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Die Kontrakte des Kaufmanns

Wirtschaftskomödie von Elfriede Jelinek

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«Wir taumeln orientierungslos, ohne Anteilnahme und ohne Einkaufstasche herum.»

Die Wirtschaftsblase ist geplatzt, die Finanzkrise da. Für die vielen Kleinanleger stand mehr auf dem Spiel als nur das Geld: Jahrelang wurde auf alles verzichtet, kein Urlaub gemacht, jeder Cent geopfert für einen Traum vom entspannten und sorgenfreien Leben nach der Pension. Nun ist alles verloren. Und wer ist schuld? Die Banken? Die Manager? Die undurchschaubaren Finanzströme? Oder gar die Opfer selbst?

Elfriede Jelinek, 1946 in Österreich geboren, erhielt 2004 den Nobelpreis für Literatur. Mit ihrem Stück zur Finanzkrise hat die Autorin das Stück der Stunde geschrieben, das derzeit im deutschsprachigen Raum zahlreiche Aufführungen erlebt. Wir freuen uns, dass am Theater St. Gallen die Schweizer Erstaufführung stattfinden wird!

 

Bei allen Vorstellungen findet 30 Minuten vor Beginn eine Einführung statt.

Ort | Grosses Haus [Tickets]

„Geld oder Leben! Das Schreckliche ist immer des Komischen Anfang.“

Elfriede Jelinek im email-Verkehr mit Joachim Lux



Als Sie das Stück geschrieben haben, ging es der Weltwirtschaft zwar schon nicht mehr gut, aber seitdem ist der Verfall rasend. Als sei – zwanzig Jahre nach dem Verfall der östlichen Systeme – jetzt auch der Kapitalismus bankrott… Oder wird er, anders als der Sozialismus, wie ein kreatives Krebsgeschwür immer weiter und neu wuchern?

Elfriede Jelinek: Also es gab schon genug, auch ohne dass man gewusst oder geahnt hätte, dass es zu einer solchen Krise kommen würde. Die Wirtschaftsgeschichte strotzt ja nur so von Verbrechen, die, retrospektiv betrachtet, zum Teil erstaunlich primitiv geplant waren. Was für eine Diskrepanz zwischen den unglaublichen Summen, diie da von selbsternannten Finanzgurus, welche sich mit einer Aura der Wissenden und Eingeweihten umgeben haben, als Schneeball-Lawinen losgetreten wurden, von Leuten, die nicht einmal einen Schneemann bauen können, Summen, die sich irgendwann in Schmutzwasser aufgelöst haben, und der Hilflosigkeit der Kontrollbehörden mit allen ihren Unkenntnissen (das kann ein sehr komisches Element bedeuten!), und die cleversten Leute fallen dann auf sowas rein. Diese Skandale sind das, was von der grossen Krise abfällt (die sie, oft erst nach Jahren, wie beim Fall Madoff, plötzlich an den Tag bringt), aber in ihnen bündelt sich – wie im Kriminalroman die Grausamkeit und Brutalität der Gesellschaft wie der Dampf, der durchs Ventil eines Druckkochtopfs schiesst, entlädt – in ihnen bündelt sich also die Gier und die Gemeinheit und alles, was den Kapitalismus allgemein so beliebt gemacht hat, dass er schliesslich gesiegt hat.



Ausgangspunkt Ihres Stücks ist ein lokaler, österreichischer Fall. Zeigt sich in ihm nicht nuce, was jetzt wirtschaftlich auf der ganzen Welt geschieht?

Der österreichische Fall ist ja auf absurde Weise global, er ist eine Parodie auf den Global Player, als der sich jeder fühlen kann, der da sein erspartes Geld auf die Hausbank trägt, von wo aus er sofort in die Karibik transferiert wird, an Orte, wo der ursprüngliche Besitzer des Geldes wahrscheinlich noch nie war. Man gehört sozusagen zu einer beinahe religiösen Gemeinde und wird doch nur ausgenommen.



Ist der Mensch der Fehler? Seine Gier? Damit wären wir dann im Bereich der in der Bibel verhandelten Todsünden…

Gier hat mich schon immer sehr interessiert, ich habe ja auch einen Roman mit diesem Titel geschrieben. Die Erfahrung, schon etwas zu haben, scheint zu genügen, um immer mehr davon haben zu wollen. Man amcht sich ununterbrochen auf den Weg, zu dem, was einem endlich genügen soll, aber das gibt es nicht,. weil einem eben nie etwas genügt. Es ist eine unaufhörliche Bewegung zu dem, was man sein möchte, da man es schon war, nur eben kleiner und geringer. Man will also mehr vom selben. Es reicht einem nie, was schon da ist. Man geht sozusagen zu sich selbst zurück, nachdem man von sich selbst aufgebrochen ist, nur hat man sich nicht genügt. Man könnte besser sein, und das heisst eben immer: mehr. Obwohl man auch sagen muss, dass viele Leute, die in der Krise alles verloren haben, auch durch verbrecherische Machenschaften, wie ich sie im Stück beschreibe, nur wenig hatten und daher alles aufs Spiel gesetzt und verloren haben. Sie haben also etwas aufs Spiel gesetzt, was sie kaum erst waren oder hatten (was im Kapitalismus faktisch dasselbe ist), und manche haben Kredite aufgenommen, also etwas, das sie gar nicht besessen haben aufs Spiel gesetzt (ohne zu wissen, dass sie es aufs Spiel gesetzt haben, denn das Mehr, das sie erzielen wollten, wurde ihnen ja als „sicher“ verkauft, als Gewissheit), um noch mehr zu bekommen als sie ja schon eh nicht hatten.

 

Neue Zürcher Zeitung

«Das ist abstrakt, in St. Gallen aber so inszeniert, dass grosses Theater herauskommt. Musikalisches alterniert mit grausigen Szenen und ergibt dank den brillanten Schauspielern ein geniales Panoptikum. Da sind die Manager, die wie bei Handke das Publikum runterputzen («Was haben Sie uns auch vertraut!»). Da ist Christian Hettkamp im Arztkittel (Kostüme: Anna Rún Tryggvadóttir), der monologisierend ein Herz herausoperiert: Als «Kapital» ist es bei ihm besser aufgehoben. Da sind die «Moderatoren» (Matthias Albold und Marcus Schäfer), die sich ans Publikum wenden, um den Ablauf des Stückes zu erläutern.

Und da sind beeindruckende Frauen: Hannah Binder, in einer obszönen Szene als Steve Ballmer von Microsoft, und Ines Schiller, die den Reigen mit einem Monolog beschliesst. «Dann gehört Ihnen überhaupt nichts mehr», heisst es in verstörenden Echos, als am Schluss langsam das Licht ausgeht. Das Nichts: Es steht am Ende eines aussergewöhnlichen Abends.»

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St.Galler Tagblatt

«Selten so befreit gelacht und so angeregt mitgedacht, selten so heiter einen immerhin dreieinhalb Stunden langen Theaterabend verbracht. Die Kontrakte des Kaufmanns, das versprechen wir hier mündelsicher und risikofrei, sind eine lohnende Investition. Und der Kurs dürfte bei den weiteren Vorstellungen noch steigen.»

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Tagesanzeiger

«Angesetzt waren Die Kontrakte des Kaufmanns, eine grossartige Wirtschaftskomödie von Elfriede Jelinek. Darin lässt die bedeutendste Theatertexterin der Gegenwart einen Klagechor der Kleinanleger auftreten.»

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Nachtkritik

«Die Inszenierung ist immer am Punkt, verfügt über ein Ensemble, das der Regie blind folgt. St. Gallen liefert eine Aufführung, liefert letztlich den Triumph, im Sinne, dass nicht alles vergeblich ist, was das Theater zeigt. Schuld wird sichtbar.»

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Südkurier

«Jelineks bildfindende Sprachmacht wird vom ganzen Ensemble in eine ebenso bildmächtige Körpersprache übertragen, wird mit einer unbändigen Spielfreude körperlich erfahrbar, befreiend manchmal in quirlig überschäumender Lust, dann wieder in beklemmender Direktheit.»

art-tv

«Noch nie wurden Jelinek-Texte so präzise und lustvoll aufgeführt! Die Wirtschaftskomödie "Die Kontrakte des Kaufmanns" am Theater St.Gallen provoziert mit starken Aussagen.»