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Das Schweigen der Schweiz

Eine Annäherung an die Lage der Nation von S. Harbeke, P. Heule, D. Janjic, M. Obexer, A. Sauter

  • Media: Das Schweigen der Schweiz
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Fünf AutorInnen, fünf Szenen, fünf Uraufführungen zur Lage der Nation – an einem Abend. Ein Kaleidoskop der Szenen und Formen: Clowns und Komödie, Hörspiel und Swissness-Gala, bis hin zum herzzerreissenden Dokumentarstück. So viel Schweiz war nie.

Fünf Autor*innen haben sich auf Wunsch des neuen St.Galler Schauspieldirektors Jonas Knecht mit der Lage der Nation auseinandergesetzt und je eine Szene geschrieben - und die haben es in sich. Lernen Sie die Schweiz neu kennen mit folgenden Szenen:

Parat. Oder: Nienedmeh isch nüd von Andreas Sauter (Uraufführung)
kalter hund von Sabine Harbeke (Uraufführung)
Philosophische Kühe - Mountains of Kuhtopia von Daniela Janjic (Uraufführung)
Tennis. Nation von Philippe Heule (Uraufführung)
Im Schweizer Untergrund von Maxi Obexer (Uraufführung)

Ort | Lokremise Zeit | 2 Stunden 15 Minuten (inkl. Pause) [Tickets]

Aus der Begründung zur Einladung zum Schweizer Theatertreffen

Wo: In unserem Land heute und morgen. In einem falschen Chalet, im Hörspielstudio, bei einer TV-Spendengala zum Beispiel – und einmal auch im Untergrund. Was: Vier Kurzstücke junger Schweizer Dramatikerinnen und Dramatiker, und ein Blick von aussen, aus Deutschland, erzählen von der Lage der Schweiz und ihrer Lust, sich seltsam vernehmlich im Schweigen zu üben.

Man schweigt sich an und man schweigt sich aus in diesen fünf unterschiedlich temperierten helvetischen Visitenkarten. Das heisst aber nicht, dass die Zuschauer die Einladung zum Blick in den Spiegel nicht höllisch komisch finden sollen. Ertappt? Die Regisseurin Sophie Bodamer holt mit grosser Geste aus und schlägt für die fünf Beiträge fünf unterschiedliche szenische Lösungen vor. Eine Comedy für die Schweiz-Sicht von Andreas Sauter; einen Psychokrimi für die subtile Diagnose von Sabine Harbeke; eine Farce, wenn Daniela Janjics‘ Heimat-Theater philosophische Kühe einführt; eine  Parodie, die sich bei Philipp Heule selber weglacht – und einen schlichten dokumentarischen Beitrag, der dank Maxi Obexer mit scharfem Licht den Heimatabend stört.   

Fünf prägnante Stimmen, eine Regisseurin, die keine Theatermittel scheut und uns in ein veritables Schutzhäuschen, Schweizhäuschen einlädt. Die Bühne von Prisca Baumann ist so kongenial und durchdacht, dass es für die Darsteller eine echte Konkurrentin ist. Doch Sophie Bodamer hat mit den Ensemblespielerinnen und -spielern des Theater St. Gallen spielwütige und hingebungsvolle Persönlichkeiten gefunden. Brüche und Rollenwechsel schaffen sie spielend. Was die Schweiz betrifft, lassen sie ihr Publikum im beruhigenden Glauben: Die Lage ist zwar hoffnungslos, aber noch längst nicht ernst. Ernst nimmt man allerdings das beruhigende Resultat. Die Lage der jungen Schweizer Dramatik ist so gut, dass dieser ambitionierte Abend so selbstverständlich nebensächlich wie eine Fingerübung wirkt.

Daniele Muscionico

Neue Zürcher Zeitung

Die Regie setzt den dunklen Beitrag ans Ende des Abends. Sie zeigt damit, was sie will: Heimattheater ohne falsche Romantik, ohne Gefühlsduselei. Sie verzichtet darauf, die Sätze zu spielen, und lässt sie statisch sprechen – und ihre Wirkung und ihre Wucht in den Raum wachsen. Im Übrigen ist bemerkenswert und bisweilen hinreissend, mit welcher Klipp-Klapp-Dramaturgie Tempo gemacht und Wechsel inszeniert werden.

Bodamer verleiht mit sicherer Hand fünf Texten oder Textflächen fünf Temperaturen und greift zu mit fünf unterschiedlichen Spielansätzen – das muss eine erst können. Doch nicht nur die Regisseurin kann es, auch die vier Darsteller können es. Zwei Frauen, Sarah Hostettler (unübertroffen) und Anna Blumer, zwei Männer, Dimitri Stapfer (unübertroffen als Beatboxer) und Hans Jürg Müller. Ein Theater muss stolz auf eine Bande derart spielwütiger Menschen sein.

Das Ensemble schafft Brüche und Rollenwechsel mit links, man holt aus zur Comedy (bei Philippe Heule), man ist innerlich, wenn das Genre einen Psychokrimi verlangt (bei Sabine Harbeke). Oder dann mutieren die Spieler zu Schweizer Braunvieh, das sich echauffiert, wenn gewisse Zweibeiner ihre Liebe zu Zäunen wieder neu entdecken und dazu das Hornvieh – oder Bella, den Hund – als Fotosujet missbrauchen. Dann muhen und mampfen und mahnen die Schauspielerkühe im Bunkerstall, was ein anderes, aktuelles Bild weckt: So muhen, mampfen, mahnen auch vier Bundesräte an ihrer Pressekonferenz, man kaut Wörter wie leeres Stroh. Das ist grosse, bildstarke Schweiz-Verulkung, und Janjics Text ist mit Recht der Liebling des Publikums. Die Lage sei hoffnungslos, aber noch längst nicht ernst. Gewiss nicht im Theater St. Gallen.

nachtkritik

Nach der Pause wird das Hüsli zum Stall. Drin muhen vier Kühe mit seltsamen Namen, wir kennen sie, weil sie Namensschilder und Mikrofon vor sich haben wie an einer Pressekonferenz. Die Kühe, Diana, Academy und Zenzi, sind im Aufruhr, nachdem Bella, die vierte im Bund, sich für eine Homestory hergibt mit einem Fotografen und Verfechter der Zäune. Posieren für eine Kuhschweiz, die Zäune baut? Die Kühe mampfen, grochsen, muhen und schellen, sie käuen in hartleibigem helvetischem Hochdeutsch Sätze wieder, die man aus Politdebatten kennt, sie käuen wieder und wieder, und schnell ist klar: Da ist eine Rebellion der Kühe im Gang, gegen die "elenden Traditionalisten", für die Allmende, gegen Gruppendruck und Herdentrieb von rechts. Gegen Ende zündet Schauspieler Dimitri Stapfer einen minutenlangen Beatbox-Battle, lässt Hubschrauber wirbeln und MGs knattern. Mit dem Alpenfrieden ist es vorbei, der akustische Krieg bringt Bella um und versetzt das Publikum in Ekstase. So viel Kuhwitz war nie auf einer Theaterbühne.

Saiten

Einen «saTierischen Schwank»  nennt die bosnisch-zürcherische Autorin Daniela Janjic im Untertitel ihr Stück Philosophische Kühe – Mountains of Kuhtopia.  Janjic ist mit Migrationsthemen biographisch vertraut; in diesem Kurzstück rettet sie sich mit Ingrimm in die Satire. Und das vierköpfige Ensemble, das alle fünf Stücke verwandlungsfreudig meistert, lässt die Stallbretter beben, das Publikum bleibt erschöpft vor Lachen zurück. [...]

Der rote Faden durch alle fünf Stücke heisst, wenig überraschend: Abschottung, Ausgrenzung, Identitätssuche. Auf die rechtspopulistische Wende, die allenthalben im Gang ist, gibt das Stück zwar auch keine Antwort. Aber die Autorinnen und Autoren und die kluge Regisseurin finden starke Bilder, darunter das stärkste: Wenn selbst die Kühe auf die Hinterbeine stehen, besteht für die Kuhschweiz noch Hoffnung. Und wo das Theater so markant Vielfalt demonstriert und praktiziert, muss man noch keine Angst vor Monokultur haben.

St.Galler Tagblatt

Das Theater St. Gallen präsentiert in der Lokremise unter dem Titel «Das Schweigen der Schweiz» fünf Uraufführungen am Stück an einem bunten, erhellenden und schauspielerisch grandiosen Abend. [...] Es ist auch ein Abend ohne Zeigefinger - und mit grandiosen Schauspielern, auf die es zuallererst ankommt. In ihrem Spiel weckt Anna Blumer immer wieder tiefe Betroffenheit, dasselbe gilt für Sarah Hostettler, die ihren wichtigsten Auftritt im letzten Stück als Psychiatriepatientin Samia hat. Hans Jürg Müllers Typen werden schräg und schräger, während sich Dimitri Stapfer als Meister vieler Sparten erweist. Von Stück zu Stück wird Prisca Baumanns heimelige Bühnenbildhütte wieder anders genutzt, mal als Schauplatz seltsam-dunkler Verrichtungen, mal als Ort plakativer Selbstdarstellung einer Musterschweiz.