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Das Ende vom Geld

Schauspiel von Urs Widmer

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«Wir müssen wohl den Preis für unsere Fehler zahlen.»

Eine Hotellobby in Davos. Soeben ist das Weltwirtschaftsforum zu Ende gegangen. Eine Gruppe von Mächtigen ist auf dem Weg, sich zu verabschieden: noch einmal begegnen sich Banker und Bundesrat, Unternehmer und NGO-Delegierter, ein Bischof, ein Professor sowie ein mächtiger chinesischer Geschäftsmann. Währenddessen schneit es draussen ununterbrochen. Plötzlich sind alle Internetverbindungen tot und die Hotellobby wird zum Gefängnis. Während drinnen die  Apokalypse droht, liegen draussen mehrere Milliarden auf Eis. Eine wahre Finanzhölle bricht über die Menschen herein.Das neueste Stück des Schweizer Autors Urs Widmer (*1938) ist ein zorniger Text geworden: über die Verstrickungen von Wirtschaft und Politik in seinem Heimatland sowie die globalisierte Finanzkrise. Nach einer viel beachteten Inszenierung von Top Dogs in der Saison 2008 | 2009 freuen wir uns, dieses neue Stück von Urs Widmer als Schweizer Erstaufführung am Theater St.Gallen zu zeigen.

Ort | Grosses Haus Zeit | 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause [Tickets]

Auszug aus einem Interview mit Urs Widmer

 

ZEIT: Ist Das Ende vom Geld eine Fortsetzung von Top Dogs? Darin wird der Manager als arme Sau dargestellt.

Widmer: Nein, das ist es nicht. Das Ende vom Geld ist aus der Perspektive von heute geschrieben, 16 Jahre danach. Mein Blick ist härter und hat an Liebe verloren – die Analyse, die ich mache, ist radikaler. Ich bin ja kein Wirtschaftsfachmann. Aber Herrgott! Seit etwa 30 Jahren, seit der Ankunft von Frau Thatcher und Herrn Reagan, sagen ich und meinesgleichen, dass das, was gerade geschieht, nicht gut gehen wird. Und dabei werden wir immer als die Blöden behandelt.

ZEIT: Sie leben in einem Land, in dem immer gesagt wurde: Die Politik denkt, die Wirtschaft lenkt. War das je richtig?

Widmer: Das war vermutlich nie richtig. Der Übergang zwischen Politik und Wirtschaft ist in der Schweiz fließend. Die Wirtschaft lenkt, das stimmt. Viele Politiker verhalten sich aber wie Angestellte der Ökonomie und denken keinen einzigen autonomen Gedanken. Wir haben keine unabhängige Politik.

ZEIT: In der Schweiz ist der Teufel los – aber von Ihren jüngeren Kollegen kommt nicht viel. Nun legt ein 73-Jähriger so ein Stück vor...

Widmer: ...ich reagiere auf die gesellschaftlichen Entwicklungen, aber ich kann nicht auch noch für die anderen reagieren.

 

Auszug aus dem Publikumsgespräch vom 6. Februar 2013

 

Zuseherin: Ich finde, die Ernsthaftigkeit des Themas wird durch den Klamauk unterminiert!

Tim Kramer: Das ist ein Vorwurf, der von vielen Seiten an uns herangetragen wurde: Klamauk statt Gewicht. Das Stück ist ein Versuch, auch ein Todes-Experiment -  ein Experiment zu diesem Thema sofort ein Stück zu machen. Wir sind derzeit sehr nah dran an der ganzen Problematik und es ist die grosse Frage: Was macht man künstlerisch mit der Situation, in der wir mit der Finanzkrise stecken? Dabei bin ich sehr nah an dem Stück von Urs Widmer dran geblieben: er hat immer auch eine humorvolle Ebene in seinen Stücken, das war auch bei Top Dogs so. Es ist sicher ein absurder Humor, ein abstrakter Humor, es ist Satire, der Versuch, die Realsatire, die im Moment stattfindet, widerzuspiegeln. Wir haben aber versucht, dass dieses Lachen dem Zuschauer im Hals stecken bleibt, spätestens mit dem Auftritt des Kochs, der eine Figur aus der Hölle ist.

Zuseher: Ich bin mit einer anderen Erwartungshaltung an das Stück in die Aufführung gegangen. Es hat mir dann sehr gut gefallen. Aber ich war erstaunt, dass das Geld gar nicht so sehr Thema in den Beziehungen zwischen den Figuren ist?

Tim Kramer: Je näher wir an den Problemen dran sind, umso komplexer sind die Erwartungen, die man an ein solches Stücke hat. Zum Beispiel gibt es eine sehr hohe Erwartungshaltung, das Thema realistisch zu nehmen. Ich hatte auch erst ein anderes Stück erwartet, aber beim Lesen dachte ich dann, es hat so viel Energie, so viel humoristische und satirische Energie. Und ich finde schön, dass sich diese Energie äussert. Ich habe da sehr als Künstler und nicht als Wirtschaftswissenschaftler oder Betroffener gedacht. Sondern ich fand, da macht sich jemand Luft auf seine Art und Weise. Natürlich könnte man sehr viel Konkretes über das Geldsystem sagen. Und wir haben wir uns damit in den Proben selbstverständlich sehr auseinander gesetzt – auch wenn man das Gefühl hat, es geht da nur um kleine Scharmützel oder Eitelkeiten. Auch das wurde uns vorgeworfen - dass die Emotionen der Figuren sehr holzschnittartig sind. Das mag sein, aber andererseits sind sie dadurch auch sehr klar. Ich finde ein sehr hervorragendes Stück über jemanden, der auf sehr unmoralische Weise mit Geld umgeht, Der Geizige von Molière. Und das ist eine wirklich sehr holzschnittartige Figur! Ich verstehe den Wunsch, dass man etwas Differenziertes haben möchte. Herr Surber hat mich im Vorgespräch zur Inszenierung gefragt: Was ist denn die Antwort? Da muss ich leider sagen: Es tut mir leid, ich habe keine Antwort darauf.

Junger Zuseher: Wir trauen uns nicht, aus dem System auszubrechen. Im Moment glauben doch alle noch an das Geld. Und wenn wir ausbrechen würden, was würde denn dann geschehen? Wollen wir das überhaupt?

Willi Häne: Billy Wilder hat mal gesagt, wenn wir jung sind, halten wir Geld für das Wichtigste, wenn wir alt sind, wissen wir, dass es stimmt!

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Am Dienstag, 5. März 2013, wird es im Anschluss an die Vorstellung eine öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema geben. 

Es diskutieren:

Prof. Dr. Hans-Christoph Binswanger (Wirtschaftswissenschaftler)
Dr. Reinhold Harringer (Zeitbörse/ Monetative)
Tim Kramer (Schauspieldirektor & Regisseur)
Kaspar Surber (Journalist)
Prof. Dr. Tosten Tomczak (Prorektor der HSG)

Moderation: Dr. Karoline Exner (Dramaturgin Schauspiel)

Das Publikum ist erneut herzlich dazu eingeladen, sich am Gespräch zu beteiligen!

Saiten
«Der Banker, der Unternehmer, der Bundesrat, der HSG-Professor, der Bischof, der Chinese, die NGO-Delegierte und die Tussi des Bankers: Widmer zeichnet sie grad so, wie man sie sich den Macho-Banker, den Trottel-Bundesrat, den Schleim-Bischof, den Protz-Unternehmer vorstellt. Gespielt ist das grandios, allen voran vom prominenten Gast im Ensemble, Andrea Zogg, aber ihm ebenbürtig Marcus Schäfer, Bruno Riedl, Tim Kalhammer-Loew, Anselm Lipgens und Gen Seto, während die Frauen (Boglarka Horvath und Danielle Green) wie üblich keinen Stich in der Geldmännerwelt haben.»

WOZ
«...je stärker der Sturm, je grösser der Hunger, je schlottriger die Kälte, desto wilder die Klischees: Unter der dünnen Haut der Zivilisiertheit bricht das Tier hervor [...]. Das St.Galler Ensemble [...] dreht in diesen Szenen grandios auf und bietet Slapstick zum Tränenlachen. Das passt zu Widmers holzschnittartigen Pointen.»

Zürichsee Zeitung
«Das Ende vom Geld ist auch das Ende der Finanzwelt. Urs Widmer lässt die Mächtigen zu Tieren werden. Das St.Galler Publikum zeigte sich bei der Schweizer Erstaufführung am Freitag begeistert.»

Sarganserländer
«Die sündigen Seelen hängen für alle Ewigkeit über dem Feuer des Höllenfürsten. Das passt natürlich nach St.Gallen, einem gewichtigen Hort der katholischen Bestrafungslehre. Für wen diese ewigen Qualen gedacht sein sollen, davon erzählt Urs Widmers Schauspiel Das Ende des Geldes in der Inszenierung von Regisseur und St.Galler Schauspieldirektor Tim Kramer.»

St.Galler Tagblatt
«Der Banker, der Unternehmer, sie alle sind nur Typen, streckenweise Klischees ihrer selbst. Der Banker ist feist, fett und egoistisch, der Politiker versteigt sich zu Sätzen wie "Ich kann nur Politiker. Ich kann nur die anderen fertigmachen", der Unternehmer ist ein geldgeiler Steuerhinterzieher, der Bischof ein bigotter, selbstverliebter Schnösel. [...] Tim Kramer, Schauspieldirektor am Theater St.Gallen, hat sich dennoch der Herausforderung gestellt. Er begreift in seiner Inszenierung Widmers Drama [...] als gallige Komödie.»

Die Südostschweiz
«Vom Schauspielhaus Zürich abgelehnt, ist Urs Widmers Stück Das Ende vom Geld nun in St.Gallen zur Schweizer Premiere gelangt. Die Kritik an der Wirtschaftselite bedient viele Klischees und erbittet Strafe für die sündigen Schäfchen.»

SRF
«Wo auch immer das Böse herkommt und auf welche Hölle diese Welt mit ihren Wirtschafts- und anderen Krisen zusteuert, im Theater St.Gallen macht die Abrechnung vor niemandem Halt. Es kommt ausnahmslos jeder an die Kasse. Das wird geprügelt und gebrüllt, gehasst und geliebt und doch bleibt alles folgenlos.»

Südkurier
«Wie man das von Urs Widmers Erfolgsstück Top-Dogs aus dem Jahr 1997 bereits kennt, kommt bei die Systemkritik zunächst in Form der amüsanten Persiflage auf die Bühne. Damals wurde tief gefallenen Managern ein Sprungtuch für den weichen Aufprall bereitet, jetzt sind sie unwiderruflich am Ende. An ihrem eigenen und am Ende der Welt. Auch diesmal darf gelacht werden, dürfen die abgerichteten Oconomy-Affen mit ihrem menschenverachtenden Minimalwortschatz verlacht werden. Doch das Lachen bleibt bald im Halse stecken. [...] „Ein Todes-Experiment“ heißt es im Untertitel. Nicht nur die Finanzblase platzt, auch die Goldbarren von Zürich schmelzen im Fegefeuer ebenso dahin wie ihre Besitzer.»