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Durcheinandertal

Anti-Märchen nach dem Roman von Friedrich Dürrenmatt in einer Theaterfassung von Martin Pfaff

  • Media: Durcheinandertal
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Es geht nicht mit rechten Dingen zu im Durcheinandertal: ein Kurhaus, in dem sommers Millionäre einer ‹Theologie der Armut› nachgehen, wird winters zur Zuflucht für Mafiakiller und andere Kriminelle. Ein Theologe namens Moses Melker, der selbst zwei seiner Ehefrauen auf dem Gewissen hat. Und ein Gott, der vor den Bittbriefen der Menschen flüchtet. Mittendrin: ein kalbgrosser Hund, ein Polizist, der lieber kocht als zu arbeiten, und die Tochter des Gemeindepräsidenten, die allen schweren Jungs überlegen ist.
In seinem letzten Roman kehrt Dürrenmatt noch einmal unten nach oben und oben nach unten. Die Süddeutsche Zeitung schrieb bei seinem Erscheinen 1989: ‹Dieser Roman wird als Gesellschaftssatire voller Ironie, als eine Groteske mit holzschnittartigen Elementen der Räuberpistole in die Literaturgeschichte eingehen.›
Wir freuen uns sehr, dass Dürrenmatts letzter Roman erstmals bei uns auf der Bühne zu sehen sein wird. Eine Uraufführung für Dürrenmatt-Fans und alle, die es werden wollen!

Einführung im Studio | 9. April 2017, 19 Uhr
N-Gespräch im Studio | 9. April 2017, im Anschluss an die Vorstellung

Ort | Grosses Haus Zeit | 2 Stunden (inkl. Pause) [Tickets]

Auf eine Bratwurst mit...
Moses Melker (Diana Dengler)

 

 

Er räumt das Durcheinandertal auf  (St. Galler Tagblatt, 4. Januar 2017 von Hansruedi Kugler)

Martin Pfaff bringt Dürrenmatts Roman «Durcheinandertal» erstmals auf die Bühne des Theaters St.Gallen. Der Detmolder Schauspieldirektor nennt den Roman ein Anti-Märchen.

So eine grosszügige Einladung kommt nicht alle Tage. Der künftige St. Galler Schauspieldirektor Jonas Knecht ruft im Frühling 2015 an und fragt, ob Martin Pfaff in St. Gallen Regie führen wolle. Klar will er, nicht zuletzt deshalb, weil ihm Knecht bei der Stückwahl freie Hand lässt. Shakespeare kommt aber nicht in Frage, weil Knecht selbst eine Hamlet-Trilogie plant. Also folgt Martin Pfaff, der gerade seine erste Saison als Detmolder Schauspieldirektor plant und pro Spielzeit einmal auswärts Regie führen darf, einer alten Leidenschaft: Dürrenmatt. Von ihm sei er schon als Jugendlicher fasziniert gewesen, erzählt Pfaff: «Dürrenmatts Entlarvung unserer Weltbilder, seine überbordenden Grotesken und sein mutiger Pessimismus haben mein Denken unglaublich stimuliert.» Also packt ihn der Ehrgeiz. Statt «Die Physiker» oder «Der Besuch der alten Dame» vorzuschlagen, schreibt er eine Bühnenfassung des Romans «Durcheinandertal», und so kommt St. Gallen zu einer Uraufführung.

Künstlerischer Parforceritt oder misslungener Roman?

Es ist Dürrenmatts letzter Text, erschienen 1989, ein Jahr vor seinem Tod. Darin erzählt er vom heruntergekommenen Tal und seinem Kurhaus, in welchem im Sommer Reiche fröhlich die Armut lernen, im Winter Auftragskiller abtauchen und das am Ende in Flammen aufgeht. Noch selten war die Kritik so vehement in zwei Lager geteilt: hochgelobt als «aufregender theologischer und künstlerischer Parforceritt» (NZZ), Dürrenmatt befinde sich «auf der Höhe seiner Erzählkunst» (Süddeutsche Zeitung); aber auch zerschmettert als «ein heilloses Durcheinander, misslungen, ein Plagiat seiner selbst» (Klara Obermüller, «Das literarische Quartett»). Martin Pfaff hat sich die Kritiken nochmals angeschaut und wischt sie lächelnd zur Seite: «Ein Missverständnis. Seit Jahren sprach man damals von postmoderner Literatur, aber einige Kritiker schienen trotzdem nicht begriffen zu haben, dass Dürrenmatt auf der Höhe seiner Zeit war.» Er habe keinen «kulinarischen Roman» mit linearer Handlung und einfacher Parabel geschrieben, sondern einen experimentellen Roman: «Die Schweizer können in diesem Roman ihren Klassiker Dürrenmatt neu entdecken.» Einen Roman, der Krimi, Theologie, Satire, Politik und Klamauk vereint. Martin Pfaff hat Erfahrung darin, Romane auf die Bühne zu bringen, den «Schimmelreiter» und «Der Glöckner von Notre Dame» hat er bereits fürs Theater inszeniert.

Poesie der geschlechter-vertauschten Rollen

Für Verblüffung wird sicher das «Durcheinandertal»-Bühnenbild sorgen. So viel verrät Pfaff schon: Ein acht Meter hoher Hund dreht sich auf der Bühne und stellt mal das Kurhaus, mal einen Berg, mal einen Hund dar, der die Gangster in den Hintern beisst. Um diese mysteriöse Figur herum wird das Anti-Märchen für Erwachsene erzählt, in welchem der bigotte Prophet Moses Melker einen Dürrenmatt’schen Satz sagt: «Fürchtet Euch nicht, ihr, die ihr alle Verbrecher seid.» Denn trotz aller amüsanten Groteske, trotz Liedern und fliegenden Liebespaaren in seiner Inszenierung sagt Pfaff: «Das wird kein zurücklehnendes, rein kulinarisches Theater. Das Gehirn der Zuschauer wird gefordert.» Gefordert nicht nur wegen der vertrackten Theologie des Reichtums oder der Reduktion der vielen Romanschauplätze auf den riesigen Hund, sondern auch wegen der Figurenbesetzung: Markus Schäfer spielt die adoleszente Elsi, die sich in ihren Vergewaltiger verliebt, Boglárka Horváth einen dicken Polizisten und Gott. Die Figuren sind geschlechtervertauscht besetzt: «Diese Irritation steigert die Aufmerksamkeit. Und es entsteht sozusagen eine neue, dritte Figur, die nicht bloss illustrativ ist.» Ganz nach Dürrenmatts Überzeugung: Breche man Gewohnheiten der Wahrnehmung, so unterlaufe man blosses Wiedererkennen und ermögliche dadurch Erkenntnis – und erschaffe erst noch Poesie.

 

Dürrenmatts Hotelbrand (Saiten, 3. Januar 2017, René Hornung)

Im Januar bringt das Theater St.Gallen Dürrenmatts letzten Roman «Durcheinandertal» erstmals auf die Bühne. Vorbild war das Hotel «Waldhaus» im Engadin. Es brannte sechs Wochen nach der Buchpremiere ab – wie es im Buch stand. Eine Bild-Erinnerung. [Vollständiger Artikel]

Saiten

Dasselbe gilt für die drei mysteriösen Strippenzieher des Zürcher Anwaltsbüros Raphael, Raphael und Raphael. Sie sind so stümperhaft wie die in ihrer Trottligkeit brillanten Gangster (Christian Hettkamp und Jessica Cuna) oder der unübertreffliche Löli Polizist Lustenwyler (Boglárka Horváth). Kostümbildnerin Marion Steiner hat viel Fantasie in die wechselnden Outfits und Perücken gesteckt – ein Wunder der Wuschelkopf der Witwe Hungerbühler, eine Pracht Elsis Zöpfe, ein Elementarereignis Lustenwylers unfasslich dicker Bauch und der Allerwerteste von Cäcilie Räuchlin: Moses Melkers pralinenverrückter und am Ende von Moses eigenhändig pralinenerstickter dritter Millionärsgattin.
In weiteren der zahlreichen Rollen sind Kay Kysela und Birgit Bücker zu sehen; alle Spielerinnen und Spieler, Marcus Schäfers zupackende, fast von Anfang auf der Verbrecherspur gelandete Elsi ausgenommen, wechseln dauernd die Rollen und Geschlechter, eine bewundernswerte Verwandlungsleistung.

Die fantastischste Figur ist Moses Melker. Diana Dengler schlurft klein und verschupft auf die Bühne, mit Bäuchlein, Brille und schütterem Haar. Ein Problemhaufen von Prophet steht vor uns, keiner, der aussieht, als hätte er das Zeug zum Millionenscheffeln, kein Zampanoo der Kanzel. Aber dann kann Dengler aufdrehen, lässt ihre Äuglein blitzen und redet dem satten, reichen St.Galler Publikum fuchtelnd ins Gewissen. Damit wir uns auch sicher mitgemeint fühlen als «Abschaum der Welt», wird es bei der Szene hell im Saal. [...] An all den Turbulenzen und grotesken Schrägheiten hätte Dürrenmatt vermutlich sein schallendes Vergnügen gehabt.

Ostschweiz am Sonntag

Wie Diana Dengler diesen Melker als verdrucksten Bünzli spielt, in jeder Geste als gehemmtes, weinerliches, bigottes Kerlchen, ist schon grosse Klasse: komisch und rührend. [...]

Martin Pfaff hat daraus ein schrilles Erzähltheater gemacht und die Unübersichtlichkeit noch gesteigert, indem er die Rollen geschlechtervertauscht spielen lässt. [...] Die vielen Schauplätze des Romans sind wunderbar komprimiert: Bühnenbildnerin Claudia Rohner hat einen riesigen, drehbaren Origami-Hund auf die Bühne gestellt: dessen Bauch mit Kristallleuchter zum Kurhaus, dann zur Projektionsfläche von Elsis erotischen Phantasien wird.

SDA

Das Stück lebt wie die literarische Vorlage von Anspielungen und Einfällen, von vielen Pointen und grotesken Szenarien: Eine «Swiss Society for Morality» wird gegründet, die das Hotel Kriminellen öffnet, die Polizisten werden, mit «Kafi fertig» abgefüllt.

 

Junge Theaterkritiker - Eva Ammann

Die Inszenierung von Martin Pfaff, der auch für die Theaterfassung verantwortlich zeichnet, strotzt vor Verzerrungen, Überspitzungen und Übertreibungen. Doch zeigt sie auch einen wahren Kern. Zum vollständigen Artikel