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Tanz - Zwielicht

Tanzstück von Marco Santi | Jay Schwartz

  • Media: Zwielicht

Das Zwielicht geht aus einer Mischung aus Helligkeit und Dunkelheit hervor. Es repräsentiert die Schnittstelle zweier Seiten, die einander ausschliessen und doch zusammengehören. Marco Santis Choreografie Zwielicht beschäftigt sich mit den Phänomenen des Übergangs, die er mit den Mitteln des Tanzes im Raum der Kathedrale zu erlebbaren Bewegungsfolgen formt. Der Tanz wird so zum Medium, jenseits der Sprache einen respektvollen Zugang zu den Themen und Fragen zu finden, die im Kirchenraum verhandelt werden. Dabei bilden die zeitgenössischen Stilmittel der Festspielproduktion einen Kontrast zur überwältigenden Innengestaltung der Kathedrale.

Ort | Kathedrale [Tickets]

Phänomene des Übergangs - Marco Santi und Jay Schwartz im Gespräch mit dem Dramaturgen Serge Honegger

Santi: Wir kennen uns aus meiner Zeit in Stuttgart, damals arbeitete Jay im Musikarchiv.

Schwartz: Genau, nach dem Studium arbeitete ich in diesem Keller und eroberte mir dann nach und nach die Welt des Theaters. Deine Arbeit habe ich damals sehr bewundert, das war eine Offenbarung, etwas ganz Neues!

Santi: Ich bekam zu der Zeit die Gelegenheit, eigene Arbeit mit den Tänzern zu entwickeln und habe viel experimentiert.

Schwartz: … und wir wollten schon damals in den frühen 90er Jahren ein gemeinsames Projekt machen …

Santi: Ja, leider kam das nicht zustande und wir verloren uns komplett aus den Augen.

Schwartz: Viele Jahre später trafen wir uns dann per Zufall in München. Dort kam meine Oper Narziss und Echo heraus und Du choreographiertest gerade eine Oper.

Santi: Das war Idomeneo, wenn ich mich recht erinnere … Ich habe mir dann DeinStück angeschaut und war total begeistert. Als es darum ging, für die Produktion in der Kathedrale einen Komponisten zu finden, bist Du mir sofort in den Sinn gekommen.

Schwartz: Mich hat dieses Projekt für die Festspiele total gepackt. Ich beschäftige mich seit langem mit der Alten Musik und sehe in meiner Arbeit viele Verbindungen zu diesem Zeitraum zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert, der für St.Gallen eine unglaublich wichtige Rolle spielt.

Santi: Für Zwielicht befassen wir uns mit den Phänomenen des Übergangs zwischen den Zeiten, aber auch zwischen Jenseits und Diesseits und mit dem Grenzbereich zwischen Helligkeit und Dunkelheit. Diese Formen des Übergangs höre ich auch in Deiner Musik.

Schwartz: Vielleicht könnte man als Beispiel das «Glissando» erwähnen, das ich gerne in meinen Kompositionen verwende. Ich baue diese Form in meiner Musik nicht als ein Rutschen um des Rutschens willen ein, sondern es geht beim Glissando darum, dass ein Ton sich bewegt und der andere nicht. Dadurch entsteht ein Sog hin zum Unisono, zum konsonanten Ton. Die zeitgenössische Musiktheorie lehnt das mitunter ab, aber ich bin aber der Ansicht, dass Musik physikalisch ist und man das nicht rauskriegt. Auch in der Gregorianik sieht man dieses Prinzip, wie sich aus einem Ton eine Tonreihe auffächert und sich wieder zurück bewegt.

Santi: … So etwas lässt sich natürlich auch räumlich und tänzerisch sehr gut umsetzen! Das Hiersein, das Weggehen, akustische und visuelle Echowirkungen sowie die Evokation von vergangener und zukünftiger Zeit.

Schwartz: …und dazwischen entfaltet sich das Zwielicht.