24
Oktober 2017
Wiederaufnahme
Dienstag
19:30 Uhr
Eine Familie
Dramödie von Tracy Letts

Inhalt

Für Beverly Weston, einen pensionierten Hochschulprofessor, wird es zunehmend mühsamer, die amerikanische Normalität einer glücklichen Familie aufrechtzuerhalten. Frustriert ertränkt er seinen quälenden Alltag im Alkohol. Als er plötzlich verschwindet, trommelt seine krebskranke, tablettensüchtige Ehefrau Violet die gesamte Familie zusammen. Nicht lange, und das Zusammentreffen gerät zur Schlammschlacht, in der Lebenslügen kollabieren und Geheimnisse platzen.
2008 erhielt Letts für sein Stück, das erkennbar von Grössen wie Tennessee Williams oder Eugene O’Neill beeinflusst ist, unter anderem den Pulitzer- Preis. Eine Familie ist ein fesselnder Psychokrieg der Generationen, der sich stets zwischen Tragik und beklemmender Komik bewegt.

«Wenn jemand stirbt ... vielleicht stirbt ja dann alles und nur ein Nichts bleibt übrig. Vielleicht muss ich sterben, damit alles verschwindet ...»

Besetzung

Presse

St. Galler Tagblatt

Regisseur Wojtek Klemm erhebt zudem die bittere Konversationsschlacht in seiner St. Galler Inszenierung zum Gesamt-Kunststück, mit einem grossartigen Ensemble, das die schweisstreibend-sportliche Regievorgabe mit augenfälliger Lust umsetzt.

Saiten

Der Regisseur mag seine Figuren, noch in der grössten Erbärmlichkeit behalten sie ihre Würde und ihre Liebenswürdigkeit. Das gilt allen voran für Birgit Bücker. Sie spielt Violet, den despotischen Mittelpunkt des Stücks, mit flackerndem Blick und zugekniffenem Mund, sekundenschnell kippend zwischen Wrack und Vamp, böse und bedauernswert. Um sie herum läuft das komplette Ensemble zu Hochform auf, wobei das starke Geschlecht («Bloss keine Genderdebatte», flucht Bill) die Frauen sind: die drei Schwestern Diana Dengler, Anna Blumer und Anja Tobler sowie als Gäste Catriona Guggenbühl und Katrija Lehmann, die die junge Jean mit starker Präsenz spielt. Zum Lachen, aber nie lächerlich auch die Männer: Marcus Schäfer, Christian Hettkamp, Bruno Riedl, Matthias Albold und Oliver Losehand.

Ostschweiz am Sonntag

Fesselnd, wie die Macht- und Emanzipationskämpfe, wie Egoismus und Schuldgefühle innerhalb der Familie die Probleme einer ganzen Nation widerspiegeln. Wojtek Klemms Inszenierung aber – und das ist das Wichtigste – hebt staunenswert die bleischwere Last in kunstvolle Leichtigkeit. Alles ist hier ins Bild, in Bewegung, in Tanz, in Geste und vor allem in bittere Komik umgesetzt. Mal hocken die Schwestern, Schwager und Enkel vereinzelt mit ihren Ticks auf Stühlen im Kreis, mal tanzen sie einen indianischen Ringelreihen, bilden einen riesigen Knäuel, klettern auf die Möbelskulptur.

Termine & Tickets

Grosses Haus

Das Grosse Haus ist das Herzstück des Theaters St.Gallen. Über 400 Mal hebt sich jährlich der Vorhang in dem Bau von Claude Paillard im Museumsviertel, in dem 741 ZuschauerInnen Platz finden.

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