2
November 2017
Donnerstag
20:00-21:10
Caligula
Tanzstück von Ronald Savkovic

Zum Stück

Das Wort Cäsarenwahn wurde für ihn quasi erfunden. C. Caesar Augustus Germanicus, so sein eigentlicher Name, wurde nach seinem Tod nur noch Caligula (Stiefelchen) genannt –  abgeleitet von den kleinen Soldatenstiefeln, die Legionäre im Lager für den als Kleinkind mitreisenden Sohn ihres Feldherrn Germanicus angefertigt hatten. Nach nur vier Jahren Herrschaft als römischer Kaiser wurde Caligula infolge einer Verschwörung umgebracht. Hauptgrund war seine ausufernde Gewalt, die sich in ungerechten Prozessen, willkürlichen Urteilen und grausamen Hinrichtungen manifestierte.
Der kroatische Choreograf Ronald Savkovic wird sich mit der Tanzkompanie des Theaters St.Gallen auf die Spuren eines der berüchtigtsten Herrscher der römischen Geschichte begeben.
 

«Noch lebe ich.»

Besetzung

Zugabe

Caligulas letzte Stunde
und wie ein Tanzstück daraus entsteht

Der Choreograf Ronald Savkovic begibt sich mit der Tanzkompanie auf die Spuren eines der berüchtigtsten Herrscher der römischen Antike. Miroslav Bako komponiert die emotional eindringliche Musik, Armand Vilaf verwandelt die Lokremise in ein Filmstudio, und Aleksandar Nosphal gestaltet die vielschichtigen monochromen Kostüme.
Die Lokremise ein Filmstudio? Caligula inszeniert seine letzte Stunde, einen Rückblick auf sein Leben seit dem Tod seiner geliebten Schwester Drusilla, seinen eigenen Tod im Theater als finale Performance. Wir sehen Caligulas Traum vom Mond. Wir sehen seine wechselnden Launen und Verwandlungen, sehen den Liebhaber, den Freund, den Gatten, den Wüstling, den Tyrannen. Und Roms Patrizier sind nicht nur mehr oder weniger freiwillige Zuschauer dieses Staats-Schauspielers und Selbst-Darstellers, sondern auch Mitspieler und Opfer. Den Kaiser spielen bekanntlich immer die anderen, und die Römer lassen diesen Nachfahren des Augustus gewähren und schauen ohnmächtig zu, wie er sie demütigt, ihresgleichen hinrichten lässt, ihre Frauen missbraucht und prostituiert. Eine Sonderstellung kommt Caesonia, seiner vierten Frau, zu: Trotz aller Misshandlungen hält sie sich an Caligulas Seite und ist vielleicht die einzige Person, mit der er echte Nähe für mehr als nur einen spielerischen Augenblick zulässt.
Ein Freigelassener versucht sich als Berater und Spielleiter zu profilieren, ein Prätorianeroffizier gibt die Stimme der Vernunft, ein Verwandter glaubt an Freundschaft, doch letztlich spielen alle mit und entrichten Opfergaben, wenn der Kaiser sich als Venus feiern lässt. Die von Caligula ausgehende negative Energie staut sich hinter ihren Masken in ihnen auf – man sieht und spürt diese absorbierte negative Energie in Aleksandar Nosphals Figurinen mit den ausnahmslos schwarzen Stoffmustern für die Patrizier. Im Laufe des Stückes legen sie die Masken und Kostümschichten ab, liegen die verwundeten Körper und Seelen bloss. Die fortgesetzten Demütigungen zwingen die Patrizier irgendwann zu reagieren: Unter Führung des Prätorianeroffiziers Chaerea schreiten sie zum Tyrannenmord. Doch ist nicht auch dies letztlich Teil von Caligulas Inszenierung?
 

Presse

St.Galler Tagblatt

"Caligula" ist nicht nur bild-, sondern vielmehr sinnesgewaltig. Tanz, Musik, Kostüme, Bühnenbild und Licht greifen ineinander. [...] Ein Highlight ist auch die Musik von Miroslav Bako. Zu hören sind Tropfen, Stimmen, Stöhnen, Grillen, liebliches Klavier, klassische Musik, Techno, harte Bässe, verwirrende Geräusche. Immer peitscht die Musik das Geschehen vorwärts.

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