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Carmen

Oper von Georges Bizet

  • Media: Carmen
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Wie auch immer die Titelfigur von Georges Bizets Carmen gestaltet wird, sie ist stets von einer Aura der Sinnlichkeit und der  Fatalität umgeben. Für die Neuproduktion von Carmen in der Spielzeit 2014/2015 hat Rifail Ajdarpasic ein Bühnenbild geschaffen, das den Bezug auf Spanien erweitert und die sonnendurchflutete Atmosphäre des mediterranen Raums in eine Holzstruktur übersetzt. Ausgestaltet wird dieses Milieu durch die Kostüme von Ariane Isabell Unfried, die mit gezielt eingesetzten Farbtupfern die Charakterzüge der Protagonisten betonen. Der italienische Regisseur Nicola Berloffa befreit die Figuren von der Last einer oberflächlichen Zigeunerromantik und betont dadurch das Gefühlsdrama, das sich zwischen Carmen, José und Micaëla abspielt.
 

Wer singt wann?

Koproduktion mit der Ópera de Tenerife


Mit grosszügiger Unterstützung von

Ostschweizer Stiftung für Musik und Theater

Ort | Grosses Haus Zeit | 2 Stunden 50 Minuten inklusive einer Pause [Tickets]

Sinnliche Extreme und starke Kontraste

Der italienische Regisseur Nicola Berloffa inszeniert Georges Bizets Carmen. Im Gespräch enthüllt er die wichtigsten Aspekte seiner Inszenierung und vermittelt einen Eindruck von den vielen Fragen, die mit den Figuren dieser Oper einhergehen.

 

«Carmen» ist eine der bekanntesten Opern überhaupt. Wie gehen Sie damit um?

Nicola Berloffa: Die Bekanntheit der Carmen macht sie für uns Regisseure zu einer der risikoreichsten Opern! Jeder Opernbesucher hat eine Vorstellung von diesem Werk, so dass es immer Zuschauer geben wird, denen die Inszenierung nicht gefällt. Dies zu wissen ist einschüchternd. Mein Ansatz liegt darin, die Persönlichkeit der Figuren von der Musik ausgehend zu entfalten. Aus dramaturgischer Sicht wird meine Carmen eher traditionell sein, ich werde die Verhältnisse nicht verkehren oder in die Handlung eingreifen.

In welcher Umgebung wird Ihre «Carmen» spielen?

Wir erweitern den Spanien-Bezug und schaffen eine Art Hommage an das Mediterrane, wobei wir uns zeitlich nicht festlegen. Dafür haben wir einen abstrakten Raum geschaffen, in dem durch die Kostüme Elemente aus verschiedenen Epochen miteinander kombiniert werden. Dazu kommen Filmsequenzen aus dem neorealistischen italienischen Film der Nachkriegszeit, die eine Verbindung herstellen zu Orten wie Sizilien, Neapel oder Griechenland. Das wichtigste Element, das die Atmosphäre des Mittelmeerraums evoziert, sind jedoch Jalousien. Das Bühnenbild besteht aus einer Holzstruktur, die von Jalousien verdeckt wird. Diese erlauben es mir, mit vielen visuellen Kontrasten zu arbeiten wie etwa Licht und Schatten, dem Wechsel von Tag und Nacht oder der Jahreszeiten.

Kontrast ist überhaupt ein Merkmal, das die Oper prägt, man denke etwa an den starken Gegensatz zwischen Heiterkeit und Fatalität. Wie übersetzen Sie diesen auf der Bühne?

An dieser Charakteristik zeigt sich, dass Carmen für die Pariser Opéra Comique geschrieben wurde. Das Werk musste sich aufführungstechnisch gesehen in eine Reihe Offenbachscher Operetten einfügen. Deshalb sind viele Elemente der Carmen der Operettentradition verpflichtet. Zugleich gibt es aber Momente grosser Intensität, in der sich die für damalige Verhältnisse auffällige Modernität der Partitur zeigt. Es ist eine grosse Herausforderung, die heiteren Momente logisch mit der dramatischen Handlung zu verbinden, die sich darunter verbirgt. Schon die allererste Szene hat etwas Operettenhaftes. Hört man diese Musik, dann vermutet man nicht, dass sich daraus eine Tragödie entwickeln wird.

Es ist jedoch nicht nur die Musik, sondern auch die Persönlichkeit von Carmen, die nach wie vor eine grosse Faszination ausübt …

Ja, auf jeden Fall! In Carmen erkenne ich Eigenschaften, die vielen Frauen von Heute zukommen. Sie wird von einer grundlegenden Unzufriedenheit getrieben und will die gesellschaftliche Stufenleiter erklimmen. Sie entwickelt sich von der Fabrikarbeiterin über die Prostituierte und Verbrecherin bis zur Geliebten von Escamillo. Hier hätte sie den Gipfel der Gesellschaft erreicht, doch findet sie sich am Schluss trotzdem in einem Zustand der Frustration. Das enthüllt ihre letzte Begegnung mit José: Sie erwartet passiv seine Ankunft, sie wehrt sich nicht. Angesichts ihres Temperaments hätte ich eine andere Reaktion erwartet!

Der Antrieb der Handlung sind Carmens Männerbeziehungen. Wie verstehen Sie ihr Verhältnis zu Don José?

Das ist eine zentrale Frage, denn: Wie kann eine Frau ihres Charakters und ihrer Attraktivität sich in einen Jungen aus den Bergen verlieben? José entwickelt sich während der Oper von einer aufrichtigen Person zu einem degradierten Soldaten, Deserteur und Mörder. Er wird von Carmen völlig zerstört, weil er trunken ist von der erotischen Sinnlichkeit, die er durch die Begegnung mit Carmen in sich entdeckt hat. Möglicherweise nutzt Carmen José nur als Mittel dazu aus, ihr Ziel zu erreichen: die Freiheit. Vielleicht liebt sie ihn aber auch aufrichtig, wird dann seiner überdrüssig und geht deshalb mit Escamillo. Ihr Charakter ist nicht eindeutig, und ihr Verhalten gegenüber Escamillo wirft ähnliche Fragen auf. Escamillo ist ein Langweiler, das zeigt die Musik: Während Josés Motive eine grosse Bandbreite an Nuancen aufweisen, hat Bizet Escamillo nur eine einzige Farbe zugeordnet. Was also ist es, das Carmen an Escamillo fasziniert? Geld und Erfolg. Wie sonst soll eine Frau wie Carmen von einem Langweiler wie Escamillo für sich gewonnen werden? Carmen sieht in ihm die Möglichkeit, ein würdigeres Leben führen zu können, deshalb lässt sie sich auf ihn ein.

Aber wenn sie diese Hoffnung hat, weshalb lässt sie es dann zum tödlichen Ende kommen?

Weil sie die Monotonie erkennt, die ein Leben mit Escamillo mit sich bringen würde. Ein so abenteuerlustiger und unabhängiger Charakter wie Carmen würde ein eintöniges Leben nicht ertragen. Jedes Mal, wenn Escamillo Carmen erblickt, sagt er zu ihr, er werde einen Stier für sie ermorden. Zwischen José und Carmen war das viel lebendiger! Sie bricht mit Escamillo auf, weil sie der Unzufriedenheit entfliehen will, in die sie mit José gelangt ist. Doch sieht sie schnell ein, dass das Leben mit Escamillo auch nicht interessanter wird. Am Ende, wenn sie auf das Eintreffen Josés wartet, ist die Musik sehr monoton, was gar nicht typisch ist für Carmen. Sie ist hier musikalisch fast nicht wiederzuerkennen. Ihr Temperament kommt erst im Duett mit José zurück, wenn sie den Ring auf den Boden wirft. Es ist, als ob sie ihn zum Mord inspiriert, denn alle Provokationen gehen von ihr aus. Sie macht José zu einer Bestie und bringt ihn dazu, sie zu ermorden. Er hingegen bleibt am Schluss zurück und versteht nicht, wie er unter dem Einfluss Carmens zu dem hat werden können, was er geworden ist. Was bleibt, ist Josés Verzweiflung, seine Verzweiflung über sich selbst.

Neue Zürcher Zeitung

Wider die Klischees

Georges Bizets Oper «Carmen» im Theater St. Gallen

Die «Carmen»-Neuproduktion im Theater St. Gallen räumt mit den gängigen Rollenklischees gründlich auf. Carmen ist keine Zigeunerin, José kein Soldat, und von Spanien sieht man praktisch nichts. Jeder Opernbegeisterte kann die Hauptfigur beschreiben: Carmen, das ist jene feurige Zigeunerin aus Spanien, der Inbegriff der Femme fatale, die dem Soldaten José derart den Kopf verdreht, dass dieser seine biedere Micaëla einfach stehenlässt. Das Theater St. Gallen hat nun aber eine Neuproduktion von «Carmen» herausgebracht, die mit solchen Rollenklischees gründlich aufräumt. Der Regisseur Nicola Berloffa befreit die Figuren der beliebten Oper Georges Bizets von der Last der Aufführungstradition und fängt gewissermassen bei null wieder an. Der Dirigent Modestas Pitrėnas wiederum verbindet dramatische Spannung und Poesie wirkungsvoll miteinander. Dabei ist für Auge und Ohr eine schlüssige Deutung herausgekommen.

Ausdruck wichtiger als Schönheit

Bei Berloffa kommt Carmen nicht als Zigeunerin daher, sondern als Arbeiterin, als Frau aus der Unterschicht. Sie ist auch nicht von Anfang an die grosse Verführerin, sondern wächst erst allmählich in diese Rolle hinein. Bei ihrer Habanera im ersten Akt wirkt sie geradezu zurückhaltend. In der grossen Szene mit José am Schluss des zweiten Akts zieht sie dann aber alle Register als Verführerin, um dem Soldaten die Rückkehr zur Truppe auszutreiben. Die Bulgarin Alex Penda, welche die Titelrolle an der Premiere singt, besitzt eine Stimme, die nicht auf Hochglanz getrimmt ist. Ausdruck ist ihr wichtiger als Schönheit. Ihr Sopran klingt eigentlich wie ein Mezzo, dazu manchmal rau, ungehobelt, ja ordinär und passt ausgezeichnet zur Rolle der Fabrikarbeiterin. [...] Die gelungenste Neudeutung ist jene der Micaëla. Sie erscheint nicht als Unschuld vom Land, sondern als echte Alternative zu Carmen. Bei ihrem ersten Auftritt trägt Micaëla ein knallrotes Kleid und schlägt die Annäherungsversuche der Soldaten nur halbherzig zurück. Cristina Pasaroius leichter Sopran verleiht der Rolle eine gewinnende Ausstrahlung. Ganz besonders punktet sie bei ihrer herzerweichenden Arie im dritten Akt, mit der sie José zurückerobern will. [...] Vermeidung von Klischees ist auch bei Bühne und Kostümen angesagt. Rifail Ajdarpasic lässt auf der Bühne fast alles Spanische weg. Der am Schluss unvermeidliche Stierkampf wird als schäbiger Schwarz-Weiss-Film gezeigt. Durch verschiedene Holzkonstruktionen, besonders durch die allgegenwärtigen Jalousieläden, wird eine sommerliche, mediterrane Welt geschaffen. Dazu lässt Marco Giusti das Licht stets steil von oben einfallen, als würde die Sonne unbarmherzig brennen. Ariane Isabell Unfried steckt die Figuren in unauffällige Kleidungen, bei denen Schwarz, Weiss und Beige dominieren. Der Verzicht auf alles Folkloristische bei Bühnenbild und Kostümen lenkt den Blick des Betrachters auf das Kerngeschehen, nämlich die Interaktionen der Protagonisten. Wenn José am Schluss Carmen ersticht, sind sie alleine auf der Bühne, während der Trubel des Stierkampfs unsichtbar bleibt.

(21.10.2014, Thomas Schacher)

Neue Vorarlberger Tageszeitung

Carmen, die bei Tag in einer Zigarettenfabrik arbeitet und des Nachts mit einer Schmugglerbande unterwegs ist oder sich mit einem ihrer ständig wechselnden Liebhaber vergnügt, wird dargestellt von Alex Penda [...]. Sie ist ein Stimmwunder, denn sie singt einerseits Partien des dramatischen Sopranfachs, bringt aber für die Mezzosopranpartie der Carmen eine ungewöhnlich füllige tiefe Lage mit. Eine ideale Besetzung dieser rassigen Partie also, und das ist sie auch von ihrer Person her. Sie ist temperamentvoll, aber auch fatalistisch, wenn die Karten ihr den Tod prophezeien, und sie stellt sich der letal endenden Unterredung mit José mit aller Gefasstheit.

In eben dieser Rolle liefert der hochgewachsene Ladislav Elgr eine Charakterstudie par excellence. Zuerst kaum an den Frauen interessiert und nur seiner Jugendliebe Micaëla zugetan, verfällt er der erotischen Ausstrahlung von Carmen umso mehr. [...] Berührender Mittelpunkt der ganzen Oper ist seine "Blumenarie", wunderbar inwendig gesungen. Auch die Rollen der Micaëla und des Torero sind mit Cristina Pasaroiu und Aris Argiris sehr gut besetzt. Das Sinfonieorchester Sankt Gallen unter Modestas Pitrėnas musiziert mit genauer dynamischer Differenzierung und Sensibilität für die jeweilige Stimmung der so verschiedenen Szenen.