das amerikanische Empire Building keineswegs in einem menschenleeren Land. Das amerikanische Landimperium verdankte sich vielmehr einer erfolgreichen Invasion und war das Ergebnis einer Wiederbesiedelung des Kontinents. Neuere Untersuchungen gelangen zu der bitteren Erkenntnis, dass die US-Gesellschaft auf den Gräbern von Hundertausenden von Indianerinnen und Indianern errichtet wurde.

Aram Mattioli

St. Galler Tagblatt

Regisseur Wojtek Klemm erhebt zudem die bittere Konversationsschlacht in seiner St. Galler Inszenierung zum Gesamt-Kunststück, mit einem grossartigen Ensemble, das die schweisstreibend-sportliche Regievorgabe mit augenfälliger Lust umsetzt. Zum vollständigen Artikel

Saiten

Der Regisseur mag seine Figuren, noch in der grössten Erbärmlichkeit behalten sie ihre Würde und ihre Liebenswürdigkeit. Das gilt allen voran für Birgit Bücker. Sie spielt Violet, den despotischen Mittelpunkt des Stücks, mit flackerndem Blick und zugekniffenem Mund, sekundenschnell kippend zwischen Wrack und Vamp, böse und bedauernswert. Um sie herum läuft das komplette Ensemble zu Hochform auf, wobei das starke Geschlecht («Bloss keine Genderdebatte», flucht Bill) die Frauen sind: die drei Schwestern Diana Dengler, Anna Blumer und Anja Tobler sowie als Gäste Catriona Guggenbühl und Katrija Lehmann, die die junge Jean mit starker Präsenz spielt. Zum Lachen, aber nie lächerlich auch die Männer: Marcus Schäfer, Christian Hettkamp, Bruno Riedl, Matthias Albold und Oliver Losehand. Zum vollständigen Artikel

Ostschweiz am Sonntag

Fesselnd, wie die Macht- und Emanzipationskämpfe, wie Egoismus und Schuldgefühle innerhalb der Familie die Probleme einer ganzen Nation widerspiegeln. Wojtek Klemms Inszenierung aber – und das ist das Wichtigste – hebt staunenswert die bleischwere Last in kunstvolle Leichtigkeit. Alles ist hier ins Bild, in Bewegung, in Tanz, in Geste und vor allem in bittere Komik umgesetzt. Mal hocken die Schwestern, Schwager und Enkel vereinzelt mit ihren Ticks auf Stühlen im Kreis, mal tanzen sie einen indianischen Ringelreihen, bilden einen riesigen Knäuel, klettern auf die Möbelskulptur. Zum vollständigen Artikel